Immunisierung Corona-Auffrischungsimpfung: Ist Deutschland darauf vorbereitet?

Knapp zehn Prozent der Deutschen sind vollständig gegen Covid-19 geimpft. Woran die wenigsten dabei denken: Auch die "Immunisierten müssen sich in ein paar Monaten schon wieder pieksen lassen, denn: Nach einem halben Jahr steht die Auffrischungsimpfung an. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, kritisiert, dass Deutschland darauf kaum vorbereitet sei. Stimmt das?

Die Impfschwester Antonia Hollerbach hält eine Ampulle Impfstoff Comirnaty (BioNTech) zum Aufziehen einer Impfspritze
Nach einem halben Jahr wird für vollständig Geimpfte die Auffrischungsimpfung gegen Corona fällig. Bildrechte: IMAGO / Peter Endig

Für alle, die dachten, dass sie nach zwei Spritzen aus den Häusern Moderna, Biontech oder Astrazeneca sicher sind, hat der Leipziger Virologe Uwe Liebert eine schlechte Nachricht: "Es ist tatsächlich so, dass die Antikörper nach einer Impfung maximal ein halbes Jahr bei allen anhalten und danach eigentlich mit einer Wiederimpfung rechnen muss."

Dass bedeute, dass es spätestens im Herbst mit den Auffrischungen losgehen müsse. Aber: Das sei noch lang kein Grund, jetzt in Hektik zu verfallen. "Allerdings ist es erforderlich, dass sich Impfzentren und die niedergelassenen Ärzte darauf tatsächlich einstellen, dass im Herbst wieder deutlich ein Bedarf an Auffrischungsimpfungen besteht."

Impfzentren nur "Überbrückungsstruktur"

Dass mit den Impfzentren ist allerdings so eine Sache, sagt Kai Kranich. Er spricht für das Deutsche Rote Kreuz und ist in Sachsen verantwortlich für die Impfzentren. "Wir befinden uns in Messehallen, in ehemaligen Einkaufszentren, in Sporthallen. Da möchten dann sicher auch wieder andere Menschen Messen abhalten oder Sport treiben. Also die Impfzentren in ihrer jetzigen Form sind eben eine Überbrückungsstruktur."

Kranich mahnt ebenso wie Ute Teichert, Chefin im Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, dazu, sich jetzt darüber Gedanken zu machen, wie und wo in Zukunft geimpft wird. Denkbar seien Impfambulanzen oder Impfstationen.

Thüringen ist vorbereitet

In Thüringen hat man sich diese Gedanken über die Auffrischungen offenbar schon gemacht. Dort ist die Kassenärztliche Vereinigung für die Impfungen zuständig. "Es wird das sowohl in den Vertragsarztpraxen geben als auch in den Impfstellen. Bin ich fest von überzeugt", sagt Jörg Mertz von der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen.

Dort ist die Impflandschaft kleinteiliger als in Sachsen. Es gibt nur drei große Impfzentren und 29 kleinere Impfstellen. Diese befinden sich zum großen Teil in Kliniken oder anderen Gesundheitseinrichtungen, wo das Impfen auch perspektivisch erledigt werden könnte. In Thüringen jedenfalls stehe man bereit, wenn Wissenschaft und Politik die Auffrischung forderten, so Mertz.

Noch fordert die Politik aber keine Auffrischung. Ein Beispiel: die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt. Dort ist Tobias Krull der Mann für die Gesundheitspolitik. Er sagt: "Priorität ist sicher momentan in der politischen Debatte noch die Durchführung der Erstimpfung. Die Wiederholungsimpfung stand jetzt noch nicht unmittelbar im Fokus." Dass eine Auffrischung nötig ist, ist Krull aber durchaus bewusst.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Mai 2021 | 06:09 Uhr

47 Kommentare

Kritische vor 5 Wochen

Ja, ich weiß Anni. Meine Schwester in Niedersachsen hat auch keine Chance. Was dort auch blöd ist: Man muss seine PLZ angeben und bekommt dann nur EIN Impfzentrum zur Auswahl. Wenn dort kein Termin frei ist, hat man Pech. Sie hat sich jetzt bei der Hausärztin auf die Liste setzen lassen. Die wiederum weiß nie, wieviel Impfstoff sie wann bekommt und ruft einfach alle an, wenn was da ist. Das ist in Sachsen um Längen besser. Ich kann hier ALLE Impfzentren durchsehen und auch in weiter entfernte fahren. Wir waren in Belgern und Borna, ist zwar weit, aber Hauptsache Termin.

Kritische vor 5 Wochen

Es nützt nichts, jetzt noch nach hinten zu sehen. JA, es wurde zu wenig Impfstoff bestellt, JA, es könnte schneller gehen, JA, es ist nicht immer gerecht. ABER: Wie viele Länder impfen noch gar nicht?? Unsere Verwandten in Spanien schauen neidisch auf uns. Wie viele Jahrhunderte grassierten früher Seuchen? Nach EINEM Jahr wurde ein - nein, mehrere - Impfstoffe gefunden, übrigens nicht aus dem Nichts gestampft, wie hier gern behauptet wird, sondern weiterentwickelt. Forschung und Entwicklung haben einen unglaublichen Schub bekommen. Die Weltöffentlichkeit diskutiert und verfolgt die Entwicklung. Auch das war früher undenkbar. Es werden Lizenzen an arme Länder vergeben werden MÜSSEN, sonst bekommen wir die Mutanten zurück. Ich hätte NIE gedacht, dass wir ein Jahr nach Beginn der Pandemie so weit sind. Schauen Sie nach vorn, das wird schon. Meine Verwandtschaft in Niedersachsen und Brandenburg haben auch erst jetzt die Chance, es gab keine Portale und nichts. Das wird!!!

Kritische vor 5 Wochen

Wenn das unsere Hauptsorge ist... Amazon, Netflix, Google, alle verdienen an uns. Bierhersteller, Chips, Autoindustrie... Dass Forschung und Entwicklung Geld kosten und dass da auch Gewinne bei rumkommen, sollte doch klar sein. Kommunismus wollt ihr ja auch nicht. Also nicht beschweren, sondern nutzen.

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