Trotz Impfung infektiös Wann Coronatests auch für Geimpfte sinnvoll sind

Immer mehr Studien zeigen: Geimpfte sind vor schweren Erkrankungen geschützt, stellen aber weiter eine Gefahr dar. Die Impfung verhindert zwar den Tod oder Krankenhausaufenthalt, aber nicht die Ansteckung. Brauchen wir also einen Schutz vor Geimpften?

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Eine Frau hält einen Antigen-Schnelltest zum COVID-19-Antikörper-Nachweis in den Händen. 4 min
Sollten auch Geimpfte bei bestimmte Anlässen wieder einen Coronatest machen müssen? Bildrechte: dpa

Der Impfausweis reicht. Besucher des AWO-Seniorenheimes Beerendorf bei Delitzsch müssen ihn nur vorzeigen, dann steht dem Eintritt nichts mehr im Wege, erklärt Heimleiter Christian Schulze. Extra Tests für Geimpfte in Altenheimen lehnt er ab: "In der jetzigen Situation würde ich das nicht für vernünftig halten. Wenn allerdings die Inzidenzen steigen, dann können wir gerne auch die Geimpften testen. Im momentanen Zusammenhang sehe ich das nicht."

Restrisiko eines Impfdurchbruchs

Also: Erstmal abwarten. Dabei hat das Heim schon einen Corona-Ausbruch erlebt: Vor einem dreiviertel Jahr starben in Beerendorf elf Senioren. Heute sind 90 der 100 Heimbewohner geimpft. Für diese 90 bleibt ein kleines Restrisiko von Impfdurchbrüchen. Und die übrigen ungeimpften Zehn sind dem Virus weiterhin schutzlos ausgeliefert.

Kommt also ein infizierter Geimpfter ins Heim, dann kann der durchaus eine Gefahr darstellen, erklärt der Virologe Alexander Kekulé bei MDR AKTUELL im Corona-Kompass. Sollten sich Geimpfte vor Heimbesuchen also testen lassen? Kekulé sagt: "Die Frage ist mit Ja zu beantworten. Im Bereich von Risikopatienten, im Bereich von Altenheimen würde ich lieber wenn ich das so sagen darf mit Hosenträger und Gürtel unterwegs sein und sagen, lieber erstmal auf der sicheren Seite und testen."

Probleme: Delta-Variante und nachlassender Impfschutz

Die Delta-Variante ist ansteckender. Und der Impfschutz lässt mit der Zeit nach. Das führt zu Impfdurchbrüchen. Das Gesundheitsministerium Israels teilte kürzlich mit, dass die Impfung das eigene Ansteckungsrisiko nur noch zu 39 Prozent verhindere. Neueste Studien zeigen außerdem, Geimpfte haben eine ähnlich hohe Viruslast wie Ungeimpfte, die aber schneller wieder abnimmt. Geimpfte sind daher nicht ganz so ansteckend, aber: Sie sind es.

Geimpfte zu testen, das macht also Sinn, dann am besten mit PCR-Tests. Denn: Schnelltests sind bei Geimpften weniger aussagekräftig, da Geimpfte weniger oder gar nicht erkranken. Dadurch können Tests bei ihnen häufiger falsch-negativ sein, darauf weist der Virologe Klaus Stöhr hin. Dennoch – oder gerade deshalb – sei es wichtig, so viele Menschen wie möglich zu impfen: "Weil die Impfung die Virusausscheidung nicht generell verhindern kann. Aber sie kann für die allerallermeisten verhindern, dass es sehr schwere Erkrankungen gibt. Und das ist auch das Ziel."

Keine Testpflicht für Geimpfte in Sachsen

Obwohl sie sinnvoll sein könnte – eine Testpflicht für Geimpfte an bestimmten Orten wird es zumindest in Sachsen so schnell nicht geben. Gesundheitsministerin Petra Köpping lehnt sie ab und setzt auf freiwilliges Testen: "Nach unserer Verordnung müssen sich Geimpfte nicht testen lassen. Das ist die klare Maßgabe. Ehrlich gesagt kann der Hörer, wenn er da Sorgen hat, jederzeit selbst einen Test machen. Es gibt ja nach wie vor die Möglichkeit sich selbst zu testen." 

Was die Freiwilligen allerdings bald selbst bezahlen müssen. Warum Köpping nicht auch Tests für Geimpfte vorantreiben will, sagte sie nicht. Dabei gibt es diese Tests schon. Einige sächsische Schulen schreiben sie zurzeit auch für geimpfte Schüler vor. Nur in Altenheimen, dort wo sich die Vulnerablen aufhalten, gibt es diese Praxis nicht.

Quelle: MDR Aktuell

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. September 2021 | 08:21 Uhr

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