Corona-Impfung Mehr Rechte für Geimpfte: Ist das fair gegenüber Jüngeren?

Ende vergangenen Jahres hat Jens Spahn Sonderrechten für Geimpfte noch eine klare Absage erteilt. Doch jetzt – etwa drei Monate später – klingt er anders: Wer geimpft sei, solle in den nächsten Wochen bestimmte Freiheiten zurückbekommen. Das heißt konkret zum Beispiel: Keine Quarantäne mehr und Friseurbesuche ohne Schnelltest. Aber ist das fair? Vor allem gegenüber der jungen Generation?

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, nimmt in der Bundespressekonferenz zu Beginn der Pressekonferenz zur Entwicklung der Corona Pandemie die FFP2-Maske ab.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will mehr Rechte für Geimpfte. Bildrechte: dpa

Es ist ein Jahr her, dass Skady Herkenrath ihre Universität von innen gesehen hat. Die Magdeburger Studentin ist Botschafterin der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Die Stiftung setzt sich für Nachhaltigkeit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein. Skady Herkenrath hat ihre Kontakte reduziert, dutzende Onlineveranstaltungen besucht und damit auch der älteren Generation einen Dienst erwiesen. Auch jetzt versteht sie, dass ältere und kranke Menschen zuerst geimpft werden müssen.

Impfneid lehne sowohl sie als auch die Stiftung ab. "Aber ich kann auf jeden Fall die ganzen jungen Menschen nachvollziehen und denke mir natürlich dann auch: Wann kommen vielleicht auch mal für uns die Lockerungen, wann können wir vielleicht auch mal wieder was erleben oder vielleicht einfach nur in die Universität gehen, um zu lernen?" Wenn es auch aus wissenschaftlicher Sicht vertretbar sei, Geimpften mehr Möglichkeiten zu geben, wäre das in Ordnung, sagt sie.

Warum Geimpfte nun doch mehr Rechte bekommen sollen

Das Robert Koch-Institut geht nach neuen Erkenntnissen davon aus, dass vollständig gegen Corona Geimpfte das Virus kaum noch übertragen können. Das war auch der Grund für den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn. Skady Herkenrath sagt dazu: "Ich denke, im Prinzip kann man ja dann diese Impfung als negatives Testergebnis ansehen und wenn wir danach gehen, dann würde ich mir wünschen, dass man mit der Teststrategie auch die jüngeren Menschen inkludieren würde."

Zusammengefasst: Mehr Freiheiten für Geimpfte ja, aber nur wenn auch jüngere Menschen durch Tests mehr Möglichkeiten bekommen. Oleg Shevchenko von den Jusos – der Jugendorganisation der SPD – in Thüringen hält wenig von den Plänen des Bundesgesundheitsministers. Sie seien unnötig kompliziert, weil Ladenbesitzer dann verschiedenste Nachweise wie Tests und Impfausweise prüfen müssten und: "Das ist auch ein Ablenkungsmanöver, weil wir ja eigentlich darüber reden müssen, wie wir jetzt den Lockdown verschärfen müssen. Es ist nicht die Antwort, die wir gerade von der Politik erwarten müssen – eine Debatte um irgendwelche Privilegien – bei den wenigen, die gerade geimpft sind."

Erst wenn alle ein Impfangebot haben, kann es überhaupt eine Debatte darüber geben, was wir jetzt öffnen können, wo wir Privilegien schaffen können.

Oleg Shevchenko Jusos

Junge Union Sachsen begrüßt Spahns Vorstoß

Unterstützung für Spahns Idee gibt es hingegen von der Jungen Union in Sachsen. Der Landesvorsitzende Florian Oest findet eine Debatte um Generationengerechtigkeit in diesem Zusammenhang falsch. "Die Diskussion bekommt schon wieder einen ganz unmöglichen Schlag, das gefällt mir überhaupt nicht. Warum soll ich denn jemandem, der geimpft ist, nicht den Besuch des Fußballstadions oder den Restaurantbesuch ermöglichen? Warum soll man den vorab testen? Die Testkapazitäten sind doch viel besser für die aufgehoben, die noch nicht geimpft sind."

Oest möchte vor allem, dass alle so schnell wie möglich geimpft werden. Dann, so meint er, finden wir auch alle wieder in die Normalität zurück.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 07. April 2021 | 06:10 Uhr

229 Kommentare

H.E. vor 4 Wochen

@Erichs Rache

Also von der Impfeinteilung des deutschen Ethikrates halte ich überhaupt nichts, diese Gruppierung und deren schwachsinnigen Argumente hätte man sich sparen können, außerdem kosten die auch noch eine Menge Geld den deutschen Steuerzahler, was überhaupt nichts bringt.

Ich gehöre absolut nicht zum Chor der Apologeten und habe gestern als 78-jährige auch meine erste Biontech - Impfung erhalten.

Nur hätten zu allererst auch Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter an Schulen geimpft gehört, außerdem Schwerkranke (z.B. Krebserkrankte etc. und da gibt es welche die erst 20 Jahre alt sind).
Nein, man mußte sich natürlich strikt an die Vorgaben der STIKO und des dt. Ethikrates halten und NUR 80 - 100 jährige zuerst impfen, auch wenn sie noch z.T. fit wie ein Turnschuh waren. In GB hat man aber festgestellt, daß gerade Lehrer sehr häufig infisziert waren und dadurch ihre Schüler mitansteckten. Deshalb gehörten diese zur ersten Kategorie der zu Impfenden.

Ritter Runkel vor 4 Wochen

Es kann doch nicht so schwierig sein.
Der Bund kümmert sich um die Dinge, die zentral zur Pandemiebekämpfung gesteuert werden müssen.
Dazu gehört die Beschaffung von Masken, Schutzkleidung, Tests und Impfstoff.
Ebenso zentral könnte man sich in Berlin um eine einheitliche Software-Nachverfolgungslösung kümmern und dafür sorgen, dass die Gesundheitsämter die Möglichkeit einer einheitlichen digitalen Lösung erhalten, damit alle Erfassungen und Meldungen zusammengeführt werden können.
Auf der Ebene der Bundesländer kümmert man sich um die lokalen Dinge, wie Schutz der Alten- und Pflegeheime, Testregimes in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern und um die Corona-Verordnungen, die je nach Infektionsgeschehen mehr oder weniger Schutzmaßnahmen beinhalten sollten.
In gemeinsamen Sitzungen der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung finden die notwendigen Koordinierungen statt.
Sind wir in Deutschland tatsächlich nicht mehr in der Lage, Management zu betreiben?

MDR-Team vor 4 Wochen

Hallo,
wir wollen an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es sich nicht um "Zeug" handelt, sondern um einen Impfstoff, der den regulären Zulassungsweg durchlaufen hat.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

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