Berechnungen Statistisches Bundesamt: Corona-Pandemie führt zu Übersterblichkeit

Die Corona-Pandemie hat nach Berechnungen des Statistischem Bundesamts zu mehr Todesfällen in Deutschland geführt. Die meisten Corona-Opfer waren demnach ältere Menschen mit Vorerkrankungen. In jüngeren Altersgruppen traf es vor allem Männer. Seit September steigt die Übersterblichkeit den Statistikern zufolge wieder an.

Zahlreiche Särge liegen in einer Lagerhalle auf dem Gelände des Straßen- und Tiefbauamtes Dresden.
Särge in einer Lagerhalle auf dem Gelände des Straßen- und Tiefbauamts Dresden. Das Gelände wird genutzt, um Corona-Tote schneller beerdigen zu können. Bildrechte: dpa

Die Corona-Pandemie hat dem Statistischem Bundesamt zufolge zu einer Übersterblichkeit in Deutschland geführt. "Von März 2020 bis Mitte November 2021 sind in Deutschland mehr Menschen gestorben, als unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung zu erwarten gewesen wäre", sagte der Vizepräsident der Behörde, Christoph Unger, am Donnerstag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Und er fügte hinzu: "Der Anstieg der Sterbefallzahlen ist nicht allein durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar, sondern maßgeblich durch die Pandemie beeinflusst."

Insgesamt starben 2020 demnach bundesweit 985.600 Menschen, fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Allein aufgrund der Alterung der Bevölkerung wäre ein Anstieg der Sterbezahlen um zwei Prozent zu erwarten gewesen. In den ersten zwölf Monaten der Pandemie von März 2020 bis Februar 2021 war die Sterblichkeit am höchsten. Insgesamt seien 71.000 Menschen oder 7,5 Prozent mehr gestorben als in den zwölf Monaten davor, teilte die als Destatis bekannte Behörde mit.

Christoph Unger, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes
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Der Anstieg der Sterbefallzahlen ist nicht allein durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar, sondern maßgeblich durch die Pandemie beeinflusst.

Christoph Unger Vizidepräsident des Statistischen Bundesamtes

70 Prozent der Corona-Toten älter als 80 Jahre

Bei 47.860 Verstorbenen im Jahr 2020 war Covid-19 Destatis zufolge die Haupttodesursache oder trug als Begleiterkrankung zum Tod bei. 70 Prozent der Corona-Toten seien älter als 80 Jahre gewesen und hätten vielfältige Vorerkrankungen gehabt, wie zum Beispiel Herzkrankheiten, Niereninsuffizienz und Diabetes. Auffällig sei zudem, dass mehr Männer als Frauen gestorben seien. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen seien 79 Prozent der Toten männlich gewesen.

Der Einfluss von Covid-19 auf die Sterbezahlen ist nach Aussage der Statistiker auch deshalb eindeutig, weil andere Faktoren die Sterblichkeit verringerten. So sei die übliche Grippewelle im Winter 2020/21 nahezu komplett ausgefallen und es seien wegen sonstiger Infektionskrankheiten deutlich weniger Menschen gestorben. Zudem erklärte Destatis, dass die Zahl der Selbstmorde im vergangenen Jahr abgenommen habe. 2020 habe es bei den Suiziden den zweitniedrigsten Wert seit 1980 geben.

Übersterblichkeit auch diesen Herbst

Im September und Oktober dieses Jahres beobachten die Statistiker ebenfalls erhöhte Sterbezahlen, also vor der vierten Welle. Dieser Anstieg kann aus Sicht von Destatis aber bisher nur zu gut einem Drittel durch Corona-Fälle erklärt werden. Felix zur Nieden, Referent für demografische Analysen und Modellrechnungen, führte mehrere mögliche Gründe dafür an. So könnte eine "Dunkelziffer" an nicht gemeldeten Corona-Todesfällen ebenso eine Rolle spielen wie Spätfolgen von Corona-Erkrankungen. Möglicherweise zeigten sich auch die Auswirkungen von verschobenen Operationen und Vorsorgeuntersuchungen. Gewissheit würden erst weitere Forschungen geben.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 09. Dezember 2021 | 13:30 Uhr

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