Faktencheck Was an Chrupallas Aussagen zu Corona-Maßnahmen und -Impfungen dran ist

Am Freitagmorgen hatte MDR AKTUELL-Radio AfD-Co-Bundessprecher Tino Chrupalla im Gespräch. Er kritisierte die neuen Corona-Beschränkungen von Bund und Ländern und stellte einige Behauptungen zur Wirkung von Maßnahmen und Impfungen als vermeintliche Fakten in den Raum. Was ist an ihnen dran?

Ist Maskenpflicht im Unterricht Schikane?

Chrupalla sagte: "Kinder und Jugendliche werden mit einer generellen Maskenpflicht im Unterricht schikaniert." Dabei seien sie nicht die Pandemietreiber und hätten keine hohen Infektionszahlen.

Die aktuellen Zahlen des RKI belegen das Gegenteil: Die Infektionszahlen sind bei Kindern im Schulalter derzeit am höchsten. Außerdem beschäftigen sich erst jetzt immer mehr Studien mit Long-Covid bei Kindern, denn die Langzeitauswirkungen wurden bei Kindern aufgrund der meist milden Erkrankungen lange unterschätzt. Es gibt also gute Gründe für eine Maskenpflicht im Unterricht.

Verschärfen sich die Probleme durch eine Impfpflicht für Pflegekräfte?

Chrupalla sagt: "Wenn die Impfpflicht kommt, verschärft man sogar noch die Probleme in den Kliniken." Viele Pflegekräfte würden dann nicht mehr zur Arbeit kommen und kündigen.

Eine genaue Prognose aufzustellen, wie sich in Deutschland eine Impfpflicht auf die Situation des Pflegepersonals in Kliniken auswirken wird, ist natürlich schwierig. Es lohnt sich allerdings ein Blick in ein Land, wo es eine solche Regel bereits gibt: Italien. Dort gilt seit April eine Impfpflicht für das gesamte Gesundheitswesen – und sie funktioniert. Die Wochenzeitung "Zeit" berichtete, es habe weder Demonstrationen noch Massenkündigungen gegeben. Nicht einmal ein Prozent des italienischen Pflegepersonals musste laut dem Verband der Pflegekräfte suspendiert werden.

Sind Zweifel an einer Corona-Impfung berechtigt?

Chrupalla sagt, er habe Zuschriften und besorgte Anrufe bekommen von Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. "Das sind berechtigte Zweifel, die sie haben, warum sie das nicht möchten."

Dass Chrupalla viele Zuschriften bekommt, mag stimmen. Und das Recht, zu zweifeln, kann den Menschen natürlich nicht abgesprochen werden. Mit Fakten und Tatsachen könnte man viele Zweifel an den Impfstoffen allerdings zerstreuen: Die zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19 zählen inzwischen zu den am besten überwachten Impfstoffen überhaupt. Das Risiko von sehr seltenen schweren Nebenwirkungen, die dank des massenweisen Einsatzes der Impfstoffe inzwischen weitestgehend bekannt sind, ist viel geringer als das einer echten Infektion.

Lässt sich das Coronavirus durch Impfungen ausrotten?

Chrupalla sagt, man könne die Pandemie mit den aktuellen Maßnahmen der Politik nicht in den Griff bekommen – auch nicht "mit einer Impfpflicht, noch dazu mit einem Impfstoff, der definitiv nicht Corona ausrotten kann".

Ob sich das Virus tatsächlich durch Impfstoffe vollständig ausrotten lässt, ist umstritten. Einige Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass dies mit einer hohen Durchimpfungsrate möglich sei. In jedem Fall sorgen die Impfstoffe aber nicht nur für einen Eigenschutz sondern auch für einen Fremdschutz und verringern somit die Ausbreitungswahrscheinlichkeit. Eine höhere Impfquote durch eine Impfpflicht würde diesen Mechanismus verstärken.

Gibt es genauso viele geimpfte wie ungeimpfte Covid-Patienten?

Chrupalla sagt: "In den Kliniken liegen 50 Prozent geimpfte Personen". Daran erkenne man, dass eine Impfpflicht nicht wirke.

Das ist falsch. Nach aktuellen Zahlen aus dem RKI-Wochenbericht vom 2. Dezember sind unter den Hospitalisierungsfällen 44 Prozent Geimpfte, bei den Intensivpatienten beträgt der Anteil sogar nur 34,4 Prozent – und das obwohl die Impfquote bei fast 70 Prozent liegt. Würde die Impfung nicht wirken, müsste der Anteil von geimpften Covid-Patienten deutlich über 50 Prozent liegen. Allein daran zeigt sich rechnerisch, dass die Impfung schützt.

Der Epidemiologe Markus Scholz von der Universität Leipzig sagte MDR AKTUELL, dass lediglich in der Altersgruppe der über 60-Jährigen die Zahl der Hospitalisierten bei Geimpften und Ungeimpften ungefähr gleich groß sei. Da wesentlich mehr Menschen aber geimpft seien, spreche auch das für die Impfung. Tatsächlich sind in der Altersgruppe der über 60-Jährigen laut RKI knapp 88 Prozent geimpft. Zudem gibt es weitere Zahlen, die Chrupallas Aussage widerlegen. Hören Sie dazu das komplette Gespräch mit Epidemiologe Scholz:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Dezember 2021 | 07:49 Uhr

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