Hörer machen Programm Wer bezahlt die Impfärztinnen und -ärzte?

Die Corona-Pandemie kostet den Staat viel Geld. Unter anderem die Impfärztinnen und –ärzte müssen bezahlt werden. MDR-AKTUELL-Hörer Peter Groß fragt sich, wie diese eigentlich bezahlt werden und ob die Kosten über die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet werden.

Eine Ärztin impft Patientin gegen Corona
Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte können durch Corona-Impfungen einiges dazu verdienen. Bildrechte: IMAGO / Wilhelm Mierendorf

"Impfen hilft" – mit diesem Spruch wirbt zurzeit die Bundesregierung in ihrer aktuellen Impfkampagne. Man könnte meinen, dieser Spruch gilt rein finanziell auch für Ärztinnen und Ärzte. In Impfzentren oder mobilen Teams bekommen sie bis zu 175 Euro pro Stunde. Ein Arzt, der acht Stunden am Tag Spritzen setzt, könnte somit auf ein Monatsgehalt von bis zu 30.000 Euro kommen. Nur durchs Impfen.

Ist das nicht ein bisschen viel? Nein, meint Ralf Plötner, Gesundheitsexperte der Linken im Thüringer Landtag. Zu Beginn der Impfkampagne wäre es wichtig gewesen, Anreize für Ärztinnen und Ärzte zu schaffen, denn: "Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass sie ihren normalen Praxisbetrieb nicht mehr fortführen können, während sie sich in einer Impfstelle aufhalten. Deswegen ist das auch eine Entschädigung für ausgefallene Einnahmen, die sie sonst in der Praxis erzielt hätten."

Impfhonorare gezahlt von Bund und Ländern

Die Honorare sind je nach Bundesland unterschiedlich: Thüringen zahlt 175 Euro pro Stunde, Schleswig-Holstein nur 115 Euro. Das liegt daran, dass die Honorare von den Kassenärztlichen Vereinigungen in jedem Bundesland mit der jeweiligen Landesregierung ausgehandelt wurden.

Ihre Honorare können die Ärztinnen und Ärzte in den Impfstellen ganz normal abrechnen, erklärt Silke Fließ vom Gesundheitsministerium Thüringen: "Der Weg ist der Folgende: Der Impfarzt oder die Impfärztin in der Impfstelle rechnet das Honorar bei der Kassenärztlichen Vereinigung ab und diese wiederum rechnet das beim Land ab. Der Freistaat Thüringen geht dann in die Vorkasse und holt sich die Kosten anteilig vom Bund wieder zurück."

Anteilig – das heißt: Die Honorare werden nur zu 50 Prozent von den Bundesländern übernommen. Die anderen 50 Prozent kommen zu einem ganz kleinen Teil aus den privaten Krankenkassen und zum größten Teil vom Bund, genauer gesagt aus dem Gesundheitsfonds des Bundes, den der Bund extra dafür regelmäßig mit Steuergeldern auffüllt.

 28 Euro pro Impfung

Etwas anders ist es bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. Die werden nicht pro Stunde bezahlt, sondern pro Spritze. Pauschal gibt es für eine Coronaimpfung zurzeit 28 Euro, rund viermal so viel wie zum Beispiel für eine Grippeimpfung. Manche Praxen schafften zuletzt mehrere Hundert Coronaimpfungen pro Tag. Im Monat lassen sich also gut und gerne 100.000 Euro oder mehr dazu verdienen. Die niedergelassenen Ärzte rechnen die Impfungen am Quartalsende bei den Kassenärztlichen Vereinigungen ab und die holen sich das Geld wiederum vom Bund zurück.

Das heißt also: Impfärztinnen und Impfärzte, egal ob in der Praxis oder im Impfzentrum, werden fast ausschließlich vom Steuerzahler gezahlt – die Auswirkungen auf die gesetzlichen Krankenkassen sind gleich null. Ralf Plötner von den Linken findet daher: "Schlussendlich zahlt es die Gemeinschaft über ihre Steuerabgaben. Im Prinzip belastet es das gesamte Steuersystem, aber der Gesundheitsschutz sollte uns das Wert sein."

Das Bundesamt für soziale Sicherung rechnet übrigens regelmäßig aus, was dabei an Kosten anfällt. Für die 167 Millionen Dosen, die bisher in Deutschland verimpft wurden, zahlte der Steuerzahler demnach 1,04 Milliarden Euro, allein an Honoraren für Impfärzte. Zu viel? Der Bund der Steuerzahler will das auf Anfrage lieber nicht bewerten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Februar 2022 | 06:22 Uhr

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