Gremium der Bundesregierung Corona-Expertenrat fordert frühe Vorbereitung auf Herbst-Pandemie

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung fordert Bund und Länder auf, sich früh und umfassend auf ein einheitliches Vorgehen gegen neue Infektionswellen im Herbst und Winter vorzubereiten. Zudem warnte das Gremium, es dürfe keinen erneuten "Flickenteppich" geben.

Vier Personen posieren für ein Foto und schauen in die Kamera.
Die Corona-Expertenratsmitglieder Christian Karagiannidis, Heyo Kroemer, Leif Erik Sander und Cornelia Betsch (v.l.n.r.). Bildrechte: dpa

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hat Bund und Länder aufgefordert, sich früh auf ein einheitliches Vorgehen gegen neue Infektionswellen im Herbst und Winter festzulegen. In einer Stellungnahme heißt es, eine vorausschauende Vorbereitung mit kurzen Reaktionszeiten auf veränderte Infektionslagen reduziere die pandemiebedingten Schäden. Daher sollten alle präventiven, therapeutischen und anderen Maßnahmen auf den Beginn einer erneuten Infektionswelle im Herbst gerichtet sein.

Warnung vor "Flickenteppich"

Expertenratsmitglied Christian Karagiannidis warnte zudem vor einem erneuten unverständlichen Flickenteppich von Maßnahmen. Es sei elementar, dass die Regeln überall im Land gleich seien. Bund und Länder müssten einheitliche Beschlüsse fassen und diese klar kommunizieren.

Der Expertenrat zeigte sich offen für eine vorübergehende Maskenpflicht. Sie könne ein wirksames und schnelles Instrument zur Infektionskontrolle darstellen. Masken böten vor allem in Innenräumen den höchsten Selbst- und Fremdschutz. Die soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen durch Schul- und Kitabesuch sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten müsse weiterhin höchste Priorität genießen, so eine weitere zentrale Forderung aus dem 21-seitigen Pamphlet.

Lauterbach: Basis für Corona-Herbstplan

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erklärte in Reaktion auf die Stellungnahme des Expertenrates, diese werde die Basis für den Corona-Herbstplan der Bundesregierung sein. Man werde "auf alle Szenarien" vorbereitet sein - "mit angepassten Test-, Impf- und Behandlungsstrategien sowie mit einem soliden gesetzlichen Rahmen". Ein Sprecher des Ministeriums hatte bereits zuvor Lauterbachs Meinung bekräftigt, dass eine Neufassung des Infektionsschutzgesetzes noch vor der parlamentarischen Sommerpause angestoßen werden müsse. Die aktuelle Fassung läuft am 23. September aus.

MDR/AFP/dpa (dni)

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 08. Juni 2022 | 17:30 Uhr

53 Kommentare

emlo vor 16 Wochen

Dem stimme ich ausdrücklich zu! Das ist ein wirklicher Schwachpunkt der bisherigen Corona-Politik, der maßgeblich zum teilweisen Maßnahmen-Wirrwarr beigetragen hat.

DermbacherIn vor 16 Wochen

Es geht nicht darum, dass man neue Maßnahmen für den Herbst fordert, sondern dass man fordert, vorbereitet zu sein. Da gehört meiner Meinung z. B. dazu, dass man jetzt sich wissenschaftlich damit beschäftigt was gute Kennzahlen sind, um die Pandemie zu überwachen, wie man Strukturen schafft, um diese Kennzahlen zu bekommen. Dass man sich wissenschaftlich und politisch darauf verständigt, welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt sinnvoll sind. Alles Punkte, die man vorausschauend jetzt schon mal angehen könnte.

DermbacherIn vor 16 Wochen

@MDR AKTUELL-TEAM
Das sage ich schon seit Einführung der Inzidenzzahl, dass diese Zahl das Infektionsgeschehen nicht darstellen kann. Im Übrigen werden durch Inzidenzahlen normalerweise die Erkrankten dargestellt,

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