Pandemie Vierte Welle rollt an – mit Verzögerung in Mitteldeutschland

Alexander Laboda
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Seit Anfang Juli steigt bundesweit die Zahl der Corona-Neuinfektionen. Das Robert Koch-Institut sieht Deutschland daher am Beginn einer vierten Welle. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen kommt der Anstieg offenbar verzögert.

Viele sonnenhungrige Urlauber und Tagestouristen bevölkern bei heißen Sommerwetter dicht an dicht den Strand
Viele Menschen bringen die Infektion aktuell aus dem Urlaub mit. Bildrechte: dpa

In Deutschland hat nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) die vierte Welle der Coronavirus-Pandemie begonnen. Der Anteil der positiv getesteten Proben unter den PCR-Tests in Laboren habe in der vergangenen Kalenderwoche auf sechs Prozent zugenommen, heißt es im jüngsten Wochenbericht des Instituts. In der Woche davor lag er noch bei 3,8, in der ersten Juli-Woche sogar unter 1. "Damit zeigt sich nun deutlich der Beginn der vierten Welle, die insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt aufnimmt", schreibt das RKI.

Inzidenz steigt seit Juli

Aktuell meldet das RKI eine bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz von 48,8. Die Inzidenz steigt nach Angaben des Instituts seit Anfang Juli stetig. Insbesondere treten die Infektionen demnach in der jüngeren Altersgruppe der 10- bis 49-Jährigen auf. In Kitas und Schulen lägen die Ausbrüche bis Mitte August jedoch noch auf einem niedrigen Niveau.

Viele Ansteckungen im Ausland

Ein seit Wochen steigender Anteil der Infizierten bringt die Infektion den Zahlen zufolge aus dem Urlaub mit nach Hause. Der Anteil der Fälle mit einer bekannten wahrscheinlichen Ansteckung im Ausland liegt bei knapp einem Viertel aller gemeldeten Fälle, bei denen Angaben zum Ort gemacht wurden. Ende Juni lag der Anteil noch bei zehn Prozent. Das am häufigsten genannte Infektionsland war in der vergangenen Woche die Türkei vor Spanien und Kroatien.

Ferien als Faktor?

Vor diesem Hintergrund könnte der späte Ferienbeginn auch ein Faktor dafür sein, warum die Inzidenzen in Mitteldeutschland noch vergleichsweise niedrig sind. Thüringen weist mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 12,6 den niedrigesten Wert aller 16 Bundesländer auf. Sachsen-Anhalt (12,8) und Sachsen (14) liegen nur knapp darüber. In allen drei Ländern sind noch bis Anfang September Ferien. Viele Urlaubs- und auch Auslandsreisen dürften noch andauern.

Deutliche Zunahmen auch in Mitteldeutschland

Nichtdestoweniger erfasste das RKI auch für die drei mitteldeutschen Länder zuletzt ein hohes Wachstum bei den Infektionen. So nahm die Zahl der neuen Covid-19-Fälle von der ersten zur zweiten Augustwoche in Sachsen um 44 Prozent zu und in Sachsen-Anhalt um 40 Prozent. Thüringen verzeichnete hingegen eine Zunahme von nur 19 Prozent und lag damit deutlich unter Bundesdurchschnitt (plus 54 Prozent).

Der Entwicklung in ganz Deutschland hingen zumindest Thüringen und Sachsen-Anhalt übrigens auch in der zweiten Corona-Welle im Herbst 2020 hinterher. Von Mitte Oktober bis Ende November lagen die Inzidenzwerte in beiden Ländern teils deutlich unter dem Durchschnitt. Ab diesem Zeitpunkt bis zum Ende der dritten Welle etwa Ende Mai waren die Inzidenzen in Mitteldeutschland dann stets überdurchschnittlich hoch.

Mehr Fälle in Kliniken

Der Anstieg der Inzidenzen kommt laut der RKI-Analyse bereits in den Krankenhäusern an. Der zuletzt allgemein abnehmende Trend von Covid-Patienten in Kliniken setze sich zurzeit nicht fort, heißt es im Bericht. Die Zahlen befänden sich zwar noch auf niedrigem Niveau, stiegen aber sichtbar an. Hier sei mit Nachübermittlungen zu rechnen, weil Covid-Patienten häufig erst ein bis zwei Wochen nach der Diagnose in ein Krankenhaus kämen – zumeist mit schweren Atemwegsinfekten.

Quelle: dpa/Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 20. August 2021 | 09:00 Uhr

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