Hörer machen Programm Was sich durch Corona-Impfungen bei Betriebsärzten ändert

Jan Kröger, Moderator und Redakteur
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Ab dem kommenden Montag wird nicht nur die Impfpriorisierung in Deutschland aufgehoben. Es gibt noch eine weitere Neuerung: Dann impfen erstmals auch Betriebsärzte in ganz Deutschland gegen das Coronavirus. Mehr als 6.000 von ihnen haben laut Bundesgesundheitsministerium Impfstoff bestellt. MDR-AKTUELL-Hörerin Michaela Schilling fragt: Wie wirkt sich das auf die Impfungen bei den Hausärzten aus?

Spritzen und das Vakzin von Astrazenca
Ab Montag können auch Betriebsärzte gegen das Corona-Virus impfen. Bildrechte: dpa

702.000 Dosen Biontech-Impfstoff – so viel geht in der ersten Woche an die Betriebsärzte. Welche Ärzte und welche Unternehmen etwas bekommen, geht aus den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums nicht hervor. Nur so viel: Es sollen mindestens 102 Dosen für jeden Beteiligten sein.

Wolfgang Panter, Präsident beim Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte, sieht da noch Luft nach oben. "Zunächst hat die Politik uns 800 Dosen pro Betriebsarzt angeboten. Das wäre aus unserer Sicht eine vernünftige Größe. Das wären bei einem größeren Betrieb 3.000 Dosen bei vier Ärzten und einer Belegschaft von fünf-, sechs- oder achttausend Menschen."

KV-Chef: Biontech wird Hausärzten vorenthalten

Pünktlich zum Impfstart bei den Betriebsärzten wirken sich die jüngsten Lieferprobleme bei Biontech aus – vor allem jedoch auf die Hausärzte. Sie sollen kommende Woche insgesamt rund 3,4 Millionen Dosen erhalten – bei knapp 70.000 impfenden Ärzten sind das deutlich weniger pro Person als bei den Betriebsärzten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung teilte deshalb schon mit, durch Impfungen in Betrieben dürfe es nicht zu Kürzungen der Liefermengen in den Praxen kommen. Der Hamburger KV-Chef Walter Plassmann vermutete sogar, gerade der begehrte Biontech-Stoff werde den Hausärzten bewusst vorenthalten. "Wir glauben, das ist für die Impfungen für Kinder und Jugendliche und für die Betriebsärzte. Und es wäre viel vernünftiger, wir würden erstmal die bestehenden Strukturen mit ausreichend Impfstoff versorgen, bevor neue dazukommen." Es würden ja nicht mehr Menschen geimpft, es werde nur aufwändiger.

Planungsunsicherheit auf beiden Seiten

Das Gesundheitsministerium teilt dazu mit, dass zumindest eine Reservierung für Kinder nicht mehr vorgesehen sei. Plassmanns zweiten Vorwurf, es würden nicht mehr Menschen geimpft, will Betriebsarzt Wolfgang Panter so nicht stehen lassen. "Wir erreichen auch Menschen, die gar keinen Hausarzt haben. Nach unseren Erfahrungen haben etwa zehn bis 15 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieben gar keinen Hausarzt."

In einem sind sich Haus- und Betriebsärzte einig: Sie vermissen eine verlässliche Planung über mehrere Wochen hinweg. Die Frage, wer wie viel bekommt, stellt sich so alle sieben Tage aufs Neue.

Betriebsärzteverband fordert gleiche Regeln wie Hausärzte

Bei der Frage, wer den Preis bestimmt, scheint die Antwort leicht zu fallen: Den bestimmt der Bund. Er kauft den Impfstoff ein und regelt die Vergütung: Jeder Arzt, egal ob in der Praxis oder im Betrieb, erhält pro Impfung 20 Euro. Doch es gibt einen Unterschied: Ein Hausarzt, der für die Impfung etwa zu einem Patienten ins Pflegeheim kommt, bekommt dafür zuzüglich 35 Euro, und für jede weitere Person im selben Heim nochmal jeweils 15 Euro.

Wolfgang Panter fordert gleiche Regeln für Betriebsärzte. "Wenn Sie als überbetrieblicher Dienst kleinere Unternehmen betreuen, die vielleicht 100 oder 200 Mitarbeiter haben, wenn Sie dort vor Ort fahren, dann ist das ein erheblicher zeitlicher Aufwand." Es sei keinem zuzumuten, dass er noch Geld drauflege. "Und das legt er bei den 20 Euro bei der Vor-Ort-Impfung drauf."

Was die Unternehmen zahlen, ist schwer zu beziffern. Zwar sagt das Gesundheitsministerium, auf Arbeitgeber kämen keine zusätzlichen Kosten zu. Für die Impfungen selber stimmt das. Wenn aber große Konzerne wie BASF oder die Bahn eigene Impfzentren aufbauen, dann kommen sie für die Infrastruktur auch selber auf.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juni 2021 | 06:20 Uhr

2 Kommentare

wolle010 vor 33 Wochen

Die Realitaet sieht nur anders aus als hier beschrieben. Hier mal ein Vergleich: meine Arbeitskollegen sind fuer ein Projekt in die USA gekommen. Sonntag im Hotel angekommen, online zur Impfung registriert, Montag geimpft. Nach 3 Wochen Zweitimpfung erhalten.
Ein Freund von mir hat sich in Deutschland zur selben Zeit, nachdem er ueberhaupt erstmal in Frage kam, bei seinem Hausarzt zur Impfung angemeldet. Dabei ist es bis heute geblieben. Wo ist der Impfstoff? Die Leute wollen und die Aerzte koennen nicht. So siehts aus

ossi1231 vor 33 Wochen

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