Corona-Pandemie Corona-Maßnahmen: Wie Mitteldeutschland für den Herbst plant

Ine Dippmann, Landeskorrespondentin in Sachsen
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

Die Zahlen der Corona-Infektionen steigen wieder. Die Frage ist, wie nun damit umgegangen wird. Ein Blick in die Bundesländer zeigt, dass Mitteldeutschland vor allem auf Impfungen und Tests setzen möchte – und auf den Bund schielt.

Hinweis auf ein Corona-Testcenter im Flughafen BER
Die Bundesländer müssen Corona-Schutzmaßnahmen für den Herbst planen Bildrechte: imago images/Sabine Gudath

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in der vergangenen Woche seine Empfehlungen zum weiteren Agieren in der Corona-Pandemie veröffentlicht. Das Institut setzt weiterhin auf Kontaktreduzierungen und den scharfen Blick auf den Inzidenzwert. Und es fordert die Länder auf zu planen, wie im Herbst mit höheren Zahlen von Infizierten umgegangen werden soll. Wir fassen zusammen, was Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bisher vorgesehen haben.

Inzidenz als Leitindikator – neue Indikatoren in der Abstimmung

Sowohl in Thüringen als auch in Sachsen bleibt der die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnerinnen bzw. Einwohner derzeit der wichtigste Indikator für die Ausbreitung des Corona-Virus und damit auch für Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung. Allerdings sei "die Aussagekraft der Inzidenzwerte vom vergangenen Jahr mit Blick auf die Belastung des Gesundheitssystems angesichts der fortschreitenden Impfungen nicht mit denen im kommenden Herbst vergleichbar", heißt es aus dem Sächsischen Sozialministerium. Denn der Virus trifft in diesem Herbst vielfach auf Geimpfte, die nach einer Ansteckung kaum schwer erkranken und auch weniger ansteckend sind.

Thüringen: Inzidenz ist kein alleiniger Maßstab mehr

Deshalb wird diskutiert, welche neuen Parameter nun zur Einschätzung der Lage herangezogen werden sollen. Thüringen hat dazu in der vergangenen Woche konkrete Vorschläge vorgelegt. Neben der Inszidenz sollen zur Bewertung der Lage folgende Parameter mit betrachtet werden:

  • die Intensivbettenkapazität
  • Die Anzahl der behandelten SarsCov2-Erkrankten in Krankenhäusern, die sogenannte Hospitalisierungsrate
  • die Umstände des Ausbruchsgeschehens
  • die Impfquote
  • sowie neuartige wissenschaftliche Erkenntnisse, wie zum Beispiel das Abwasser-Screening (Ausbruchsgeschehen kann im Klärwerk überwacht werden)

"Das macht es nicht unbedingt einfacher, ist aber notwendig, um dem aktuellen Pandemiegeschehen und den Erfahrungen aus den vergangenen Monaten gerecht zu werden", so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.

Sachsen: Die Lage in den Kliniken entscheidet

In Sachsen sind derartige Indikatoren schon im März und Juni eingeführt worden. Dazu zählen neben der Inszidenz:

  • die Bettenbelegung mit COVID-19-Patienten auf Normalstationen. Liegt diese höher als 1.300 Betten müssen sämtliche vorherige Lockerungen aufgehoben werden.
  • Die Auslastung der Intensivstationen. Hier gilt die Marke von 420 mit COVID-19-Patienten belegten Betten als Schwellenwert für die Rücknahme von Lockerungen.

Die Entwicklung bzw. Neubewertung der Parameter soll in den weiteren Planungen der Staatsregierung berücksichtigt werden. Innerhalb des Sächsischen Sozialministeriums laufen derzeit dazu die Beratungen z.B. mit Krankenhaus-Koordinatoren und Infektiologen. "Die Indikatoren/Parameter müssen auch rechtssicher sein", so eine Sprecherin.

Sachsen-Anhalt: Will Regelungen vom Bund abhängig machen

Sachsen-Anhalt blickt vor allem in Richtung Bund - und verweist darauf, dass Bund und Länder derzeit abstimmen, ob und welche weiteren Indikatoren neben der 7-Tage-Inzidenz der Infektionen pro 100.000 Einwohner/innen künftig in Betracht gezogen werden sollen.

"Nach Abstimmung und Festlegung entsprechender Indikatoren ist das künftige Handeln - auch des Landes Sachsen-Anhalt - danach auszurichten und sind dann Maßnahmen daraus abzuleiten", heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

Ausbreitung eindämmen

Wie in Zukunft der Pandemieausbreitung begegnete werden soll, dazu haben Thüringen und Sachsen bereits Pläne verabschiedet. Die Länder setzen vor allem auf Impfungen, Schwellenwerte für bestimmte Maßnahmen und Tests.

In Thüringen bestimmen die Landkreise und kreisfreien Städte, wie sie mit neuen Corona-Ausbrüchen umgehen. Im aktuellen Erlass ist festgelegt, bei welchen Inzidenten welche Maßnahmen ergriffen werden können. So sollen die unteren Gesundheitsbehörden bei Inzidenzen über 35 verstärkt Impfaktionen starten. Bei einer Inzidenz von höher als 50 können Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 sowie Lehrkräfte verpflichtet  werden, Mund-Nase-Bedeckungen zu tragen.

Im Eindämmungserlass ist unter anderem mit Blick auf mögliche Restriktionen festgehalten, dass sich Maßnahmen vorrangig auf betroffene Einrichtungen und zugehörige Kontaktpersonen als milderes Mittel beschränken sollen, bevor das gesamte Stadt-/Kreisgebiet ganz oder teilweise flächendeckend erfasst wird.

Die sächsische Landesregierung hat in der vergangenen Woche einen Herbstplan verabschiedet, der dabei helfen soll, eine vierte Welle bzw. einen damit verbundenen möglichen Lockdown zu verhindern. Impfungen habe weiter oberste Priorität. Besonderes Augenmerk liegt auf den Schulen. Der reguläre Schulbetrieb soll sichergestellt werden. Dafür sind vorgesehen:

  • Zweimalige Testverpflichtung für Lehrkräfte und Schulleitungen und weiteres Schulpersonal in der Vorbereitungswoche vom 30. August bis 3. September

  • Zweimalige Testpflicht pro Woche an Schulen für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und das gesamte Schulpersonal in der Zeit vom 6. bis 19. September (in Landkreisen und kreisfreien Städten mit Inzidenz über 10 eine dreimalige Testpflicht)

  • Maskenpflicht in allen Schulen in Gebäuden sowie im Unterricht (Ausnahme: Unterricht in der Primarstufe) in der Zeit vom 6. bis 19. September in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz über 10.

Weitere Maßnahmen sind unter anderem:

  • Eine erhöhte Betriebsbereitschaft der Gesundheitsämter für effektive Kontaktnachverfolgung und Quarantäneüberwachung sicherstellen
  • Ein Flächendeckende Testangebote/Testinfrastruktur insbesondere ab Schwellenwert von 35
  • Eine Testpflicht für Urlaubsrückkehrer in den Betrieben
  • Die Prüfung der Ausweitung der Testpflicht für Beschäftigte mit direktem Kundenkontakt insbesondere nach dem Ende der Schulferien
  • Ein Testkonzepte für Pflegeeinrichtungen, an Hochschulen zum Semesterstart, der Verwaltungen sowie der Justiz
  • Eine Schutzkonzeption für Unternehmen und Beschäftigte: Es wird frühzeitig gegenüber dem Bund darauf hingewirkt, dass bei erneuten Schließungen eine Verlängerung von Überbrückungshilfen nötig ist. Grenzpendlern und Saisonarbeitern soll soweit wie möglich auch in einer vierten Infektionswelle die Einreise ermöglicht werden.

Staatssekretärin Dagmar Neukirch erklärte zum Herbstplan: "Unser Ziel ist es, einen weiteren Lockdown zu verhindern". Oberstes Ziel sei, durch eine hohe Impfquote abzusichern, dass möglichst nichts mehr geschlossen werden muss bzw. es möglichst wenig Einschränkungen gibt, etwa für Wirtschaft und Kultur. Gleichzeitig strebe man an, das Gesundheitssystem möglichst wenig zu belasten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 29. Juli 2020 | 19:30 Uhr

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