Kontaktnachverfolgung Luca App – Konkurrenz für die Corona-Warn-App?

Noch immer funktioniert die Corona-Warn-App nicht so, wie sie eigentlich könnte – zum Beispiel, weil nicht alle die App installiert haben. Was die App zudem nach wie vor nicht kann, ist die sogenannte Cluster-Nachverfolgung, die immer dann wichtig wird, wenn sich viele Menschen für eine bestimmte Zeit an einem Ort aufgehalten haben. Inzwischen gibt es aber eine App, die das kann, nämlich die luca App. Da stellt sich die Frage, ob man die beiden Apps nicht zusammenlegen könnte oder sollte.

Die App Luca läuft auf einem Smartphone eines Teilnehmer einer Pressekonferenz bei der die App vorgestellt wurde.
So sieht sie aus, die luca App. Bildrechte: dpa

Die Kontaktnachverfolgung mit handschriftlichen Listen – vergangenen Sommer war das der Standard. Ohne E-Mail-Adresse und Unterschrift gab es im Café nicht mal ein Glas Wasser, und in den Schubladen der Gastronomen stapelten sich die Datenblätter.

Das müsste auch einfacher gehen, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz, und zwar mit der Corona-Warn App-der Bundesregierung. "Wenn man sich anguckt, dass es immer noch Zettelwirtschaften allerorten gibt, dann sieht man, dass wir hier immer noch im Mittelalter sind, wie man diese Kontaktverfolgung organisiert. Und an neuen Entwicklungen sieht man auch, dass das locker möglich gewesen wäre, das zum jetzigen Zeitpunkt technisch hinzubekommen."

Das kann die luca App

Eine dieser neueren Entwicklungen ist die luca App. Mit ihr kann man sich mit einem QR-Code an einem bestimmten Ort ein- und dann wieder auschecken – zum Beispiel auf einem bestimmten Sitzplatz im Kino oder im Theater. Neu ist dabei, dass die Gesundheitsämter an die App angebunden sind.

Wenig Aufwand für alle Beteiligten, sagt Patrick Hennig, einer der Gründer der luca App. "Ich werde schneller informiert, wenn ich Teil von so einer Infektionskette vielleicht war, der Gastronom oder das Pflegeheim weiß, er hat keinen Stress, dann am Ende die Daten zusammenzusammeln, sondern das Gesundheitsamt ist direkt mit angebunden, dann glaube ich, dass das was ist, wo alle relativ einfach mitmachen können."

Aus zwei Apps eine machen?

Tritt ein Infektionsfall ein, werden außerdem alle Gäste eines Events informiert, die sich zur betreffenden Uhrzeit dort aufgehalten haben. Die Grünen im Bundestag haben diese Form der Cluster-Nachverfolgung schon im November auch für die Corona-App der Bundesregierung gefordert. Deren Stärke ist die relativ große Reichweite.

Ein Grund, warum es sinnvoll sein könnte, die beiden Apps zu verschmelzen, so Konstantin von Notz. "Ich glaube, das wäre tatsächlich eine Möglichkeit, dass man sich die Entwicklungen, die hier geleistet wurden, anschaut und sich anguckt, wie man das integriert bekommt in eine App, die 25 Millionen mal schon heruntergeladen wurde in Deutschland."

RKI sowie luca-Gründer sind für getrennte Apps

Beim Robert Koch-Institut, das für die Corona-Warn-App verantwortlich ist, gibt es bislang aber keine Pläne, die Warn-App mit der luca App zusammenzuführen. So teilt das Robert Koch-Institut schriftlich mit: "Nach dem ersten Eindruck des Projektteams kann die luca App eine sinnvolle Anwendung für viele Veranstaltungssituationen sein. Ihre Funktionen ergänzen die der Corona-Warn-App. Beide Apps stehen daher auch nicht im Wettbewerb zueinander."

Luca-Gründer Partick Hennig plädiert ebenfalls für getrennte Apps – auch, um die Akzeptanz bei den Nutzerinnen und Nutzern nicht zu verspielen: "Es gibt auch Leute, die das eine benutzen und die das andere benutzen wollen. Diese Freiwilligkeit sollte man beibehalten und nicht eine eierlegende Wollmilchsau bauen, die von allem so bisschen was hat, sondern eine klare Ausrichtung, ene klare Positionierung."

"Die eine digitale Bundesapp" sei vielleicht eine ganz romantische Vorstellung, so Hennig weiter. Besser sei es aber, die Dinge nicht komplett zu vermischen und beide Apps parallel zu nutzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Februar 2021 | 06:00 Uhr

6 Kommentare

Karol vor 25 Wochen

Gestern installiert. (Zufällig gesehen im Internet).
Leider kaum Nutzungsbeispiele in YouTube. Nur einige Zeichentrickfilme.
Wie soll man es benutzen?
Bitte Beispiele, Beispiele, Beispiele!

Meine Frage: kann ich an der Tür (Geschäft/ Wohnung) einen QR-Code aufhängen und jeder der rein kommt oder Raus geht scannt es mit Luca?

kleinerfrontkaempfer vor 25 Wochen

C-App seit Monaten eines der Allheilmittel.
In Wirklichkeit eine Luftnummer. Die Ämter sind schon mit alltäglichen Mitteln der "Nachverfolgung" nicht Herr geworden. Dann noch so eine technische Spielerei. Das paßt in die Bürokratie gar nicht rein.

Micky Maus vor 25 Wochen

"Luca-Gründer Partick Hennig plädiert ebenfalls für getrennte Apps – auch, um die Akzeptanz bei den Nutzerinnen und Nutzern nicht zu verspielen:"

Zu spät sage ich mal! 🙄
Woher sollen Vertrauen und Akzeptanz denn kommen, wenn das Personal nicht ausgetauscht wird? 🤔

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