FAQ Fragen und Antworten zu Corona-Schutzimpfungen bei Kindern und Jugendlichen

Wir beantworten häufig gestellte Fragen rund um das Thema Corona-Schutzimpfungen bei Kindern und Jugendlichen: Ist eine Impfung empfehlenswert? Welche Impfstoffe sind zugelassen? Ist eine Impfung gefährlich? Fragen und Antworten zur Orientierung finden sich in unserem FAQ:

Der 14 Jahre alte Bruno (l) erhält von Marc Gerber seine erste Impfung gegen Covid 19.
Für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren soll es künftig flächendeckende Impfangebote geben. Bildrechte: dpa

Welche Impfstoffe sind für Kinder und Jugendliche zugelassen?

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sind aktuell zwei Impfstoffe für Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren zugelassen: Comirnaty von Biontech/Pfizer und Spikevax von Moderna. Ende Mai hatte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer für diese Altersgruppe (wie für Personen ab 16 Jahren auch) eine bedingte Zulassung erteilt.

Seit dem 23. Juli dürfen Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren auch mit dem Vakzin der Firma Moderna geimpft werden, der ebenfalls eine bedingte Zulassung erhielt. Für Kinder unter zwölf Jahren ist noch kein Impfstoff zugelassen. Nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums laufen aber bereits Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer bei Kindern zwischen sechs Monaten und elf Jahren.

Ist eine Impfung bei Kindern und Jugendlichen sicher?

Nach Angaben des RKI gibt es bisher nur wenige Daten und Erfahrungen zur Sicherheit der Impfungen bei Kindern und Jugendlichen. Die Zahl der Untersuchten sei bisher zu klein, um häufigere unerwünschte Nebenwirkungen zu entdecken.

Die beiden mRNA-Impfstoffe seien aber in jedem Fall reaktogen. Das heißt, sie lösen bei vielen Geimpften lokale (zum Beispiel Schmerz und Rötung an der Einstichstelle) und systemische (zum Beispiel Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden) Impfreaktionen aus. Diese Reaktionen hätten aber eine kurze Dauer von ein bis drei Tagen gehabt und blieben folgenlos.

International sei es bei jungen Männern nach der Impfung mit einem mRNA-Impfstoff in seltenen Fällen zu Herzmuskelentzündungen gekommen. Die genauer Analyse stehe noch aus.

Wie wirksam sind Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche?

In der Zulassungsstudie des Impfstoffs Comirnaty von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche von zwölf bis 15 Jahren wurde laut RKI eine sehr gute Wirksamkeit für die Verhinderung von Covid-19-Erkrankungen ermittelt. Bei den Personen in dieser Altersgruppe, die zwei Impfdosen erhalten haben, liege die Wirksamkeit bei 100 Prozent. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Impfungen auch Kinder und Jugendliche gut schützten.

Details zur Studie

Die Studie untersuchte die Wirksamkeit des Impfstoffs ab dem Zeitpunkt sieben Tage nach der zweiten Impfung im Vergleich zu einem Placebo (Kochsalzlösung) bei 2.260 Testpersonen im Alter von zwölf bis 15 Jahren. In der Impfstoffgruppe traten unter den 1.005 Testpersonen keine und in der Placebogruppe unter den 978 Probanden und Probandinnen 16 labordiagnostisch bestätigte Covid-19-Erkrankungen auf. Daraus ergibt laut sich laut RKI eine Impfstoffwirksamkeit zur Verhinderung von Covid-19 von 100%. Weder in der Impfstoff- noch in der Placebogruppe seien Covid-19-Fälle mit schwerem Verlauf oder Covid-19-bedingte Todesfälle aufgetreten. Daher könnten auf Grundlage der vorliegenden Daten keine Aussagen zur Wirksamkeit des Impfstoffs gegen schwere Covid-19-Verläufe getroffen werden. Aus den Zulassungsstudien bei Erwachsenen sei aber bekannt, dass die Effektivität gegen schwere Covid-19-Erkrankung und Covid-19-assoziierte Krankenhausaufenthalte über der Effektivität gegen die milde bzw. moderate Covid-19-Erkrankung lag. Es ist daher davon auszugehen, dass auch bei Kindern und Jugendlichen eine gute Wirksamkeit gegen diese Endpunkte vorliegt.

Quelle: www.rki.de

Sind Corona-Schutzimpfungen für alle Kinder empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt seit dem 10. Juni 2021 Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen im Alter von zwölf bis 17 Jahren. Diese hätten ein erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Dazu zählen:

  • Adipositas (> 97 Perzentile des BMI)
  • angeborene oder erworbene Immundefizienz oder relevante Immunsuppression
  • angeborene zyanotische Herzfehler(Ruhe-Sättigung <80%)
  • schwere Herzinsuffizienz
  • schwere pulmonale Hypertonie
  • chronische Lungenerkrankungen mit einer anhaltenden Einschränkung der Lungenfunktion
  • chronische Niereninsuffizienz
  • chronische neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen
  • maligne Tumorerkrankungen
  • Trisomie 21
  • syndromale Erkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung
  • Diabetes mellitus (nicht gut eingestellt)

Ebenso empfiehlt die Stiko, Impfungen für Kinder und Jugendlichen im Umfeld von Personen, die sich selbst nicht schützen können sowie für Jugendliche, die arbeitsbedingt einem erhöhten Erkrankungsrisiko ausgesetzt sind.

Was ist die Ständige Impfkommission (Stiko)?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) ist ein unabhängiges Expertengremium aus Expertinnen und Experten, das am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist. Die Aufgabe der Stiko ist es, Impfempfehlungen auf der Basis der besten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse abzugeben. Die Abstimmung über diese Empfehlungen erfolgt dann mit weiteren Expertenkreisen und Fachgesellschaften. Die Stiko-Sitzungsprotokolle sind öffentlich zugänglich und können von jedem eingesehen werden.

Die Stiko betrachtet für die Entwicklung ihrer Empfehlungen immer die jeweils aktuellsten Daten. Die Empfehlungen hängen sowohl von der Verfügbarkeit als auch der Qualität der Daten ab. Welche Impfungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wirklich wichtig sind, wie und wann generell geimpft werden sollte, wird im Impfkalender der Stiko übersichtlich dargestellt. Die Empfehlungen der Stiko sind politisch unabhängig und gelten als wissenschaftlicher Standard.

Quelle: www.tmasgff.de

Warum keine generelle Impfempfehlung der Stiko für Kinder und Jugendliche?

Kinder und Jugendlich ohne Vorerkrankung können sich ebenfalls impfen lassen. Die Stiko empfiehlt dies jedoch nicht ausdrücklich, rät aber davon auch nicht ab. Für eine ausdrückliche Empfehlung für alle Kinder und Jugendlichen fehle aktuell noch die Datengrundlage. Ob eine Impfung für Ihr Kind sinnvoll ist oder nicht, sollte deshalb im Zweifelsfall im Gespräch mit einem Arzt geklärt werden.

Nachrichten

Prof. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission STIKO 4 min
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MDR AKTUELL Mo 02.08.2021 06:20Uhr 04:03 min

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Im Gegensatz zur Stiko geht die Sächsische Impfkommission (Siko) hier in die Offensive. Sie empfiehlt auf Grundlage neuer Daten allen Kindern und Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren eine Impfung mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer und Moderna.

Wie gefährlich ist eine Covid-19-Erkrankung für Kinder und Jugendliche?

Laut RKI verlaufen Covid-19-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren eher mild und teils ohne Symptome. Etwa 1 Prozent der Erkrankten in dieser Altersgruppe müsse im Krankenhaus behandelt werden, etwa 0,001 Prozent versterbe. Die Todesfälle seien bei Kindern mit sehr schweren Vorerkrankungen aufgetreten.

Symptome einer Covid-19-Erkrankung bei Kindern ohne Vorerkrankungen seien Fieber und Husten, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden. Kinder erholten sich davon aber meist rasch und folgenlos. Da das Risiko für Kinder und Jugendliche, an Covid-19 schwer zu erkranken, relativ gering sei, sei die Risiko-Nutzen-Abwägung zwischen einer Erkrankung und der Impfung eine andere als bei erwachsenen Personen.

Bezüglich Long-Covid ist die Datenlage bei Kindern und Jugendlichen laut Robert-Koch-Institut sehr dünn. Derzeit könnten in Deutschland noch keine eindeutigen Aussagen zu Ursachen und Folgen der Krankheit getroffen werden. Unklar sei auch, welche Risikofaktoren das uneinheitliche Krankheitsbild begünstigen. Weiterführende Studien sollen dies klären.

Können Kinder und Jugendliche gegen ihren Willen geimpft werden?

Nein - mit Ausnahmen. Juristisch betrachtet hat ein minderjähriges Kind - insofern es als einwilligungsfähig betrachtet wird - ein Vetorecht gegen die Entscheidung der Eltern, die das Kind gerne impfen lassen möchten. Das bedeutet, dass der Arzt oder die Ärztin ein Kind nicht gegen seinen Willen impfen wird, wenn das Kind als einwilligungsfähig betrachtet wird und dies ablehnt.

Was bedeutet "einwilligungsfähig"?

Einwilligungsfähig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Kind beziehungsweise der oder die Jugendliche in der Lage ist, die Bedeutung und Tragweite seiner Entscheidung zu erkennen, angemessen zu beurteilen und danach zu handeln. Die Einwilligungsfähigkeit wird - anders als die Geschäftsfähigkeit - nicht an einem bestimmten Alter festgemacht. Es könne damit also keine „Zwangsbehandlung“ geben, das sei aus verfassungsrechtlichen Gründen ausgeschlossen (Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1 GG).

Ist der minderjährige Patient nicht einwilligungsfähig entscheiden die Eltern. Diese üben die Personensorge, zu der auch die Entscheidung über Impfungen gehört, grundsätzlich gemeinschaftlich aus – müssen also gemeinsam entscheiden -  und haben dabei auf die wachsenden Fähigkeiten des Minderjährigen Rücksicht zu nehmen (§ 1626 Abs. 2 BGB).

Können sich Kinder und Jugendliche allein impfen lassen?

Nein. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen zum Impftermin mindestens eine erziehungsberechtigte Person mitbringen.

Gibt es gesonderte Impfangebote für Familien?

Bereits im Juni und im Juli gab es beispielsweise in Thüringen "Familien-Impftage", bei denen Kinder- und Jugendärzte in den Impfstellen für Beratungen zur Verfügung standen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung wurden allein am ersten Aktionswochenende etwa 10.000 Impftermine vergeben. Dabei sei die Nachfrage in den Städten höher gewesen als in ländlichen Regionen. Laut einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums sollen in Thüringen weitere Impftage veranstaltet werden - voraussichtlich zu Beginn des neuen Schuljahres.

Ein erster Termin steht bereits fest. Wie die Kassenärztliche Vereinigung mitteilte, ist für den 14. August im Zeitraum von 7:30 bis 13:30 Uhr ein weiterer Familienimpftag geplant. Alle 26 landesweiten Impfstellen sowie die Impfzentren in Meiningen und Leinefelde bieten über das Thüringer Impfportal und über die Hotline der KV entsprechende Termine an.

Zudem verständigte sich die Gesundheitsministerkonferenz am 2. August darauf, in allen Ländern in Impfzentren und bei Hausärzten flächendeckende Impfangebote für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zu schaffen. Die Ständige Impfkommission hingegen wollte noch keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche in dieser Altersgruppe aussprechen. Darüber hinaus sollen für die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Universitäten und Berufsschulen strukturierte und niedrigschwellige Angebote gemacht werden.

Die Angebote sind so auszugestalten, dass die Freiwilligkeit der Annahme dieses Impfangebotes nicht in Frage gestellt wird.

Aus dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom 2. August 2021

Laut einer Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums widerspricht die Entscheidung der Gesundheitsministerkonferenz aber nicht dem, was die Ständige Impfkommission empfiehlt. Auch die Stiko schließe Impfungen - mit entsprechender ärztlicher Beratung - für Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankungen nicht aus.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

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