IT-Sicherheit Standort der Bundes-Cyberagentur wird noch geprüft

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Der Standortwechsel der Cyberagentur des Bundes ist noch nicht sicher. Das Bundesverteidigungsministerium teilte MDR AKTUELL mit, dass zunächst eine Wirtschaftlichkeitsprüfung für den geplanten Standort am Flughafen Halle/Leipzig beauftragt sei. Seit Sommer hat die Agentur ihren Sitz in einer Villa in der Innenstadt von Halle. Sie soll Forschung für die deutsche Cybersicherheit anstoßen. Dafür hat sie bis 2023 zunächst rund 350 Millionen Euro. Zurzeit ist alles noch im Plan.

Ein Mann in Hemd und Jackett: Christoph Igel, Chef der Cyberagentur des Bundesinnen- und des Verteidigungsministeriums
Christoph Igel, Chef der Cyberagentur des Bundesinnen- und des Verteidigungsministeriums. Bildrechte: Jörg Riethausen

Zackig und um keine Antwort verlegen. Den Eindruck macht der Chef der Cyberagentur, Christoph Igel. Er ist 1968 im Saarland geboren, hat am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und im Cyberkommando der Bundeswehr gearbeitet.

Seit ein paar Wochen wohnt er nun in Halle und baut dort die Agentur für Innovationen in der Cybersicherheit auf, wie die Cyberagentur offiziell heißt.

Sie soll Forschung fördern, die Deutschlands zukünftige innere und äußere Cybersicherheit verbessert. Und Cybersicherheit sei nicht nur eine Frage für IT-Experten, sagt Igel:

Chef der Cyberagentur in Halle Prof. Christoph Igel
Chef-Cyberagent Christoph Igel Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Es hat ganz viel mit Verhaltensweisen zu tun, ganz viel mit Denkprozessen, psychologischen Effekten. Bis hin zur Frage, wenn wir jemanden identifiziert haben, können wir den völkerrechtlich oder strafrechtlich verfolgen, wenn wir mal gehackt worden sind.

Christoph Igel bei MDR AKTUELL

Das seien für Unternehmen hochrelevante Fragen: Wen kann ein angegriffenes Unternehmen auf Schadenersatz verklagen? Dürfen deutsche Sicherheitsbehörden die IT von Angreifern im In- oder Ausland ausschalten? Wer entscheidet darüber? Wie lässt sich die Gesellschaft auf einen IT-Angriff und den Ausfall von Stromnetzen vorbereiten? Fragen für Psychologen, Philosophen, Juristen und Ökonomen. Und die gibt es auch an Unis und Unternehmen in Mitteldeutschland, obwohl Sachsen und Sachsen-Anhalt bislang keine Schwerpunkte für Cybersicherheitsforschung haben.

"Wir brauchen viel mehr Forschung"

Es sei nicht so, dass diese beiden Bundesländer außerhalb des Durchschnitts in Deutschland liegen würden, sagt Igel. Es gebe Zentren, die sehr gut ausgeprägt seien in Deutschland, im Norden, im Süden, im Südwesten. Und es gebe Bereiche, "wo man sicherlich neue Dinge aufbauen muss und stimulieren muss". Aber die Zahl von Wissensträgern in diesem Segment, die bereit und kompetent seien, "mit uns wirklich zukunftsweisend Forschung zu machen, ist doch überschaubar und begrenzt".

Deswegen versteht Igel auch die Kritik an der Cyberagentur nicht. Die Linke-Bundestagsfraktion und die Stiftung Neue Verantwortung bemängeln, dass auch andere Institutionen die Aufgaben der Cyberagentur erledigen könnten: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik etwa, die zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich, oder das Forschungszentrum Cyber Defense an der Bundeswehr-Uni. Die Kritik trifft zwar eher die Politik. Igel aber sagt:

Wir haben nicht zu viel an Forschung. Wir haben nicht zu viel im Einsatz im Bereich der Cybersicherheit.
Wir haben zu wenig in Deutschland.

Christoph Igel bei MDR AKTUELL

Es sei deutlich geworden, "dass wir uns in Abhängigkeiten befinden". Die Situation sei klar. Und wenn jemand komme und frage: "Wie grenzen Sie sich denn ab?", könne er dazu nur sagen: "Wir brauchen ein Netzwerk. Wir brauchen viel mehr Forschung. Wir brauchen mehr Aufklärung. Wir müssen stärker in die Gesellschaft, stärker in die Sicherheitskräfte, in die Polizei hineinwirken, damit mehr geschieht."

Endgültiger Standort noch offen

Zur Zeit ist die Cyberagentur ein dreiköpfiges Team mit Sitz in einer Villa in der Innenstadt von Halle. Final soll sie 100 Stellen haben, 20 könnten bis Ende des Jahres besetzt werden. Ihren endgültigen Standort soll die Agentur am Flughafen Leipzig/Halle bekommen. Anscheinend ist das im Moment aber noch gar nicht so sicher. Das Bundesverteidigungsministerium teilte MDR AKTUELL auf Nachfrage mit,  man habe zunächst eine Wirtschaftlichkeitsprüfung in Auftrag gegeben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Dezember 2020 | 06:05 Uhr

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