Der Redakteur | 20.01.2022 Genesen, geimpft, genervt: Verwirrung um die G-Regeln

Was gilt denn nun eigentlich? Sind doppelt Geimpfte nun noch "2G" oder nicht? Und was machen Genesene, die plötzlich nicht mehr genesen sind? MDR-THÜRINGEN-Redakteur Thomas Becker hat Antworten gesucht.

Stempel mit 2G
Das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik und Bürokratie hakt in der Pandemie bisweilen - und dazwischen sollen Genesene, Geboosterte und Besorgte den Durchblick behalten. Bildrechte: IMAGO / Lobeca

Einfache Antworten sind beliebt, dauerhaft gültige auch. Beides ist in einer Pandemie mit einem neuen Virus nicht realistisch. Das führt zu Missstimmungen, alle haben die Nase gestrichen voll, bis auf das Virus.

Immer mehr wird auch deutlich, dass unsere Grundidee, eine Pandemie (und andere Dinge auch) bürokratiegetrieben anzugehen, einer grundsätzlichen Überarbeitung bedarf. Wie kann es sein, dass Europäische Union, Bundesgesundheitsministerium, Landesgesundheitsministerien, Robert Koch-Institut und Paul-Ehrlich-Institut mitunter eigenständig Regeln und Empfehlungen veröffentlichen, die sich letztlich widersprechen, auch weil sie teilweise mit gleichen Begriffen arbeiten, aber mit unterschiedlichen Deutungen.

Verwirrung um "3G"-Details

Genau das sind die Probleme, die uns momentan verwirrt zurücklassen. Niemand kann auf Anhieb sagen, wer aktuell grundimmunisiert ist, wer vollständig geimpft, wie zwischenzeitliche Erkrankungen gewertet werden und wann der Booster zwingend notwendig ist.

Selbst die Corona-Warn-App scheitert trotz aktueller Version von dieser Woche an verordneten Details. Zwar lässt sich nun anzeigen, für welchen Zugang der Vorzeigende gerade qualifiziert ist, also "2G", "2G+", "3G" oder "3G+", aber dass Geimpfte oder Genesene mit Booster-Impfung momentan keinen Test brauchen, das müssen die Programmierer der App erst noch beibringen. Hinzu kommt, der persönliche Status hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf die Zutrittserlaubnis unter den verschiedenen G-Bestimmungen, sondern eben auch auf Quarantäneregeln, die wiederum Auswirkungen haben auf die Frage, ob man nun Lohnfortzahlung bekommt oder nicht.

Über Nacht Ungeimpften gleichgestellt

Für maximale Verwirrung sorgte in dieser Woche nun die Verkürzung des Genesenenstatus, sodass plötzlich Millionen Menschen von einem Tag auf den anderen Ungeimpften gleichgestellt wurden. Gleiches gilt für mit Johnson&Johnson Geimpfte. Sie sind quasi über Nacht ungeimpft, denn seit 15. Januar gilt: Nur drei Spritzen bedeuten: "vollständig geimpft". Doch was ist, wenn da noch eine Erkrankung dazwischen gegrätscht ist?

Verordnungen aus allerlei Richtungen

Als wäre alles nicht schon verwirrend genug, arbeiten auch Bildungsministerien und Landkreise gern eigene Verordnungen aus. Von daher wird es schwierig, einen einzigen Verantwortlichen für das aktuelle Chaos zu finden, wenngleich sich Bundesgesundheitsminister Lauterbach in dieser Woche vorgedrängelt hat.

In einer Schalte auf Arbeitsebene soll er sich - wie es aus Teilnehmerkreisen hieß - für das Chaos entschuldigt und zugesichert haben, dass zeitnah eine Gesamtübersicht erstellt wird, was nun eigentlich gilt in Sachen Status. Es ist immerhin davon auszugehen, dass die aktuellen Quarantäneregeln seines Hauses eine Grundlage sein dürften, deshalb sei - wenn auch mit Vorsicht - diese Grafik des Bundesgesundheitsministeriums vom 14. Januar 2022 empfohlen.

Grafik von der Quarantäne befreit
Bildrechte: Bundesministerium für Gesundheit, aus der Verordnung vom 14. Januar 2022

  • Demnach müssen Menschen nicht in Quarantäne, die
  • 3 x geimpft sind
  • Genesene und 2 x Geimpfte bis drei Monate danach
  • Genesene mit zusätzlicher Impfung
  • J&J-Geimpfte, die zusätzlich 2 x geimpft sind.

Inwiefern nun zum Beispiel angesichts der Verkürzung des Genesenenstatus von sechs auf drei Monate auch noch Übergangsregeln erlassen werden, das soll auch bis zum Wochenende geklärt werden.

Aber das Boostern ist noch angesagt?!

Unstrittig, weil vom bürokratischen Irrsinn abgekoppelt, ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der Booster den Impfschutz wieder auffrischt. Nun ist damit stets direkt die Frage verbunden, wie viele Booster eigentlich noch kommen sollen und die Antwort lautet: Wir wissen es nicht.

Das muss uns aber nicht erschrecken, denn es war schon immer so, dass das jeweilige Impfschema an den neuesten Erkenntnisstand angepasst wurde. Zuletzt geschehen bei der 6-fach-Impfung für Säuglinge. Das passierte geräuschlos und unaufgeregt. Sollte es bei der aktuellen Boosterimpfung bleiben, dann hätten wir genau das gleiche "2+1"-Impfschema wie bei der aktuellen 6-fach-Impfung. Also zwei Impfungen kurz hintereinander und mit etwas Abstand ein Booster. Bis 2020 galt hier übrigens noch das "3+1"-Schema für die Säuglinge.

Corona-Forschungen gehen weiter

Inwiefern dann bei Corona noch weitere Auffrischungsimpfungen nötig sind wie bei Grippe (jährlich), FSME (je nach Alter alle drei oder fünf Jahre) oder Tetanus (alle zehn Jahre), das ist Teil der wissenschaftlichen Forschungen, die aktuell weltweit laufen.

Unklar ist auch noch, ob - wie bei der Grippe - nur bestimmten Bevölkerungsgruppen Auffrischungen empfohlen werden oder allen Bürgern. Mit diesem Wissen überrascht es uns dann auch nicht mehr, wenn wir irgendwann erneut antreten müssen. Wobei "müssen" nach dem Ende der Pandemie vielleicht der falsche Begriff ist, wenn das Impfen weitgehend wieder mehr in unsere Eigenverantwortung gegeben wird. Wobei damit noch nichts gesagt ist über die Sinnhaftigkeit der Einführung einer allgemeinen Impfpflicht.

Bleibt uns nun Corona erhalten?

Wahrscheinlich ist Corona gekommen, um zu bleiben. Vielleicht nur als Schnupfen, vielleicht als wellenförmige potenziell tödliche oder schwere Erkrankung, gegen die sich auch künftige Erdenbürger klugerweise impfen lassen sollten.

Dass man Corona aber durch Impfen ausrotten kann wie die Pocken, das ist unwahrscheinlich. Und das hat etwas damit zu tun, sagen Wissenschaftler, dass die Pocken auf den Menschen spezialisiert waren und mit dem letzten Wirt auch das Virus ausstarb. Coronaviren springen jedoch zwischen Mensch und Tier hin und her und wir werden eben nicht alle Fledermäuse impfen können oder was sich noch so alles als Wirt oder Zwischenwirt anbietet.

Mehr zum Coronavirus

Quelle: MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 20. Januar 2022 | 15:00 Uhr

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