Chef der Cyberagentur IT-Forschung soll wieder zurück nach Deutschland kommen

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Seit sechs Monaten arbeitet die Cyberagentur des Bundesinnen- und Verteidigungsministeriums in Halle. Sie soll Forschung anstoßen, deren Ergebnisse für Deutschlands innere und äußerer Cybersicherheit in der Zukunft wichtig sein können. Wie läuft es also bisher?

Etwa 50-jähriger Mann mit blonden Haaren, dunkler Brille und blauem Sakko vor einem dunklen Hintergrund
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Christoph Igel hat als Chef der Cyberagentur in Halle einen beneidenswerten Job: Er besteht zu großen Teilen darin, Geld auszugeben – 350 Millionen Euro, um Forschung voranzutreiben.

Soziales Miteinander fehlte beim Start

Fünfzehn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat Igel dafür in diesem Jahr schon eingestellt. Einhundert sollen es werden. Mehr als 180 Bewerbungen hatte Igel auf dem Tisch. Die Bewerbungsgespräche hat er per Videokonferenz geführt. Eigentlich ein Standard im Technologiebereich, sagt er.

Trotzdem fehle es, ins Büro zu gehen, und das soziale Miteinander, beklagt Igel. "Gerade jetzt bei einer ganz jungen Entität, die ja auch darauf angewiesen ist, dass auch die Leute sich alle überhaupt erst mal persönlich kennenlernen." Und das gehe über Videokonferenzen nur begrenzt, sagt der Chef der Cyberagentur. "Das ist schon ein bisschen schade."

Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden vom Verfassungsschutz oder Militärischen Abschirmdienst überprüft. Nicht alle kennen sich persönlich und vielleicht lernen nicht einmal alle den Gründungsstandort in der Willy-Brandt-Straße in Halle kennen. Denn der ist bereits jetzt zu klein.

Suche nach größerem Standort

Die Agentur sucht neue Räume im Großraum Leipzig/Halle. In ihrem Stammbuch steht nach wie vor, dass ihr endgültiger Standort am Flughafen sein soll. Dort müsste neu gebaut werden. Ein enormer Aufwand – auch weil nicht alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen immer in der Region arbeiten werden.

Die Agentur schreibe zum Beispiel auch Forschungsschwerpunkt-Programme aus, die auch mal in anderen Städten stattfinden könnten, erklärt Igel. "Dann werden unsere Leute für die Zeit, in der das Forschungsprogramm eben auch dort verortet ist, der Forschung regional oder lokal folgen. Wir müssen dorthin, wo die Forschung läuft."

Beim ersten Forschungsvorhaben, das die Cyberagentur jetzt ausschreiben will, geht es um die Architektur von Computerchips. Experten begrüßen solche Grundlagenforschung: Wer sich grundsätzlich um IT-Sicherheit kümmern will, muss nachvollziehen können, was quasi auf der mikroskopischen Ebene von Computern passiert.

Das ist heute durch Cloud-Computing in Rechenzentren, durch vernetzte Sensoren oder Geräte kaum möglich. Dort kreuzen sich die Wege von vielen Daten, es gibt praktisch keine Grenzen mehr zwischen einzelnen Rechenbausteinen.

IT-Forschung soll wieder nach Deutschland

Eine Gefahr für die Cybersicherheit. Sicherheitslücken in Mikroprozessoren aus den vergangenen Jahren sind zum Beispiel unter den Namen "Spectre" und "Meltdown" bekannt geworden.

Seit etwa fünf Jahren forsche auf dem Gebiet der Sicherheit von Multi-Kernel-Prozessoren das US-amerikanische Gegenstück der Cyberagentur sehr aktiv. Die Darpa treibe die Forschung voran, erklärt Igel – was ein spannender Punkt sei, da "die ursprüngliche Forschung für solche Multi-Kernel-Systeme und die Sicherheit von Multi-Kernel-Systemen in Deutschland entstanden ist, und zwar schon vor 20 Jahren. Dann ist die abgewandert."

Solche Forschung wieder nach Deutschland zu holen, sei ein Anliegen der Cyberagentur, sagt ihr Chef Christoph Igel. Das sei schwierig und ambitioniert. Aber wer es nicht versuche, könne nur davon träumen. Also müsse man es einfach mal machen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Dezember 2020 | 06:05 Uhr

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