Corona Lockerungen: Lauterbach mahnt Länderchefs zur Vernunft

Diese Woche haben Bund und Länder beschlossen, dass ab dem 20. März fast alle Corona-Beschränkungen fallen sollen. Die Corona-Infektionszahlen sinken auch. Bundesgesundheitsminister Lauterbach und das Robert-Koch-Institut mahnen jedoch dazu, nicht übermütig zu werden.

Karl Lauterbach (SPD
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bleibt vorsichtig. Bildrechte: dpa

Es gibt gute und schlechte Nachrichten. Zunächst zu den guten: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagt mit Blick auf die sinkenden Fallzahlen: "Ich glaube, wir haben den Höhepunkt der Omikron-Welle überschritten."

Das Robert Koch-Institut bestätigt das, Vizepräsident Lars Schaade ist vorsichtig optimistisch: "Das Virus und seine Folgen werden durch zunehmende Immunisierung und durch die bisherigen Maßnahmen immer weiter ausgebremst."

Lauterbauch appelliert an Länder

Insofern seien erste Schritte, die Beschränkungen im Alltag zu lockern, gerechtfertigt. Doch Lauterbach fürchtet einen Überbietungswettbewerb, bei dem sich einzelne Politiker profilieren wollen – deshalb appelliert der SPD-Politiker: "Insbesondere an die Ministerpräsidenten und -präsidentinnen nicht über die beschlossenen Lockerungen hinauszugehen. Das ist mein Appell, wirklich: Wir müssen das umsetzen wie ein Uhrwerk."

Bund und Länder hatten Lockerungen in drei Stufen beschlossen: Erst bei privaten Treffen und im Einzelhandel, dann bei Restaurants und Großveranstaltungen und zum 20. März dann das Ende fast aller Beschränkungen. Das stufenweise Vorgehen findet auch Michael Meyer-Herrmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig richtig: "Damit man sieht, ob diese Öffnung vielleicht zu viel gewesen ist. Gerade im Hinblick auf die Unsicherheit, die wir haben, was BA.2 anbelangt. Denn wir wissen noch nicht genau, wie viel ansteckender diese Variante und wie die Krankheitslast sein wird."

RKI: Auch in Zukunft weitere Corona-Wellen zu erwarten

Das war es mit den guten Nachrichten: Denn BA.2 ist ein Subtyp der Omikron-Variante, der auch in Deutschland zunimmt. Meyer-Herrmann warnt davor, den Fehler der zweiten Welle zu wiederholen, als zu früh geöffnet wurde und die Infektionszahlen nochmals anstiegen. Ein gewisser Schutz ist also weiterhin nötig. Gestern hat der Expertenrat der Bundesregierung gefordert, besonders Kinder und Jugendliche besser zu schützen.

Das unterstützt auch Gesundheitsminister Lauterbach, man wolle keine Durchseuchung zulassen: "Daher fordern wir dazu auf, die Kinder gut zu schützen, dazu zählt natürlich, dass gerade bei der hohen Inzidenz die Kinder auch durch Masken geschützt sein müssen." Eine klare Kritik an den Bundesländern, die angekündigt haben, die Maskenpflicht an den Schulen schon bald aufzuheben.

Im Herbst wird eine neue Welle erwartet

Und damit zu den schlechten Nachrichten: Die Pandemie ist nicht vorbei, viele in der Wissenschaft rechnen im Herbst mit der nächsten Corona-Welle. Auch RKI-Vizepräsident Lars Schaade erklärt: "Das Sars-Cov-2-Virus wird nicht verschwinden. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es auch in Zukunft weitere Covid-19-Wellen geben wird. Wie sie genau verlaufen werden, können wir noch nicht vorhersagen."

Klar sei aber, dass die Impfung schützt. Besonders gefährlich findet Gesundheitsminister Lauterbach die Impflücke bei den Über-60-Jährigen, zwölf Prozent seien nicht geimpft. Um sich auf den Herbst vorzubereiten, brauche es unbedingt eine allgemeine Impfpflicht. Es werde weiter Infektionen geben, sagt Michael Meyer-Herrmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, deshalb brauche es die nötige Grundimmunität in der Bevölkerung: "Es geht darum, dass wir das in einen normalen Zustand überführen, dass wir irgendwann Corona-Viren haben und diese Krankheit eben wie einen Schnupfen behandeln können." Und dann wäre es, wenn es soweit ist, doch wieder eine gute Nachricht.

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 19. Februar 2022 | 06:00 Uhr

121 Kommentare

Fakt vor 49 Wochen

@Germinator....:

Die Moderation verwies auf eine Meldung im Corona-Ticker, wodurch Ihre Behauptung, es gab keine Meldung, widerlegt wurde. Wünschen dürfen Sie sich was Sie wollen - ob der Wunsch in Erfüllung geht, entscheiden aber nicht Sie.

Fakt vor 49 Wochen

@wgeh:
>>"warum haben dann aber sämtliche, sich für relevant haltende Politiker und Wissenschaftler uns von Anfang an vermittelt, sie wüssten ganz genau, was für uns das Beste sei und sie haben genau den richtigen Instrumentenkasten?"<<
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Wohl deshalb, weil der Instrumentenkasten nach dem seinerzeitigen Stand der Wissenschaft und den sich daraus ergebenen Einschätzungen für die nähere Zukunft gepackt wurde.
Auf Ihr weiteres Geschwafel einzugehen, erspare ich mir lieber.

Fakt vor 49 Wochen

@wgeh:

Natürlich finden Sie Lebensläufe zu Lauterbach, in denen auch der berufliche Werdegang beschrieben ist. Gehört zu einem Lebenslauf nämlich dazu, was Sie offenbar nicht wissen.
Das findet sogar die blödeste Suchmaschine der Welt; alles eine Frage der Handhabung. Was an der Frage speziell sein soll, wissen wohl nur Sie.

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