Corona-Prämie Ein Riss geht durch die Belegschaft

Die Politik wollte denjenigen finanziell danken, die in ihrem Arbeitsalltag besonders unter der Corona-Pandemie leiden. Vor allem Angestellte im Pflegebereich sollten von der sogenannten Corona-Prämie profitieren. Doch sie kommt nicht überall an.

Daniel Reuter und Nadja Heumann stehen in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie der Universitätsmedizin Rostock an einem Intensivbett.
Nicht alle, die direkt mit Corona-Patienten zu tun haben, bekommen auch eine Prämie. Bildrechte: dpa

Anke Bauer* arbeitet in einem kleineren Krankenhaus in Mitteldeutschland. Sie ist Anästhesistin und möchte nicht, dass ihr Name veröffentlicht wird. Ihr geht es auch nicht um sie selbst, sondern um eine, wie sie es sagt, Ungerechtigkeit, die sich seit einigen Monaten ereignet. Gemeint ist die sogenannte Corona-Prämie. Denn rund um das gut gemeinte Instrument der Politik ist in zahlreichen Einrichtungen eine Debatte ausgebrochen. Zwischen denen, die sie bekommen und denen, die sie nicht bekommen – teilweise sogar zwischen der Belegschaft in einzelnen Einrichtungen.

Die Corona-Prämie ist eine zusätzliche Einmalzahlung in Höhe von maximal 1.500 Euro auf das Gehalt oder den Lohn. Mit der Zahlung sollen die pandemiebedingten Mehrbelastungen ein wenig ausgeglichen werden. Erhalten können sie alle Angestellte. Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen haben sogar einen gesetzlich geregelten Anspruch auf den Bonus. Hier übernehmen Pflegekassen bis zu 1.000 Euro, Arbeitgeber und Länder bis zu 500 Euro. Bei allen anderen Berufen kann der Arbeitgeber über die Höhe einer Auszahlung selbst entscheiden. Die Corona-Prämie ist komplett steuer- und sozialversicherungsfrei und eine Auszahlung noch bis Juni möglich.

Erhebliche Mehrbelastung durch Corona

Doch nicht alle, die direkt mit Corona-Patienten zu tun haben, bekommen auch eine Prämie. Schuld sind die Regelungen der Politik, aber auch die finanziellen Situationen der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Denn nur diejenigen, die in der Pflege arbeiten, haben einen Anspruch – und die Pflegekassen müssen die Auszahlung bezuschussen. Den Rest zahlen die Länder und/oder die Arbeitgeber. Dennoch haben laut einer aktuellen Studie der Arbeitsrechtskanzlei Chevalier rund ein Drittel der Pflegekräfte in Deutschland die Prämie noch nicht ausgezahlt bekommen. Demnach warten in Thüringen noch 25 Prozent auf das Geld. In Sachsen-Anhalt sind es rund 31 Prozent und in Sachsen rund 32 Prozent. 

Alle anderen Angestellten sind vollständig abhängig von der Bereitschaft des Arbeitgebers. Zu ihnen zählt auch Anke Bauner. Sie hat eigenen Aussagen nach sogar immer wieder direkt mit Covid-Patienten zu tun. "Wir müssen Erkrankte operieren, zum Beispiel wenn sie sich etwas gebrochen haben, oder etwas mit dem Darm haben", erzählt die Anästhesistin. Ein Covid-Patient im OP-Saal verlange ein erhöhtes Seuchenschutzkonzept. "Wir arbeiten dann unter anderem mehrere Stunden in Anzügen", sagt Bauer. Corona sorge für eine erhebliche Mehrbelastung – hinzu komme die psychische Belastung. Ihr Arbeitgeber hat sie allerdings bei einer Prämien-Auszahlung nicht berücksichtigt. Denn einen gesetzlich geregelten Anspruch hat sie nicht.

Bereits 900 Millionen Euro ausgezahlt

Anders ist das bei den direkt in der Pflege Beschäftigten. Laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) haben die Altenpflegeeinrichtungen in Deutschland für die Corona-Prämien bereits 900 Millionen Euro ausgezahlt bekommen, eingeplant waren ursprünglich 870 Millionen Euro. Das Geld fließt über die Pflegekassen. Die Regelung werde vom vdek begrüßt, sagte ein Sprecher dem MDR. "Weitere Prämienzahlungen an Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen sind aber momentan nicht angedacht." Wie viele Pflegerinnen und Pfleger bereits eine Prämie erhalten haben, lässt sich nicht genau berechnen. Auch, weil die Branche nach Arbeitsstellen abrechnet, es aber auch Teilzeitbeschäftigte gibt. Die Bundesländer haben den Zuschuss der Pflegeversicherungen aufgestockt. Ihr Anteil beträgt bis zu 500 Euro.

Mitarbeiter spenden Corona-Bonus

Die drei mitteldeutschen Länder haben dafür zusammen bis Ende Dezember rund 57,2 Millionen Euro an die Pflegekassen überwiesen. Sachsen hat nach Angaben des Sozialministeriums für die Aufstockung der Prämie rund 28,6 Mio. Euro ausgezahlt, Sachsen-Anhalt 15,3 Mio. Euro und Thüringen 13,3 Mio. Euro. Auch hier ist unklar, wie viele Beschäftigte in der Pflege bislang in den Genuss der Prämie gekommen sind. Sachsen spricht von rund 56.300 unterstützen Vollzeitstellen, in Sachsen-Anhalt sind Anträge aus insgesamt 2.600 Pflegeeinrichtungen eingegangen, Thüringen habe rund 24.100 Beschäftigte finanziell unterstützt.

Vollständig auf Eigenmittel bei der Auszahlung der Bonus-Leistung hat eigenen Angaben nach das Universitätsklinikum Leipzig gesetzt. Das Krankenhaus habe bereits zweimal einen Bonus ausgezahlt, sagte eine Sprecherin dem MDR. Insgesamt seien vier Millionen Euro ausgezahlt worden, davon etwa die Hälfte an Pflegekräfte. Das Klinikum halte die Prämie für ein notwendiges Signal der Wertschätzung. Einige Mitarbeiter, die nicht direkt mit Covid-Patienten zu tun haben, hätten allerdings den Corona-Bonus nach Erhalt ganz oder teilweise gespendet.

Neue Corona-Prämie für Klinik-Mitarbeiter beschlossen

Die Bundesregierung zahlt erneut eine staatliche Corona-Prämie für Mitarbeiter in Krankenhäusern, die Corona-Patienten behandeln. Das teilte Gesundheitsminister Jens Spahn nach Beratungen der Bundesregierung am 8. Februar mit. Nach Angaben des CDU-Politikers sollen 450 Millionen Euro und damit doppelt so viel wie im Frühjahr vergangenen Jahres für die Prämien zur Verfügung gestellt werden. Über tausend Krankenhäuser könnten davon profitieren.

Laut Zeitungsberichten könnten Klinikmitarbeiter jeweils bis zu 1.500 Euro Prämie bekommen. Unklar ist, ob die Prämien erneut nur an Beschäftigte fließen, die dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes unterliegen. Klinikpersonal, für das ein Haustarifvertrag gilt, würde in dem Fall wieder leer ausgehen.

*Name geändert, richtiger Name der Redaktion bekannt

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | UMSCHAU | 09. Februar 2021 | 20:15 Uhr

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