Sachsen-Anhalt Corona-Maßnahmen an Schulen schwer umsetzbar

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Damit die Schulen trotz steigender Fallzahlen geöffnet bleiben können, gibt es verschiedene Vorschläge und Empfehlungen. Etwa, dass Schüler ihren Unterricht zu verschiedenen Zeiten beginnen oder in festen Kleingruppen unterrichtet werden. Um das tatsächlich umsetzen zu können, fordert die Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen-Anhalt eine Stellungnahme des Bildungsministeriums. Vorher gehe das gar nicht.

Schüler sitzen mit Masken (Mund-Nasen-Bedeckungen) im Unterricht vor einem geöffneten Fenster
Das Robert Koch-Institut empfiehlt einen Wechsel aus Präsenz- und Heimunterricht. Bildrechte: dpa

Morgens und nachmittags sind die Busse im Landkreis Mansfeld-Südharz mehr als voll. Immer dann, wenn Schüler zur Schule fahren oder eben von dieser zurück nach Hause. Das erzählt Florian Hosse, Vorstandsbeisitzer im Landesschülerrat von Sachsen-Anhalt: "Wir haben auch bei uns in der Stadt relativ viele Schulen, welche alle im Umkreis von bis zu 40 Kilometern noch mit Schülern versorgt werden. Und die Busse grasen eben alle Orte ab. Immer Sammelbusse, wie es üblich ist."

Gestaffelter Unterrichtsbeginn schlecht umsetzbar

Generell begrüßt Hosse den Vorschlag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, den Schulbeginn auf verschiedene Uhrzeiten zu staffeln. Dennoch hält er ihn für schlecht umsetzbar. Und dem stimmt auch die Bildungsgewerkschaft GEW zu. Die Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt, Eva Gerth, glaubt, der Vorschlag ginge vor allem auf Kosten der Schulen. Schulorganisatorisch habe man bereits einiges an Änderungen vornehmen müssen, etwa geänderte Stundenpläne. "Alles in allem aus Sicht der Schule: Wieder mit Stress umsetzbar, wieder eine Mehrbelastung, neben all den Konzepten und sonstigen Sachen", betont Gerth.

"Unmöglich, sich aus dem Weg zu gehen"

Auch der Landeselternrat Sachsen-Anhalt ist skeptisch. Es gebe bereits unterschiedlichen Zeiten für den Schulbeginn, merkt der Landesvorsitzende Matthias Rose an. Man müsse sich fragen, wann ältere Schüler mit dem Unterricht anfingen. Dann stelle man fest, dass viele Gymnasien oder Berufsschulen bereits um sieben Uhr beginnen würden, um das hohe Stundenpensum absolvieren zu können, sagt Rose. Der Vorschlag helfe eher dem Nahverkehr. Rose zufolge bleibt in den Schulen die Sorge vor steigenden Infektionszahlen im Land. Das erlebt auch Florian Hosse in seinem Schulalltag: "Wir sind sehr viele Schüler an der Schule. Es ist eigentlich unmöglich, sich aus dem Weg zu gehen."

GEW fordert "klare Ansage" des Bildungsministeriums

Hosse und seine Mitschüler würden sich wünschen, in kleineren Gruppen im Wechsel aus Präsenzstunden und Homeschooling unterrichtet zu werden. Das würde auch der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts entsprechen. Denn das Institut rät zu eben diesen Maßnahmen ab einer 7-Tage-Inzidenz von 50 Coronavirus-Fällen pro 100.000 Einwohner.

Ein Wert, der im Großteil von Sachsen-Anhalt überschritten ist. Doch die Schulen im Land könnten solche Empfehlungen nicht eigenmächtig umsetzen, erklärt Eva Gerth von der GEW mit Blick auf die Landesregierung. Vor allen Dingen müsse das Bildungsministerium endlich sagen, was gewollt sei: "Im Moment werden die Schulen einfach alleine gelassen mit dem Problem. Hier ist das Bildungsministerium in der Pflicht, eine klare Ansage zu machen."

Und die sei in Arbeit, erklärt ein Sprecher des Bildungsministeriums. Man führe in den nächsten Tagen Gespräche mit dem Lehrer-Hauptpersonalrat. Wie sich die schulische Organisation weiterentwickeln solle, werde dann zeitnah entschieden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. November 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Steuerzahlerin vor 49 Wochen

heute bei nur 3°C am geöffnetem Fenster bleiben Kids frisch und munter; da hat Corona keine Chance; das sucht kuschlig warmen Wirt zur Verbreitung wie hinter den lustig bunten Sabberlätzchen

Privat vor 49 Wochen

Sofort muss eine Entscheidung her! Da braucht man auch nicht lange zu entscheiden. Die Empfehlungen des RKI sind nachvollziehbar und in Ordnung. Alles andere ist unbrauchbar und gesundheitsgefährdend. Wie viele Schüler müssen denn noch erkranken und das Virus in der Familie verteilen, bis endlich etwas passiert?

Querdenker vor 49 Wochen

Die Schüler und Eltern sollten darauf drängen, dass die Empfehlungen des RKI umgesetzt werden.

siehe „rki Präventionsmaßnahmen in Schulen während der COVID-19-Pandemie“ (Stand 12.10.2020)

Wenn eine Schule von den Präventionsmaßnahmen laut RKI abweicht, würde ich als Elternteil oder Schüler eine schriftliche Stellungnahme fordern, mit genauer wissenschaftlicher Begründung für die Abweichung.

Die Situation ist nicht wie im Sommer. Der Herbst und der Winter ist das Paradies für das Virus.

Und die Sache mit den Schulbussen ist Staatsversagen. Die Schüler und Eltern sollten da mehr politischen Druck machen.

Zitat: „… Und die sei in Arbeit, erklärt ein Sprecher des Bildungsministeriums. Man führe in den nächsten Tagen Gespräche mit dem Lehrer-Hauptpersonalrat. …“

Was hat das Bildungsministerium in den letzten Wochen gemacht? Ferien oder was?

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland