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Mit steigenen Corona-Fallzahlen im Herbst und Winter wird wieder über eine allgemeine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen und die Teststrategie diskutiert. Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Vor GesundheitsministerkonferenzStreit um Maskenpflicht in Heimen und öffentlichen Innenräumen

23. Oktober 2022, 18:29 Uhr

Patientenschützer und Diakonie kritisieren die geltende Maskenpflicht für Bewohner in Pflegeheimen als überzogen und unzumutbar. Sie fordern stattdessen mehr Tests. Bundesgesundheitsminister Lauterbach wirbt jedoch bereits für eine allgemeine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen. Am Montag beraten in Magdeburg die Gesundheitsminister der Länder, wie es weitergehen soll.

Patientenschützer: Tests statt Maskenpflicht

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert Nachbesserungen im Kampf gegen Corona. Vorstand Eugen Brysch rief die Bundesregierung auf, das Infektionsschutzgesetz zu überarbeiten. So werde die festgeschriebene Maskenpflicht von einer Mehrzahl der 12.000 Pflegeheime nicht konsequent durchgesetzt. Brysch nennt die Regelung "absurd". Komme es zu Corona-Ausbrüchen, müssten "Ermittlungsbehörden überprüfen, ob außerhalb der Zimmer FFP2-Masken getragen wurden".

"Menschenwürdiger" wären aus Sicht von Brysch tägliche Schnelltests für Beschäftigte in Heimen in Kombination mit PCR-Tests zweimal die Woche. So könne das Virus effizient gestoppt werden, "bevor es die hochbetagten Menschen erreicht".

Die Stiftung Patientenschutz und der Paritätische Wohlfahrtsvearband hatten bereits zuvor die FFP2-Maskenpflicht in Pflegeheimen für deutschlandweit mehr als 800.000 Pflegeheimbewohner als unzumutbare Belastung kritisiert.

Diakonie: Maskenpflicht in Heimen unzumutbar

Auch Diakonie-Präsident Ulrich Lilie kritisierte die Maskenpflicht für Pflegeheimbewohner in Gemeinschaftsräumen als unzumutbar: "Nicht nur die persönlichen Räume, auch die Gemeinschaftsräume sind Teil ihres Zuhauses, in denen ein ungezwungenes Miteinander möglich sein muss."

Eine allgemeine Maskenpflicht in Innenräumen von öffentlichen Gebäuden und Büros hält Lilie bei steigenden Infektionszahlen hingegen für angemessen. Die Maske sei ein einfaches und effektives Instrument beim Infektionsschutz.

Kekulé und andere Experten setzen auf die Maske

Der Epidemiologe Alexander Kekulé unterstützt die Forderung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nach einer allgemeinen Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen. Kekulé sagte MDR AKTUELL, er halte das angesichts der Omikron-Variante für richtig. Bei Omikron könnten Hochbetagte und besondere Risikogruppen nach wie vor sterben. Schwache in der Gesellschaft müsse man schützen.

Die "Landesfürsten sollten sich daher einen Ruck geben" und die Maskenpflicht bundesweit wieder einführen, sagte Kekulé. Am besten wäre es gewesen, wenn man von Anfang an gesagt hätte, dass im Herbst wieder die Maskenpflicht komme.

Auch der Münchner Corona-Experte Clemens Wendtner sprach sich für eine Maskenpflicht in Innenräumen und Schulen aus. Freiwilligkeit bringe wenig. Wer bei Veranstaltungen eine Maske aufhabe, werde "fast schon wie ein Aussätziger behandelt". Wendtner sagte: "Dabei ist eigentlich derjenige unsolidarisch, der keine Maske trägt." Es müsse nicht immer eine FFP2-Maske sein, auch eine OP-Maske helfe schon.

Die Gesundheitsminister der Länder treffen sich am Montag in Magdeburg, um unter anderem über das Infektionsschutzgesetz in der Corona-Pandemie zu beraten. Dem Robert Koch-Institut zufolge haben gestiegen Corona-Infektionszahlen zuletzt auch in medizinischen Einrichtungen und Pflegeheimen zu mehr Ausbrüchen geführt.

 dpa/MDR(ans)

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm:20. Oktober 2022 | 17:00 Uhr

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