Coronavirus-Pandemie Isolation nur noch freiwillig: Kritik und offene Fragen

Ab dem 1. Mai müssen sich Corona-Infizierte nicht mehr verpflichtend in Isolation begeben. Sachsens Gesundheitsministerin Köpping begrüßt den Schritt, sieht aber noch offene Fragen. Patientenschützer Brysch ist dagegen skeptisch, ebenso Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Stempel mit den Aufdrucken Quarantäne und Isolation
Ab Anfang Mai können sich Corona-Infizierte freiwillig in Quarantäne oder Isolation begeben. Eine Pflicht gibt es dann in der Regel nicht mehr. Bildrechte: IMAGO / Lobeca

Sachsens Gesundheitsminister Petra Köpping unterstützt die Entscheidung, dass Corona-Infizierte und Kontaktpersonen künftig nicht mehr verpflichtet sein sollen, sich zu isolieren oder in Quarantäne zu begeben. Die SPD-Politikerin sagte MDR AKTUELL, nach zwei Jahren Pandemie setze man nun auf Eigenverantwortung. Da die Absonderungs-Regeln im medizinischen Bereich und in der Pflege weiter gelten solle, bleibe die vulnerable Gruppe geschützt.

Köpping sieht aber noch offene Fragen. So sei noch nicht geklärt, was mit der Lohnfortzahlung passiere, wenn sich positiv Getestete ohne Symptome freiwillig in Isolation begäben.

Patientenschützer: Gefahr für Risikogruppen steigt

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sieht im Gegensatz zu Köpping große Gefahren für besonders gefährdete Menschen. Er sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", für die Hochrisikogruppe werde es immer gefährlicher. Er warnte zugleich davor, Infektionen mit dem Coronavirus zu verharmlosen.

Ramelow: Offenbar kommt nun "Prinzip der Durchseuchung"

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow erklärte bei MDR AKTUELL, er müsse jetzt zur Kenntnis nehmen, "dass das Prinzip der Durchseuchung als normales Prinzip angewandt wird". Über 600.000 Bürger in Thüringen hätten das Virus schon gehabt. "Und offenkundig sagt der Bundesgesetzgeber jetzt: Dann wird wohl jeder irgendwann mit dem Virus konfrontiert sein."

Ramelow betonte, er hoffe, dass für diese Zeit auch genügend medizinische Infrastruktur vorhanden sein werde. Derzeit kommt es in vielen Krankenhäusern zu Einschränkungen bei der Patientenversorgung, weil Ärzte und Pflegekräfte selbst mit dem Coronavirus infiziert sind.

Ab 1. Mai soll Quarantäne- und Isolationspflicht entfallen

Bund und Länder hatten sich gestern darauf verständigt, dass Corona-Infizierte und Kontaktpersonen ab Mai in der Regel nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Isolierung oder Quarantäne müssen.

MDR AKTUELL, dpa (aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. April 2022 | 09:00 Uhr

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