Vierte Welle Kanzleramtsminister Braun rechnet mit keinem neuen Lockdown für Geimpfte

Kanzleramtsminister Helge Braun ist zuversichtlich, dass es im Herbst keinen weiteren Lockdown gibt. Braun sagte im Gespräch mit MDR AKTUELL: "Solange die Impfungen gut wirken, kommt ein Lockdown zu Lasten derer, die vollständig geimpft sind, nicht in Frage."

Helge Braun
Braun ist gegen einen Lockdown für Geimpfte. Bildrechte: dpa

Wer geimpft ist, kann sich auch im Herbst, selbst in einer vierten Welle, Hoffnung auf Normalität machen. Helge Braun, Kanzleramtsminister in der Bundesregierung, sagte im Gespräch mit MDR AKTUELL, einen Lockdown für Geimpfte werde es nicht geben, vorausgesetzt die Impfungen wirkten. "Das Robert Koch-Institut hat gesagt: "Bei den derzeitigen Viren, die wir kennen, nehmen Leute, die den vollständigen Impfschutz haben, am epidemiologischen Geschehen nicht mehr wesentlich teil. Wenn sich irgendwo Geimpfte aufhalten, sind sie selber nicht mehr wirklich gefährdet und sie gefährden auch keine anderen. Und da gibt es auch keinen Grund, zu einer Reduzierung ihrer Kontakte zu raten."

Mehrere Studien zeigten zuletzt: Die meisten Impfstoffe wirken auch gegen die Delta-Variante. Bleibt das auch bei kommenden Varianten so, könnten Geimpfte im November ins Theater gehen, erklärte Braun: "Denjenigen, die geimpft sind, kann man dann auch die Normalität ermöglichen, den Besuch im Konzert, genauso wie das Einkaufen. Viele Bereiche, die in der Vergangenheit komplett geschlossen waren, müssen für diesen großen Teil der Bevölkerung, der geimpft ist, überhaupt nicht mehr geschlossen werden."

Nicht nur auf Inzidenzen gucken

Lockdown oder nicht Lockdown? Bei der Antwort auf diese Frage sprach sich der Kanzleramtsminister dafür aus, in Zukunft nicht mehr nur auf die Inzidenzen zu schauen. Wichtig sei auch, wie viele Infizierte tatsächlich erkranken, also zum Beispiel ins Krankenhaus müssen. Man müsse also auch auf die Hospitalisierungsrate achten.

Der Bioinformatiker Rolf Apweiler stimmt ihm zu. Apweiler ist Direktor des "European Bioinformatics Institute" und gehörte bis vor Kurzem zum Kreis der Regierungsberater. Zwar sei die Inzidenz ein guter und sehr schneller Gradmesser. Doch ist laut Apweiler zu erwarten, dass mit steigender Impfquote weniger Infizierte erkranken. "Früher bei den anderen Wellen, wo noch nicht geimpft wurde, da konnte man sagen: Auf zehn positive Tests kam einer ins Krankenhaus. Jetzt haben wir nur sechs Prozent statt zehn Prozent, die etwa ins Krankenhaus kommen." Wenn die Impfraten also weiter steigen, dann könne man die Inzidenzen gedanklich anpassen, so Apweiler. "Man braucht also die Inzidenzen nicht durch die Hospitalisierungsrate ersetzen, sondern man bleibt beim schnellsten Parameter, den man hat, aber schaut darauf in einer anderen Weise."

Rückschlag durch Delta+-Variante?

Entscheidend sei aber, wie sich das Virus weiter entwickle und ob Geimpfte bei Infektionen mit späteren Varianten wieder in Krankenhäuser müssen. "Was wir auch wissen, dass in Großbritannien jetzt schon beispielsweise die Delta+-Variante beobachtet wird, also eine Mutation der Delta-Variante. Wenn sich das wieder stärker ausbreitet, dann hat man da die Befürchtung, dass es zu sogenannten Impfdurchbrüchen kommt. Das heißt, das wäre dann ein schwerer Rückschlag."

Damit es zu so einem Rückschlag nicht kommt, bereite sich die Bundesregierung derzeit darauf vor, das Thema Krankenhausaufnahmen in der Statistik stärker in den Mittelpunkt zu rücken, erklärt Kanzleramtsminister Braun. Das Bundesgesundheitsministerium arbeite daran. Es gehe darum, schon frühzeitig zu erfassen, wie viele trotz vollständiger Impfung mit schweren Krankheitsverläufen in Kliniken aufgenommen werden. Das sei dann ein Signal, zu handeln. Im Herbst könnte Braun allerdings selbst gar nicht mehr Teil der handelnden Bundesregierung sein – je nachdem, wie lange es mit der Regierungsbildung nach der Wahl am 26. September dauert und welche Mehrheiten zustandekommen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 02. Juli 2021 | 06:00 Uhr

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