Russischer Impfstoff Kretschmer sorgt mit Aussagen zu Sputnik-V für Verwirrung

Mit seiner Russland-Reise hat Michael Kretschmer viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Einige Medien hatten berichtet, Kretschmer habe verkündet, dass Deutschland 30 Millionen Dosen des Sputnik-V-Impfstoffs kauft.

Michael Kretschmer (CDU, l), Ministerpräsident von Sachsen, beim Briefing durch den Geza Andreas von Geyr, deutscher Botschafter in Russland.
Michael Kretschmer zu Besuch in Russland. Bildrechte: dpa

Dass die Bundesrepublik mit dem Sputnik-V-Hersteller verhandelt, ist nichts Neues. Neu dagegen ist – oder besser: wäre – allerdings, dass der Kauf bereits feststehen soll und dann auch noch die Menge. Drei mal zehn Millionen Dosen sollen es sein. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat nach seinem Treffen mit dem russischen Gesundheitsminister tatsächlich von diesen Mengen gesprochen.

Dass der Kauf allerdings ausgemachte Sache sein soll, hat Michael Kretschmer nicht behauptet. Nach dem Treffen schrieb er auf Twitter: "Wir werben sehr für ein zügiges Zulassungsverfahren bis Mai. Deutschland verhandelt über drei mal zehn Millionen Dosen für Juni, Juli, August. Voraussetzung dafür ist die zügige EMA-Zulassung des Impfstoffs."

Laut Spahn eine Frage des Timings

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, nimmt in der Bundespressekonferenz zu Beginn der Pressekonferenz zur Entwicklung der Corona Pandemie die FFP2-Maske ab.
Gesundheitsminister Jens Spahn sagt, schon im September würde Sputnik-V keinen großen Unterschied mehr ausmachen. Bildrechte: dpa

Was die Voraussetzungen für einen Deal angeht, liegt er damit auf einer Linie mit Gesundheitsminister Spahn. In der Bundespressekonferenz auf den möglichen Kauf des russischen Vakzins angesprochen, sagte der Minister: "Wenn, dann braucht es eine europäische Zulassung wie bei den anderen Impfstoffen auch – und dafür braucht es die Daten. Und das Zweite ist: Es muss dann natürlich auch noch einen Unterschied machen für diese Impfkampagne. Also im Januar oder im November, wahrscheinlich auch schon im September macht es jetzt keinen großen Unterschied mehr für uns angesichts der Impfstoffe, die wir erwarten dürfen." All diese Facetten würden von der 'Taskforce Impfstoffe' mit der russischen Seite verhandelt.

Zusammengefasst: Wenn Sputnik-V, dann schnell. Für eine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde gibt es aber noch nicht genug Studiendaten aus Russland. Um wie viele Impfdosen es in den Verhandlungen geht, wollte Jens Spahn nicht kommentieren, genauso wenig das mögliche Zeitfenster von Juni bis August.

Sachsen stünden 1,5 Millionen Dosen Sputnik-V zu

Wie Michael Kretschmer auf den möglichen Lieferumfang und den genannten Zeitraum kommt, ist unklar. Die sächsische Staatskanzlei hat auf entsprechende Anfragen von MDR AKTUELL bis zum Freitagabend nicht reagiert. Viel länger als bis Juni wird es mit der Zulassung von Sputnik-V aber offenbar nicht dauern.

Nach Angaben des Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, sind noch in diesem Halbjahr mehrere Zulassungen zu erwarten. An der Seite von Gesundheitsminister Spahn nannte er den mRNA-Impfstoff CureVac, den Protein-Impfstoff von Novavax "und dann Sputnik-V, der kombinierte Adenovirus-Vektorimpfstoff", zu dem publizierte Daten über hohe Wirksamkeit gegen Covid-19 vorlägen.

Käme der Kauf des Sputnik-Impfstoffs dann zustande, stünden Sachsen nach dem Verteilschlüssel der Bundesländer insgesamt 1,5 Millionen Impfdosen zu. Eventuell könnten es auch mehr werden, sagte Kretschmer in Moskau mit Blick auf mögliche Vorbehalte in den alten Bundesländern. In Sachsen werde das Vakzin jedenfalls auf große Zustimmung stoßen. Ob es aber so weit kommt, liegt nicht in Michael Kretschmers Händen. Denn – und das hat Gesundheitsminister Spahn noch einmal deutlich gemacht – die Bestellung von Impfstoffen ist Sache des Bundes.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 24. April 2021 | 06:00 Uhr

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