Virus-Ausbreitung Weiterhin hohe Corona-Inzidenzen im Erzgebirgskreis

Auch Kommunen im Erzgebirgskreis haben über die Feiertage hohe Sieben-Tage-Inzidenzen bei den Corona-Neuinfektionen gehabt. So lag der Wert nach Recherchen von MDR AKTUELL in Raschau-Markersbach vom 23. bis zum 29. Dezember bei 1.020. Schon im Dezember gab es Berichte über extrem hohe Inzidenzen im Kreis. Landrat Frank Vogel will konkrete Daten für die Kommunen aber nicht veröffentlichen, weil sie seiner Meinung nach nur für den internen Dienstgebrauch seien.

Blick auf eine verschneite Kleinstadt im sächsischen Osterzgebirge unweit der tschechischen Grenze.
Im Erzgebirgskreis gibt es weiter teils sehr hohe 7-Tage-Inzidenzen. Bildrechte: dpa

Mit Coronavirus-Inzidenzwerten über 1.000 in einzelnen Kommunen hatte der Erzgebirgskreis bereits Mitte Dezember für Aufsehen gesorgt. Seither hat sich wenig verändert. Nach Recherchen und stichprobenartigen Berechnungen von MDR AKTUELL ergibt sich für die Zeit vom 23. bis 29. Dezember etwa für die Gemeinde Raschau-Markersbach mit 4.997 Einwohnern und 51 Infektionen in dieser Zeit eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1.020 pro 100.000 Einwohner.

Im ähnlich großen Breitenbrunn hat dieser statistische Wert im gleichen Zeitraum bei 960 gelegen. In der Stadt Marienberg mit fast 17.000 Einwohnern sind es 686 gewesen, während Zschopau auf eine 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner von 578 kam.

Gesunken sind die Werte in Stollberg. Hier hatten vom 9. bis zum 15. Dezember 141 Neuinfektionen noch zu einer Inzidenz von 1.247 geführt. Mit 53 Fällen vom 23. bis 29. Dezember ging sie nun auf 460 zurück. Auch das zuvor mit 1.000er-Werten aufgefallene Lauter-Bernsbach kam jetzt auf 382 – ein Wert, wie ihn zuletzt auch die beiden größten Städte im Kreis, Annaberg-Buchholz mit 382 und Aue-Bad Schlema mit 388, hatten.

Was solchen Zahlen bringen – extreme Schwankungen

Die Aussagekraft der 7-Tage-Inzidenz für kleine Kommunen ist begrenzt. Das zeigt das Beispiel Tannenberg. Für die Gemeinde im Erzgebirgskreis mit 1.101 Einwohnern ergab sich vom 12. bis zum 18. Dezember rechnerisch eine Inzidenz von 1.271 pro 100.000 Einwohner – mit 14 bestätigten Neuinfektionen. Für die sieben Tage seit 23. Dezember errechnet sich nun eine Inzidenz von etwa 90 – mit nur einem neuen Corona-Fall.

Eine Neuinfektion in sieben Tagen führt in einer kleinen Gemeinde also schon zu Inzidenzen weit über der Marke von 50, bei der eine Eindämmung der Pandemie durch Kontaktverfolgung als möglich gilt. Dennoch ist es am Ende von Belang, ob es 14 neue Infektionen in einer Gemeinde gibt oder nur eine.

Das sächsische Sozialministerium teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL mit: "Die gemeindegenauen Infektionszahlen werden zu anderen Zeiten gemeldet, als die Zahlen der Gesundheitsämter an die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen." Deshalb seien die Zahlen tagesaktuell unterschiedlich und nicht vergleichbar mit den Zahlen, die täglich im Internet veröffentlicht werden: "Sie gleichen sich erst in der Tendenz über einen längeren Zeitraum an."

Landratsamt mauert

Um Tendenzen über längere Zeit beobachten zu können, bräuchte es solche Zahlen aber regelmäßig. Der Erzgebirgskreis ist jedoch der einzige Landkreis in Sachsen, der diese Daten nicht zur Verfügung stellt. Trotz einer Regelung des Landespressegesetzes wies das Landratsamt eine entsprechende Anfrage zurück und erklärte als Begründung dafür erneut, dass die Zahlen "nur für den Dienstgebrauch" bestimmt seien.

Dass der Kreis von sich aus nicht zur Veröffentlichung verpflichtet ist, stimmt. Die Landkreise müssen laut § 11 des Infektionsschutzgesetzes das Ministerium über das kommunale Infektionsgeschehen informieren, nicht aber die Öffentlichkeit. Allerdings gehen andere Landkreise in Sachsen mit solchen Daten deutlich offener um. 

Öffentliches Interesse

Der Landrat im Erzgebirgskreis, der CDU-Politiker Frank Vogel, hatte auch zuvor schon mehrfach erklärt, dass er es für falsch hält, solche Daten herauszugeben. Die Bewohner betroffener Gemeinden könnten stigmatisiert werden, lautete eines seiner Argumente. Entsprechende Kommentare im Internet belegen jedoch, dass es ein öffentliches Interesse an den Zahlen gibt.

Auch die von MDR AKTUELL erneut gestellte Frage, ob und warum die Bürger in seinem Kreis mit Informationen seiner Verwaltung nicht genauer über die Virus-Ausbreitung in ihrer direkten Nähe informiert werden sollten, blieb zunächst unbeantwortet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Januar 2021 | 15:00 Uhr

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