Corona-Krise Merkel spricht sich gegen Impfpflicht aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine Impfpflicht in jeglicher Form ab. Hinsichtlich dem Beispiel im französischen Gesundheitswesen betonte sie, man habe nicht die Absicht, diesen Weg zu gehen. Das würde Vertrauen verspielen. Die Bundesregierung wolle stattdessen weiter für das Impfen werben.

Ein Impfling wird in einem Zelt vom Malteser-Hilfsdienst mit einer Spritze und dem Wirkstoff von Biontech gegen das Coronavirus geimpft.
In Deutschland soll es anders als in anderen EU-Staaten auch künftig keine Corona-Impfpflicht geben. Bildrechte: dpa

Eine Impfpflicht wie in Frankreich ist in Deutschland nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht geplant. "Wir haben nicht die Absicht, diesen Weg zu gehen, den Frankreich vorgeschlagen hat", sagte Merkel am Dienstag nach einem Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem Präsidenten des RKI, Lothar Wieler. Neben Frankreich gibt es auch in Griechenland und Italien einen zumindest teilweisen Impfzwang.

Bund will für Impfung werben

Stattdessen wolle man für das Impfen werben. Manchem möge eine Impfung überflüssig oder bedrohlich erscheinen. "Eine Impfung schützt nicht nur Sie, sondern auch immer jemanden, dem Sie nahestehen", betonte Merkel. Eine Impfung bewahre nicht nur vor schwerer Krankheit, sondern auch vor den belastenden Beschränkungen des Alltags.

Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein, umso freier können wir wieder leben.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Um auch mit aggressiveren Varianten des Virus zurechtzukommen, müssten 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen geimpft sein sowie 90 Prozent der über 60-Jährigen, sagte Merkel. Von diesen Impfquoten sei Deutschland jedoch noch weit entfernt. Ohne deutlich höhere Quoten werde es wieder sehr hohe Covid-19-Fallzahlen geben, warnte die Kanzlerin.

Höhere Impfquote schützt vor Ansteckungswelle im Herbst

Seit Beginn der Corona-Pandemie vor etwa eineinhalb Jahren ist das Virus mehrfach mutiert. Die aktuell in Deutschland dominierende Delta-Variante ist vielfach ansteckender als der ursprüngliche Erreger. Mit jeder Mutation droht die Wirksamkeit von Impfungen nachzulassen.

Je mehr Menschen sich jetzt impfen ließen, desto besser "kommen wir über den Herbst und den Winter", sagte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Bundesländer und Kommunen seien im Moment sehr kreativ und böten niedrigschwellige Impfangebote an. Es gehe jetzt darum, auch diejenigen zu erreichen, die sich selbst nicht aktiv um eine Impfung bemühten.

Freiheiten im Herbst hängen von Impferfolg ab

Merkel und Spahn verwiesen darauf, dass vom Impferfolg auch abhänge, wie viel Freiheit man im Herbst und Winter haben werde. Man werde alles tun, um neue Einschränkungen zu vermeiden, sagte die Kanzlerin auf die Frage nach einem neuen Lockdown angesichts wieder steigender Infektionszahlen. Sie verwies aber darauf, dass die niederländische Regierung ihre Öffnungspolitik bereits wieder habe korrigieren müssen. Im Herbst brauche man auf jeden Fall noch umfangreiche Testmöglichkeiten und die Basisregeln der Pandemiebekämpfung wie Schutzmasken und Abstand, sagte sie.

Aktuell haben rund 58 Prozent der Menschen in Deutschland eine Corona-Schutzimpfung erhalten. Etwa 43 Prozent haben den vollständigen Schutz, für den bei den meisten Impfstoff-Herstellern zwei Impfungen erforderlich sind. In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Impfungen zurückgegangen.

Quellen: afp/dpa/epd/Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 13. Juli 2021 | 14:30 Uhr

41 Kommentare

astrodon vor 14 Wochen

Grundrechte sind immer - im speziellen Fall - mit Einschränkungen behaftet. Persönliche Bewegungsfreiheit z.B. - Fragen Sie mal die Blockierer vom Leipziger Flughafen. Oder auch das Verbot, ein motorisiertes Verkehrsmittel zu steuern, ohne spezielle Erlaubnis.
Meinungsfreiheit wird beschränkt vom Verbot der üblen Nachrede bzw. Beleidigung.
Und so weiter .... und auch ohne Einschränkung von Grundrechten kann es für Ungeimfte sehr unkomfortabel werden.

Tacitus vor 14 Wochen

@Lavendel, mein Exemplar des GGes ist sicher etwas veraltet- da stehen die Grundrechte für alle deutschen Staasbürger drin.
Wann kam das GG heraus, dass Einschränkungen der Grundrechte für Ungeimpfte beinhaltet?

Lavendel vor 14 Wochen

@Robert Brandt:
Und wieder einer der den Unterschied zwischen einem sozialistischen Diktator und einer immer wieder durch Wahlen bestätigten Kanzlerin in einer Demokratie kapiert.

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