Corona-Eindämmung Flächendeckende Schnelltests - woran hakt es?

Im Februar versprach Bundesgesundheitsminister Spahn, dass ab März jeder, der es wünscht, einen kostenlosen Schnelltest machen kann. Die Realität ist davon jedoch noch weit entfernt. Fehlt es hier am politischen Willen?

Person mit Schutzhandschuhehn und Schutzbekleidung hält Pipette in der Hand
Entgegen politischer Ankündigungen ist die Bundesrepublik noch weit von flächendeckenden Schnelltests entfernt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Andrang im Schnelltestzentrum Meiningen. Hier können sich die Einwohner der südthüringischen Stadt kostenlos auf Corona testen lassen. Viele nehmen das Angebot gerne an.

Mehr Sicherheit durch Schnelltests

"Das bringt mir auch kurz vorm Wochenende eine kleine Sicherheit, wenn man wieder in die Familie zurückgeht, wenn man doch vorher durch Arbeitstätigkeit oder durch Einkäufe auch öfters Kontakt zu anderen Personen hatte", sagt eine Besucherin. "Eine kleine Sicherheit, die natürlich nur eine Momentaufnahme ist." "Wir kommen ja gar nicht raus aus diesen Negativzahlen. Das ist ja ewig tiefrot bei uns. Das ist schon ein bisschen besorgniserregend", sagt ein anderer.

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Im südthüringischen Meiningen wird das Schnelltestzentrum gut angenommen. Den Menschen gibt das ein Stück mehr Sicherheit in der Pandemie. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit Wochen gehört Schmalkalden-Meiningen zu den Landkreisen mit den höchsten Inzidenzwerten. Aktuell liegt hier die 7 Tages- Inzidenz bei 258. Zum Vergleich - deutschlandweit sank sie dagegen auf 64.

Hohe Kosten beim Betrieb von Schnelltest-Zentren

Um Infektionen früh zu erkennen und damit Infektionsketten unterbrechen zu können, eröffnete der Landkreis am Montag vergangener Woche insgesamt drei Testzentren. Christopher Eichler, der Sprecher des Landkreises, war von Anfang an in die Organisation eingebunden. Es gäbe zwei Stellen, wo die Abstriche genommen werden sowie einen Auswertungsbereich, wo die Tests lagern, bis ein positives oder negatives Ergebnis zu sehen ist, erläutert er.

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Christopher Eichler, Sprecher des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, hofft, dass der Bund sein Versprechen einlöst und bei der Finanzierung der Schnelltest-Strategie hilft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer Symptome zeigt, wird gar nicht erst getestet, sondern gleich zum Arzt geschickt. Nach einer knappen Stunde werden hier zwei Personen positiv getestet. Am Ende der ersten Woche sind es in allen Testzentren des Landkreises 21 Fälle, die zur Sicherheit noch einmal mit einem PCR-Test überprüft werden. Pro Woche kosten die Testzentren zirka 25.000 Euro. Bei der Finanzierung hofft der Landkreis auf Geld aus Berlin. Bisher jedoch vergebens.

Wer zahlt die Rechnung?

"Wir haben gestern einen offenen Brief an Herrn Spahn geschickt, in dem wir nochmal darauf hinweisen, dass wir im Landkreis Schmalkalden-Meinigen auch aufgrund unserer hohen Inzidenz mit einer Schnelltest-Strategie an den Start gegangen sind und in dem wir ihn auffordern, seinem politischen Versprechen nachzukommen und uns diese Kosten zum 1. März zu erstatten", sagt Christoph Eichler.

Dabei bezieht er sich auf ein Versprechen, das der Bundesgesundheitsminister im Februar gegeben hat. Damals sagte Spahn, dass ab März jeder, der möchte, kostenfrei getestet werden solle. Die Finanzierung der Testkampagne solle dabei aus dem Bundeshaushalt erfolgen.

Infektiologe: Einführung der Schnelltests zu zögerlich

Allerdings ist es bisher nur bei Ankündigungen geblieben. Von flächendeckenden kostenfreien Schnelltests kann noch keine Rede sein. Der Plan lautet jetzt: bis Ende des Monats allen Bürgern ein bis zwei Mal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest anzubieten.

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Für eine Studie zu Großveranstaltungen unter Pandemiebedingungen hat die Infektiologie des Uniklinikums Halle innerhalb kürzester Zeit 2.000 Menschen getestet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Mediziner Stefan Moritz ist Leiter der Infektiologie am Uniklinikum Halle und führte im Sommer vergangenen Jahres eine großangelegte Studie zu der Frage durch, wie Großveranstaltungen unter Pandemiebedingungen stattfinden können. Dafür wurden in kürzester Zeit 2.000 Menschen getestet. Ihm dauert die flächendeckende Bereitstellung der Schnelltests zu lange. "Ich hätte mir das tatsächlich etwas früher gewünscht, dass wir das im Herbst bereits eingeführt hätten", sagt er. "Ich habe ja immer dafür geworben, dass wir die Schnelltests frühzeitig für die Bevölkerung freigeben. Dass es jetzt wieder Verzögerungen gibt, finde ich sehr schade."

"Erheblicher logistischer Aufwand"

Für den Wissenschaftler sind die Tests kein Allheilmittel. Aber sie können ein wichtiger Bestandteil bei der Pandemiebekämpfung sein – etwa bei Veranstaltungen. "Das bedeutet aber natürlich erheblichen logistischen Aufwand", so Moritz. "Wir haben das selber mal durchgerechnet am Beispiel eines Fußballstadions mit 20.000 Besuchern. Wenn man da mit Schnelltests durchtesten würde, würde man irgendwo zwischen zwölf und 16 Stunden brauchen – wenn man hundert Teststationen hätte."

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Stefan Moritz ist Leiter der Infektiologie am Uniklinikum Halle und sieht flächendeckende Schnelltests als wichtigen Bestandteil der Pandemiebekämpfung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein solcher Aufwand ist bei der Firma "Ambulanz Mobile" in Schönebeck mit ihren rund 320 Beschäftigten nicht notwendig. Die Schnelltests gehören hier mittlerweile zum Alltag. Geschäftsführer Hans Jürgen Schwarz wartete nicht auf politische Entscheidungen, sondern nahm die Dinge selbst in die Hand. Im Sommer habe sein Unternehmen begonnen, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aus den Betriebsferien kamen, gleich zu testen, damals noch in einer Arztpraxis. Seit Januar testet die Firma selbst. Dafür wurden 15 Mitarbeiter geschult und ein spezieller Raum zur Verfügung gestellt und eingerichtet.

Tests als Teil eines Maßnahmenbündels

Ziel sei es, im Monat wenigstens die Hälfte der Belegschaft einmal nach einem Zufallsprinzip zu testen, so Schwarz. Das sei zwar nicht allumfassend, aber auf jeden Fall besser als nichts. Für den Firmenchef sind die Tests ohnehin nur ein Baustein im Kampf gegen die Pandemie: "Die Hygienemaßnahmen, die wir Ende März 2020 festgelegt haben, haben weiter uneingeschränkt Gültigkeit. Deshalb ist es richtig, weiter Maske zu tragen, weiter zu desinfizieren, Fieber zu messen und Vieles, Vieles andere. Die Tests sind ein Bestandteil dieses Systems." Die gesamten Kosten dafür trägt die Firma selbst. 

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Hans Jürgen Schwarz, Geschäftsführer der Firma "Ambulanz Mobile" in Schönebeck, wollte nicht auf politische Entscheidungen warten. Seit Sommer 2020 werden seine Mitarbeiter regelmäßig auf Corona-Antikörper getestet. Die Kosten übernimmt die Firma. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch der Landkreis Meiningen-Schmalkalden finanziert seine drei Testzentren bisher aus eigener Tasche. Stand heute wurden 3040 Einwohner getestet. Das sind 2,4 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landkreises. Immerhin konnten so bisher 22 positive Fälle identifiziert werden. Viel mehr können die Zentren nicht leisten.

"Bei 3 Stunden, die dieses Testzentrum geöffnet hat, gehen wir jetzt von maximal 200 Tests aus, die durchgeführt werden können. Aber die Resonanz ist da, also wir sind da schon relativ nah an den Kapazitätsgrenzen", sagt Christoph Eichler, Sprecher des Landkreises. Bleibt die Frage, wann endlich allen interessierten Bundesbürgern regelmäßig kostenfreie Schnelltests angeboten werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 03. März 2021 | 20:15 Uhr

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