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Indonesien ist das bei weitem bevölkerungsreichste Land, das eine allgemeine Impfpflicht eingeführt hat. Hier ist eine Impfaktion der Verkehrspolizei zu sehen. Bildrechte: IMAGO / Pacific Press Agency

Pandemie-BekämpfungCorona-Impfpflicht weltweit: Was in anderen Ländern gilt

von Alexander Laboda, MDR AKTUELL

Stand: 17. Januar 2022, 11:51 Uhr

Deutschland debattiert eine Impfpflicht gegen Corona. Andere Länder sind weiter. Nur wenige Staaten haben eine allgemeine Impfpflicht beschlossen. Viele andere verpflichten bestimmte Berufs- oder Altersgruppen zur Impfung. Ein Überblick.

Eine allgemeine Corona-Impfpflicht, wie sie momentan auch in Deutschland diskutiert wird, gibt es weltweit nur sehr selten. Innerhalb der EU hat bislang lediglich Österreich eine allgemeine Impfpflicht ab 14 Jahren angekündigt. Die Pflicht soll dort bereits ab 1. Februar eingeführt werden.

Geringe Quote trotz Impfpflicht in Indonesien

Daneben haben weltweit bislang nur sechs weitere Staaten eine allgemeine Impfpflicht beschlossen. Das bevölkerungsreichste Land in dieser Gruppe ist Indonesien mit über 273 Millionen Einwohnern. Bereits im Februar vergangenen Jahres führte das Land die Impfpflicht für Personen über 18 Jahren ein. Wer sich trotz Anordnung nicht impfen lässt, dem drohen Geldstrafen oder der Verlust von Sozialleistungen.

Von Beginn an gab es in Indonesien logistische Probleme beim Transport der Impfstoffe auf die mehr als 17.000 Inseln des Landes. Zudem fehlt es an Impfstoff, sodass die Quote der vollständig Geimpften trotz Impfpflicht aktuell bei nur gut 42 Prozent liegt.

Impfpflicht ab fünf Jahren in Ecuador

In Ecuador sollen auch Kinder zur Schutzimpfung gegen Corona verpflichtet werden. Bildrechte: dpa

Die umfassendste Impfpflicht hat international Ecuador. Dort müssen sich alle Einwohnerinnen und Einwohner ab fünf Jahren impfen lassen. Die Maßnahme verkündete das Gesundheitsministerium des Landes kurz vor Weihnachten. Ab wann die Regel gilt und welche Sanktionen drohen, ist nicht klar. Ausnahmen solle es für Menschen geben, bei denen nachweislich gesundheitliche Gründe gegen eine Impfung sprechen.

In Ecuador sind derzeit rund 69 Prozent der 17,7 Millionen Einwohner geimpft, rund 900.000 Menschen haben bereits eine Booster-Impfung.

Turkmenistan: Offiziell kein Corona-Fall, aber Impfpflicht

Zwei weitere Länder mit einer allgemeinen Impfpflicht ab 18 Jahren liegen in Zentralasien: Tadschikistan und Turkmenistan. Kurios: Turkmenistan zählt zu den wenigen Ländern weltweit, die offiziell noch keinen einzigen Corona-Fall gemeldet haben. Dennoch gilt in dem Land die Impfpflicht für alle volljährigen Bewohner "ohne medizinische Kontraindikation".

Die beiden übrigen Staaten mit einer allgemeinen Impfpflicht sind der Vatikan sowie der Inselstaat Mikronesien im westlichen Teil des Pazifischen Ozeans. Im Vatikan gilt die Impfpflicht indes nicht nur für die etwas über 800 Einwohner, sondern auch für die Angestellten, die von außerhalb auf das Gelände kommen. Die Strafen bei einem Verstoß reichen theoretisch bis hin zur Entlassung.

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Pflichten für bestimmte Altersgruppen

Andere Länder haben eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Altersgruppen erlassen. Insbesondere für ältere Menschen wurden in mehreren Staaten Impfpflichten beschlossen.

So sind etwa in Italien seit dem 8. Januar über 50-Jährige verpflichtet, sich immunisieren zu lassen. In Griechenland gilt ab dem 17. Januar 2022 eine Impfpflicht für über 60-Jährige, in Tschechien ist dies ab dem Frühjahr geplant. Ob die neue Regierung in Prag an diesen Plänen festhält, ist aber noch nicht entschieden. In allen drei genannten Ländern gibt es außerdem berufsbezogene Impfpflichten im Gesundheitsbereich. In Italien sind dabei auch der Bildungsbereich und das Militär eingeschlossen. Auch Frankreich hatte im September 2021 eine Impfpflicht im Gesundheitswesen und für die Feuerwehr eingeführt – trotz Protesten.

Einen Sonderfall stellt Costa Rica dar. In dem südamerikanischen Land wurde die Coronavirus-Impfung in die Liste der Pflichtimpfungen für Kinder und Jugendliche aufgenommen. Folglich gilt de facto eine Impfpflicht für unter 18-Jährige.

Regeln für bestimmte Berufsgruppen

Eine lange Liste an Staaten und Gebieten hat Impfpflichten für bestimmte Berufsgruppen beschlossen. Vor allem Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich werden vielerorts in die Pflicht genommen, so wie es etwa auch in Deutschland beschlossen ist. Zu den Ländern mit solchen Regeln zählen unter anderem Frankreich, Großbritannien, Belgien oder Lettland.

Andere Länder wie die USA oder Kanada haben eine Impfpflicht für Staatsbedienstete eingeführt. Wieder andere Staaten setzen einen anderen Fokus. In Russland gilt in der Region Moskau etwa eine Impfpflicht für Beschäftigte im Handel und im Dienstleistungssektor, die viel Kontakt zu anderen Menschen haben. In Gambia sind Beschäftigte im Tourismussektor zur Impfung verpflichtet.

Impfpflicht durch die Hintertür

Schließlich gibt es in einigen Ländern zwar formal keine allgemeine Impfpflicht, aber die Einschränkungen für Nichtgeimpfte sind so massiv, dass sie einer Verpflichtung sehr nahe kommen. In Saudi-Arabien haben zum Beispiel nur noch Geimpfte Zutritt zu staatlichen und privaten Einrichtungen, darunter auch Bildungsstätten und öffentliche Verkehrsmittel. In Pakistan ist in der Provinz Baluchistan allen Nicht-Geimpften der Zutritt zu Ämtern, Einkaufszentren, Parks und öffentlichen Verkehrsmitteln verboten.

Quelle: AFP, KNA, dpa (MDR,ala)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL Radio | 10. Januar 2022 | 12:15 Uhr