Infektionszahlen nach Ostern Großteil der Gesundheitsämter war über Ostern aktiv

Nach den Osterfeiertagen ist unklar, wie das Infektionsgeschehen in Deutschland tatsächlich aussieht. Die Daten seien noch nicht belastbar, heißt es etwa vom RKI. Einige Infektionen würden wohl noch nachgemeldet. Es wurde außerdem berichtet, dass nur rund die Hälfte der Gesundheitsämter über die Feiertage Testergebnisse gemeldet habe. Sind also die Ämter für den Meldeverzug und so auch für die vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen verantwortlich?

Student Finn Härtel und ein Pionier der Bundeswehr unterstützen Mitarbeiter vom Gesundheitsamt des Landkreises Bitterfeld-Wolfen bei der Corona-Kontaktnachverfolgung.
Nur die Hälfte der Gesundheitsämter soll an Ostern gearbeitet haben – die Ämter bestreiten das. Bildrechte: dpa

Nur rund 200 der insgesamt etwa 400 Gesundheitsämter in Deutschland sollen über Ostern neue Zahlen zum Infektionsgeschehen mitgeteilt haben. Sollten entsprechende Medienberichte zutreffen, wäre das eine Bankrott-Erklärung für das deutsche Gesundheitswesen.

Der Virologe Alexander Kekulé sagte dazu in seinem Corona-Kompass bei MDR AKTUELL: "Da kann man wirklich nur seufzen. Es ist so, dass ich mich immer noch erinnere, dass der Präsident des RKI vor etwa einem Jahr sich quasi dafür entschuldigt hat, dass die Zahlen so hinterherhinken, und gesagt hat: In zwei Wochen wird‘s besser." Das sei inzwischen fast ein Lacher. "Was auf dem To-Do-Zettel steht, dass wir die Technik der Meldevorgänge von den Gesundheitsämtern nachrüsten müssen, das ist nach wie vor ganz dringend notwendig."

Testergebnisse übermittelt – aber nur zum Teil veröffentlicht

Das sieht man auch beim BVÖGD so, dem Bundesverband der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst. Die Vorsitzende der Interessenvertretung der Amtsärzte, Ute Teichert, nennt da die Personalausstattung und die schleppende Digitalisierung als Beispiele. Der mögliche Verzug bei den Testergebnissen liegt ihrer Auffassung nach aber nicht in an den Gesundheitsämtern. "Die Gesundheitsämter arbeiten jetzt seit einem Jahr durchgehend 24/7 mit Schichtdienst." Das habe sich ganz deutlich umgestellt und davon seien fast alle Gesundheitsämter betroffen. Es gebe höchstens einzelne, die wegen Personalmangel öfter pausieren müssten. "Im Gros sind die Gesundheitsämter aber so weit, dass sie durchgehend arbeiten."

Teicherts Aussagen decken sich mit Informationen der Karlsruher Datenanalyseplattform Risklayer. Auf Anfrage von MDR AKTUELL erklärte ein Sprecher, über die Osterfeiertage hätten nicht die Hälfte, sondern durchschnittlich 90 Prozent der Gesundheitsämter Testergebnisse an die Landestellen übermittelt – aber eben nur rund die Hälfte der Landkreise und kreisfreien Städte habe die Daten auf ihren Webseiten veröffentlicht.

Weniger Tests an Osterfeiertagen sind Grund für niedrige Zahlen

Die BVÖGD-Vorsitzender Ute Teichert führt die vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen über Ostern in der Hauptsache darauf zurück, dass schlicht weniger getestet worden sei. "Das Geschäftsleben wird heruntergefahren, die Arztpraxen arbeiten für gewöhnlich nicht, die Labore haben auch nur Schichtdienst – genauso wie die Gesundheitsämter." In der Summe führe das dazu, dass die Zahlen an diesen Tagen niedriger ausfielen als an den anderen Tagen.

Eine Einschätzung, die das Bundesgesundheitsministerium teilt – und für die auch die Zahlen aus den Laboren sprechen. Laut dem Interessenverband der akkreditierten Labore in Deutschland ist die Zahl der PCR-Tests in der Karwoche um rund 18 Prozent zurückgegangen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 09. April 2021 | 06:09 Uhr

43 Kommentare

goffman vor 27 Wochen

@ Freies Moria: Wir haben eine Vollerhebung bei den Todesfällen und den Intensivpatienten und bisher korrelieren diese Zahlen mit der Anzahl positiver PCR-Tests (zeitversetzt).
PCR-Tests als Indikator für den Verlauf der Pandemie sind valide, reliabel, objektiv, vergleichsweise kosteneffizient und sie liefern ausreichend aktuelle Zahlen.

Ja, theoretisch wäre es erwartbar gewesen, dass der vermehrte Einsatz von Schnelltests die Dunkelziffer senkt und trotz real rückläufigem Infektionsgeschehen zu einem Anstieg der statistisch erfassten Fallzahlen führt.

Aber schon die Tatsache, dass auch die Zahl intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle zunahm, beweist, dass wir tatsächlich eine dritte Welle haben.

Die Antigen-Tests mögen schlechter sein als die PCR-Tests, sie dienen aber bisher nicht zur Begründung politischer Entscheidungen, sondern sollen ansonsten unentdeckte Infektionen aufdecken - das können sie und das ist auch sinnvoll. Gerade an Schulen.

Freies Moria vor 27 Wochen

@MDR-Team: Die PCR-Tests haben an sich rein gar nichts mit Mathematik und Logik zu tun. Sie sind, wie hinreichend bekannt ist, ein Hilfskonstrukt, weil der vom Gesetz geforderte Test auf Lebendviren zu teuer ist.
Wir sparen also beim Test, und geben dafür Milliarden sinnlos aus, weil wir aus dem Ersatztest zwangsläufig falsche Schlüsse ziehen.
Und nicht nur das, jetzt werden an den Schulen die PCR Tests durch katastrophal schlechte Antigen Tests ersetzt - um noch viel mehr testen zu können.
Kurz gesagt: Die Regierung ist ein Geisterfahrer, der gemerkt hat, das was falsch ist, und Gas gibt um schneller zur nächsten Ausfahrt zu kommen. Kann funktionieren. Kann aber auch krachend scheitern, und deswegen ist gerade von Rundfunk und Presse permanentes Hinterfragen gefordert!

Freies Moria vor 27 Wochen

Nimmt man das Infektionsschutzgesetz ernst, so dürften die "Inzidenz" Zahlenorgien komplett irrelevant sein, denn nach dem Gesetz muss die Inzidenz auf einem Lebendvirennachweis beruhen.
Mit anderen Worten: Seit einem Jahr behilft man sich mit einer undefinierten Krücke, deren Definition zudem laufend wechselt (siehe zahlreiche Änderungen im Erhebungsverfahren, in den Tests, in der Laborqualität etc.).
Alle Maßnahmen, Regeln, Gesetze, die sich auf die "Inzidenz" Zahlen beziehen, sind deshalb ungültig - das ist auch in gerichtlichen Revisionsverfahren mehrfach bestätigt.
Nach meiner Meinung ist die Fortschreibung der Zahlenorgien und der darauf beruhenden Maßnahmen eine einzige Umverteilung von Geldern ohne direkten Bezug zum Corona-Virus.
Dies wird nach einem Jahr immer erkennbarer und im obigen Artikel wird der Aspekt der Aktualität der Erhebung herausgezogen - als einer von vielen problematischen Aspekten, der aber Ostern eben heraussticht.

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