Risiko- und Hochinzidenzgebiete Was Arbeitnehmer und Schüler als Reiserückkehrer beachten müssen

Über manchen Urlaubsplänen brauen sich dunkle Wolken zusammen, denn einige beliebte Länder sind bereits zu Risiko- oder gar Hochinzidenzgebieten erklärt worden, wie zuletzt die Niederlande und Spanien. Für Reiserückkehrer, die nicht geimpft oder genesen sind, heißt das Quarantäne. Doch was bedeutet das konkret für Arbeitnehmer? Hat man einen Anspruch auf Lohnfortzahlung? Und wie ist das mit Kindern – droht ein Bußgeld, wenn man wissentlich mit der Familie in ein Hochrisikogebiet fährt?

Touristen schwimmen und sonnenbaden am Strand Can Pastilla in Palma de Mallorca.
Ungeimpfte oder nicht genesene Mallorca-Urlauber müssen nach ihrer Rückkehr zehn Tage in Quarantäne. Bildrechte: dpa

Die Ferien seien ein Risiko, verkündete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kürzlich. Und auch für einige Eltern sind die Urlaubspläne in Gefahr. Denn selbst wenn sie geimpft oder genesen sind, die Kinder sind es nur selten. Zehn Tage Quarantänepflicht gilt dann bei der Rückkehr aus Risiko- und Hochinzidenzgebieten. Und die kann man nur durch einen negativen Test beenden. Bei Hochinzidenzgebieten allerdings frühestens nach fünf Tagen. Bis dahin dürfen die Kinder also nicht in die Schule gehen.

Schulaufsichtsbehörde empfiehlt Gelassenheit

Wem das egal sei, dem könnte wegen Verletzung der Schulpflicht ein Bußgeld von 100 Euro pro verpasstem Schultag drohen, warnt der Rechtsanwalt Arndt Kempgens im Deutschlandfunk. Das sächsische Landesamt für Schule und Bildung möchte Gnade vor Recht gehen lassen. Pressesprecher Roman Schulz: "Nach dem letzten Halbjahr waren in Sachsen wirklich alle urlaubsreif und alle ferienreif und alle platt."

Und da sei es vielleicht auch ein bisschen schwierig, wenn man sage, man hole schon mal die große Keule raus und baue wieder eine Drohkulisse auf, was in einigen Wochen passiere. "Ich denke, da muss man auch eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen und kann nicht im Vorfeld alles schon wieder irgendwo juristisch abregeln." Zumal die Möglichkeiten, die Schule von zu Hause aus zu machen, viel besser geworden seien.

Staat übernimmt Entschädigung für Quarantäne

Doch was passiert mit Erwachsenen, nicht die nicht geimpft oder genesen sind und in Quarantäne müssen, weil das Land während ihres Urlaubs zum Hochinzidenzgebiet wurde? Einen Anspruch auf Lohnfortzahlung im engeren Sinne habe man nicht, sagt der Dresdner Arbeitsrechtler Silvio Lindemann. Aber der Staat übernimmt die Entschädigung für die Quarantäne: "Die beträgt 67 Prozent des letzten Netto-Einkommens, maximal aber 2.016 Euro. Und die Auszahlung an sich wird praktisch so geregelt, dass der Arbeitgeber die Auszahlung übernimmt und er bekommt das dann von der Behörde erstattet."

Entscheidend ist seit Neuregelungen des Infektionsschutzgesetzes allerdings, ob man wissentlich in ein Risiko- oder Hochinzidenzgebiet fährt, so Lindemann, weil man dann seinen Anspruch auf diese Entschädigung verliere. "Es sei denn, er hatte einen wichtigen Grund dahinzufahren, aber der Urlaub ist jedenfalls kein wichtiger Grund und dann würde auch kein Entschädigungsanspruch gezahlt werden. Also das muss man sich dann genau überlegen."

Kinderkrankengeld höher als Quarantäneentschädigung

Aufatmen können übrigens Eltern, die geimpft oder genesen sind, aber wegen ihrer quarantänepflichtigen Kinder zu Hause bleiben müssen. Arbeitsrechtler Lindemann meint: "Also wenn die Kinder selbst in die Quarantäne müssen und unter zwölf Jahren sind, dann müssen sie ja beaufsichtigt werden, dann kann der betreuende Elternteil auch den Entschädigungsanspruch nach dem Infektionsschutzgesetz verlangen oder auch Kinderkrankengeld."

Das Kinderkrankengeld sei in dem Fall etwas höher: "Das sind 90 Prozent im Gegensatz eben zur Entschädigung, was nur 67 Prozent sind." Und beim Kinderkrankengeld spielt laut Lindemann keine Rolle, ob man wissentlich oder unwissentlich ins Risikogebiet gefahren ist.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juli 2021 | 06:11 Uhr

3 Kommentare

Mustermann vor 8 Wochen

Heute hier - Morgen dort!

Augen auf bei der Berufswahl kann ich da nur sagen. Wenn man z.B. Bundeskanzlerin wird/ist, dann kann man reisen..., ohne z.B. bei der Einreise in das Ausland (z.B. UK) in Quarantäne zu müssen. Jeder Bürger muss in Zwangsquarantäne, nur die Politiker/-innen haben ihre eigenen Regeln. Praktisch! Warum also soll sich der einfache Bürger an Recht und Ordnung halten wenn es die da oben "nicht" tun?

Übrigens Herr Lindemann, es ist für viele Familien ein große Unterschied, ob man 100 % Lohn erhält oder nur 67 % Entschädigung!

Gerd Mueller vor 8 Wochen

Verordnung
über die Entschädigung von Angehörigen der Armee im
Assistenzdiensteinsatz zur Bewältigung der CoronaPandemie
(COVID-19-Verordnung Entschädigung Angehörige der Armee)

Soldaten Norbert vor 8 Wochen

Hochinzidenzgebiete trotz eine Impfquote von nahezu 100 Prozent ? Ja, es gibt Länder wie Malta oder auch britische Inseln die haben erfolgreich fast alle Bürger geimpft. Und dennoch haben sie extrem hohe Inzidenzen. Was wirft doch Fragen auf , oder ?

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