Demonstrationen Corona-Proteste in Mitteldeutschland: Aggressive Stimmung, verletzte Polizisten

In Mitteldeutschland sind am Montag Tausende Menschen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen der Politik auf die Straße gegangen. An mehreren Orten kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, unter anderem im sächsischen Lichtenstein und in Magdeburg.

Ca. 1.000 Menschen unterwegs zu so genanntem Coronaspaziergang
Bildrechte: imago images/Bernd März

Tausende Menschen sind am Montagabend in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegen die geltenden Corona-Regeln auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Polizei gab es teilweise Ausschreitungen. Polizisten seien verletzt worden. Ein Demonstrant habe versucht, an die Dienstwaffe eines Polizisten zu gelangen.

Zahlreiche Demos in ganz Sachsen

Polizisten bei der Festnahme eines Mannes
Bei Corona-Protesten in Bautzen gab es Festnahmen. Bildrechte: imago images/Bernd März

In Sachsen sind mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen. Allein in Bautzen kamen der Polizei zufolge bis zu 1.000 Menschen zusammen. Sie formierten sich zu zwei Demonstrationszügen. Ein Polizeisprecher sagte, beide seien gestoppt worden. Die Lage sei im Gegensatz zur Vorwoche übersichtlich geblieben. Vereinzelt gab es Festnahmen. Auch in Hoyerswerda wurde ein Aufzug gestoppt.

In Dresden kam es an mehreren Orten zu Ansammlungen. Die Polizei sprach von einem erheblichen Protestpotenzial. 97 Verstöße gegen die Corona-Notverordnung seien festgestellt und zur Anzeige gebracht worden. Insgesamt zählte die Polizei in Dresden 1.450 Demonstranten. Zudem habe sich ein Autokorso mit knapp 100 Fahrzeugen nach Bautzen auf die Reise gemacht.

Im Landkreis Meißen waren der Polizei zufolge 2.400 Corona-Demonstranten unterwegs, im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge etwa 3.200. In Freiberg durchbrachen Demonstranten eine Sperre und zogen in kleineren Gruppen durch die Stadt. Es habe sich um etwa 500 Teilnehmer gehandelt, sagte ein Polizeisprecher.

Im Raum Leipzig hatte die Polizei in mehr als 30 Orten mit Corona-Demonstranten zu tun. Einen Aufmarsch in Markranstädt mit etwa 200 Teilnehmern konnte die Bereitschaftspolizei nicht stoppen. In der Leipziger Innenstadt mussten Beamte Demonstranten und Gegendemonstranten trennen.

Verletzte Polizisten in Lichtenstein bei Zwickau

In Westsachsen registrierte die Polizei eine Vielzahl von Ansammlungen in einer Größenordnung von 30 bis 300 Teilnehmern, darunter in Zwickau, Plauen, Adorf und Auerbach.

Während es dort ruhig geblieben sei, habe in Lichtenstein bei Zwickau eine aufgeheizte Stimmung geherrscht, sagte ein Polizeisprecher. In einen Pulk von etwa 200 Demonstranten hätten sich etwa 60 gewaltbereite junge Leute gemischt. Man habe sie separiert, um ihre Identität festzustellen, hieß es. "Diese widersetzten sich mit mehreren Durchbruchsversuchen der polizeilichen Maßnahme und griffen die Beamten massiv an. Darüber hinaus versprühten Teilnehmer Reizstoffe gegen die Einsatzkräfte. Eine Person versuchte, einem Beamten die Dienstwaffe zu entreißen, und ein Polizist erlitt eine Bissverletzung durch einen Teilnehmer der Versammlung", teilte die Polizeidirektion mit. Insgesamt seien 14 Beamte verletzt worden.

Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Pfefferspray ein. In der Folge haben man die Personalien von 40 gewaltbereiten Teilnehmern festgestellt und Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen des tätlichen Angriffs auf einen Vollstreckungsbeamten erstattet. 30 Demonstranten wurden wegen Verstößen gegen die Corona-Notfallverordnung angezeigt.

16.000 Demonstranten in Thüringen

In Thüringen haben sich laut Polizei mehr als 16.000 Menschen an unangemeldeten Protesten gegen Corona-Schutzmaßnahmen beteiligt. Insgesamt wurden rund 60 Veranstaltungen registriert.

Teilnehmer eines sogenannten Spazierganges gegen die Corona-Maßnahmen
Sogenannter Spaziergang gegen die Corona-Maßnahmen in Gera Bildrechte: dpa

Abgesehen von kleinen Rangeleien seien die Demonstrationen friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Die meisten Teilnehmer habe man mit rund 2.000 in Gera gezählt. Augenzeugen schätzten die Menge aber etwa auf das Doppelte ein. In Altenburg und Saalfeld kamen nach Schätzungen der Polizei jeweils etwa 1.000 Demonstranten zusammen, in Nordhausen 500. Es habe sich in allen Fällen um sogenannte Spaziergänge gehandelt, also nicht um angemeldete Versammlungen. In Bad Salzungen fand ein genehmigter Korso mit 14 Fahrzeugen statt.

Gewaltsame Auseinandersetzungen in Magdeburg

In Magdeburg gab es bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen gewaltsame Auseinandersetzungen. Das berichtete ein MDR-Reporter. Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten versucht, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Dabei sei es zu Schlägereien mit der Polizei gekommen. Die Polizei selbst berichtete auch von Flaschenwürfen auf Beamte und Pyrotechnik. Nach ersten Erkenntnissen seien aber keine Polizisten verletzt worden. Insgesamt hätten sich 2.500 Menschen versammelt. Teile der Demonstration seien von Beamten eingekesselt worden. In Halle beteiligten sich der Polizei zufolge etwa 2.100 Menschen an einem Aufzug.

dpa, epd, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Januar 2022 | 21:00 Uhr

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