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In mehreren mitteldeutschen Städten haben Menschen wieder gegen die Corona-Regeln demonstriert, wie hier in Weißenfels. Bildrechte: MDR/Attila Dabrowski

DemonstrationenCorona-Proteste in Mitteldeutschland: Wieder Tausende auf der Straße

von MDR AKTUELL

Stand: 11. Januar 2022, 14:05 Uhr

Tausende Menschen sind am Montagabend gegen die Corona-Schutzmaßnahmen der Politik auf die Straße gegangen. Die wohl größte Demonstration fand in Gera statt. Auch in Jena, Leipzig und Magdeburg gab es Proteste.

Tausende Menschen sind am Montagabend in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegen die geltenden Corona-Regeln auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Polizei gab es teilweise Ausschreitungen.

Tausende demonstrieren in Thüringen

Thüringenweit haben am Abend mehr als 17.000 Menschen gegen die Corona-Regeln protestiert. Bei den größtenteils unangemeldeten Protesten waren laut Polizei in Gera 2.500 Menschen und in Jena rund 1.000 Menschen auf der Straße. Landesweit wurde in mehr als 60 Orten zu sogenannten Spaziergängen aufgerufen.

Neben den unangemeldeten Protesten gab es auch angemeldete Gegendemonstrationen unter anderem in Jena und Gera. In Jena waren etwa 200 Menschen dem Aufruf des neugegründeten Bündnisses "Jena solidarisch" gefolgt. Sie forderten auf Plakaten unter anderem "Impfen statt Schimpfen". In Gera versammelten sich bei einer Gegendemo etwa 70 Menschen.

Gegen 20 Uhr erklärte die Polizei in Gera die unangemeldete Versammlung der Corona-Kritiker für beendet und forderte die Teilnehmer auf, sich in Kleinstgruppen zu entfernen. Anschließend kam es zu einzelnen verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, bevor sich die Menschenmassen schließlich nach und nach auflösten. Einzelne Teilnehmer wurden von der Polizei abgeführt.

Kleinere Proteste in Sachsen-Anhalt

In Magdeburg hatten sich laut Polizei etwa 1.800 Menschen unangemeldet versammelt. Die Beamten lösten die Demo schließlich auf und gingen nach eigenen Angaben konsequent gegen Verstöße gegen die Allgemeinverfügung der Versammlungsbehörde vor. Mindestens eine Person wurde in Gewahrsam genommen. Außerdem waren einige Bahnlinien wegen der Demo gesperrt.

Corona-Aufmarsch auf dem Marktplatz in Stendal. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

In Wittenberg gab es eine hohe Polizeipräsenz und ebenfalls etwa 1.800 Teilnehmende trotz Dauerregen. Die Demo verlief friedlich. In Stendal waren etwa 500 Menschen in der Innenstadt. Nach ihrem "Spaziergang" kehrten sie zum Marktplatz zurück. Dort standen sie in Gruppen dicht zusammen, unterhielten sich und trugen dabei keine Masken. In Bitterfeld schätzte eine MDR-Reporterin die Teilnehmerzahl auf etwa 650.

In Weißenfels waren circa 400 Menschen unterwegs, die kaum Masken trugen und sich nicht an die Abstände hielten – die Versammlung hatte sich am Abend schon komplett aufgelöst. Der Revierleiterin des Burgenlandkreises zufolge ließ man die Menschen, die keine Maske trugen, gewähren. Beim Loslaufen habe sich die Menschenmenge entzerrt. Kleine nicht angemeldete Demos gab es zudem in Lützen und in Hohenmölsen.

Größere Gegenproteste in Leipzig

Bei erneuten Corona-Demos in Sachsen hat es auch Attacken auf Polizeibeamte gegeben. Wie die Polizei berichtet, wurden in Bautzen mindestens drei Einsatzkräfte verletzt. Die Beamten seien mit Pflastersteinen und Flaschen beworfen worden. Von den insgesamt rund 500 Protestierenden seien rund 150 bis 200 gewaltbereite Hooligans und Menschen aus dem radikal rechten Milieu gewesen.

In mehreren sächsischen Städten formierte sich aber auch Gegenprotest. In Leipzig versammelten sich dazu nach Polizeiangaben rund 300 Menschen auf dem Augustusplatz. In Radebeul, wo sich nach Polizeiangaben 1.100 Menschen versammelten, kam es zu Wortgefechten zwischen Kritikern der Corona-Maßnahmen und Befürwortern der pandemiebedingten Einschränkungen. In Dresden verhinderte die Polizei ein Aufeinandertreffen von Menschen unterschiedlicher Meinung im Bereich Pieschen/Mickten. In der Landeshauptstadt wurde auch ein Journalist aus der Schweiz geschlagen, die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung.

Polizeiautos in Freiberg beschädigt

Landesweit berichtete die Polizei an etlichen Orten von Protesten gegen die Corona-Maßnahmen. So hätten sich in Dresden, Pirna, Görlitz, Chemnitz, Meißen, Radeburg, Coswig, Riesa, Großenhain, Weinböhla oder Freiberg größere Ansammlungen mit jeweils mehr als hundert Personen gebildet. In Freiberg wurden den Angaben zufolge zwei Polizeifahrzeuge beschädigt. Zwei Tatverdächtige seien gestellt worden, sie leisteten Widerstand gegen die Beamten. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gingen in verschiedenen Kommunen fast 4.000 Menschen auf die Straße. In den Landkreisen Erzgebirge und Mittelsachsen waren es rund 3.650 Personen. Die Polizei habe an mehreren Orten Identitäten festgestellt, hieß es.

Laut sächsischer Corona-Notfallverordnung sind derzeit nur ortsfeste Versammlungen mit maximal zehn Teilnehmern erlaubt.

dpa, epd, MDR

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 10. Januar 2022 | 21:00 Uhr