Sinkende Corona-Zahlen Diskussion um Ende der Maskenpflicht

Angesichts gesunkener Corona-Zahlen werden Forderungen nach einem Ende der Maskenpflicht laut. So sieht FDP-Vize Kubicki keine rechtliche Grundlage mehr dafür. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn ist für eine Abschaffung. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach und der Lehrerverband mahnen dagegen zur Vorsicht. Sachsen hat die Maskenpflicht an Schulen bereits abgeschafft.

Eine Schülerin hebt ihre Mund- und Nasenmaske an um etwas zu trinken.
Der Deutsche Lehrerverband ist gegen ein Ende der Maskenpflicht an Schulen. Bildrechte: dpa

FDP-Vize Wolfgang Kubicki sieht angesichts deutlich gesunkener Corona-Zahlen keine juristischen Voraussetzungen mehr für eine Maskenpflicht. Kubicki bekräftigte, wer die Maskenpflicht längerfristig aufrechterhalten wolle – egal ob in Innenräumen oder im Freien, müsse dafür die gesetzliche Grundlage schaffen. Die gebe es bei einer dauerhaften Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 nicht.

Spahn für schrittweise Abschaffung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plädiert dafür, die Maskenpflicht stufenweise auslaufen zu lassen. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte er, in einem ersten Schritt könne die Maskenpflicht draußen grundsätzlich entfallen. In Regionen mit sehr niedriger Inzidenz und einer hohen Impfquote könne die Pflicht nach und nach auch drinnen entfallen. Spahn betonte zugleich, dass das Tragen von Masken aber auch ohne Pflicht weiter zu empfehlen sei, etwa bei Reisen oder Treffen in Innenräumen.

Lauterbach und Lehrer halten an Pflicht fest

Karl Lauterbach
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält Lockerungen draußen für möglich, nicht aber in Innenräumen. Bildrechte: dpa

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist dagegen, die Maskenpflicht generell aufzuheben. Lauterbach sagte im ZDF-"Morgenmagazin", im Außenbereich sei die Maskenpflicht bei niedrigen Inzidenzen nicht mehr nötig. Dabei seien aber Abstand und eine Oberzahl von Menschen zu beachten. Im Innenbereich könne dagegen auf die Maskenpflicht erst verzichtet werden, wenn 70 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft seien. Nur in Gegenden mit einstelliger Inzidenz könne man vorsichtig lockern. Auch an den Schulen sollte die Maskenpflicht Lauterbach zufolge noch nicht aufgehoben werden.

Damit stützt Lauterbach die Haltung des Deutschen Lehrerverbandes. Präsident Heinz-Peter Meidinger sagte, er rate insbesondere während des Unterrichts zu "größtmöglicher Vorsicht". Das Virus sei ja noch nicht verschwunden. Maskenpflicht und Tests sollten im auslaufenden Schuljahr bleiben.

Lambrecht: Maskenpflicht an Schulen prüfen

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte die Länder am Wochenende bereits aufgefordert, die Verhältnismäßigkeit von Maskenvorschriften zu überprüfen. Besonders für Schüler, die Masken stundenlang im Unterricht tragen müssen, sei dies eine Belastung, hatte sie der "Bild am Sonntag" gesagt.

Ende der Maskenpflicht an sächsischen Schulen

Die Bundesländer hatten wegen sinkender Corona-Zahlen bereits zahlreiche Auflagen wieder zurückgenommen. In Sachsen ist am Montag eine neue Verordnung in Kraft getreten, die den Schulleitungen erlaubt, die Maskenpflicht aufzuheben. Voraussetzung ist, eine Inzidenz unter 35 an fünf aufeinanderfolgenden in den betreffenden kreisfreien Städten oder Landkreisen.

Die Thüringer Landesregierung will kein rasches Ende der Maskenpflicht. Die Maskenpflicht sei ein verhältnismäßig geringer Eingriff in die Grundrechte, sagte Justizminister Dirk Adams MDR THÜRINGEN. Er verwies auf die erhöhten Inzidenzzahlen in einigen Thüringer Kreisen. Auch das Gesundheitsministerium will weiter auf Masken setzen. Es verweist auf die in Großbritannien grassierenden Varianten.

Experten sehen Aufhebung der Maskenpflicht kritisch

Nach Ansicht von Wissenschaftlern könnte eine generelle Aufhebung der Maskenpflicht in Deutschland ein Wiederaufflammen der Pandemie nach sich ziehen. Eberhard Bodenschatz vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen sagte am Montag: "Wenn wir nach dem Wegfall der Testpflicht in vielen Situation nun auch noch die Maskenpflicht fallen lassen, sind wir im Grunde in einem ungestörten Leben wie vor der Pandemie". Das Virus aber sei noch da und wesentlich infektiöser durch Mutationen.

Aerosolforscher Christof Asbach hält eine Entscheidung für die Abschaffung der Maskenpflicht im Freien für gut nachvollziehbar. In Innenräumen gehe es letztlich um die Frage, welches Risiko man akzeptieren möchte. Ohne Maske sei es deutlich höher, sich anzustecken, sagte der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung.

Quelle: dpa/Reuters/MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 14. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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