Nach Corona Wie geht es weiter mit der Digitalisierung der Hochschulen?

Die Hochschulrektorenkonferenz fordert mehr Geld vom Bund für die Digitalisierung. Sie orientiert sich dabei an einer Studie der Expertenkomission Forschung und Innovation aus dem Jahr 2019. Hochschulen sollen so flexibler in der Lehre in Präsenz und digital werden. Der Leipziger Student_innenrat begrüßt die Forderungen grundsätzlich und sieht die Probleme nicht nur in der technischen Infrastruktur.

Peter-Andre Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, spricht in der Universität Hamburg.
Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, spricht sich für eine Digitalisierungspauschale aus. Bildrechte: dpa

Die Online-Lernplattform Moodle ist für die Studierenden der Uni Leipzig spätestens mit der Coronapandemie zu einer vertrauten Umgebung geworden. Der abrupte Umstieg von Präsenz auf digitale Lehre sei für Studierende und Lehrpersonal allerdings nicht einfach gewesen, erzählt der hochschulpolitische Sprecher des Student_innenrates der Uni Leipzig (StuRa), Paul Steinbrecher.

Vor allem viele Lehrkräfte hätten sich erst auf Videokonferenzen und Online-Kurse einstellen müssen. "Es gab extrem gute Angebote von Lehrenden, die darin sehr viel Zeit und Kraft investiert haben, sodass für die Studierenden fast gleichwertige Lernbedingungen erzeugt werden konnten. Aber es gab eben auch das komplette Gegenteil, wo es keine digitale Lehre gab."

Expertenkommission ermittelte Förderbedarf bereits 2019

Es ist ein Anfang. Ermittelt und bereits im Jahresgutachten 2019 – also vor der Pandemie – angemahnt hat den zusätzlichen Finanzbedarf die EFI – die sogenannte Expertenkommission Forschung und Innovation. Verteilen will die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) das Geld auf Basis der EFI-Studie so: Jede der 390 Hochschulen in Deutschland soll einen Grundbetrag von 140.000 Euro bekommen – unabhängig von der Größe und den Grundvoraussetzungen für Digitalisierung. Die verbleibenden rund 220 Millionen Euro sollen nach Hochschulgröße und Anzahl der Studierenden verteilt werden.

Fördersumme wird nicht nur für Technik benötigt

Peter-André Alt ist Präsident der Hochschulrektorenkonferenz und begründet den zusätzlichen Finanzbedarf für Digitalisierung so: "Die Digitalisierung ist eine Herausforderung, die zunehmend zusätzliche Bereiche neben der reinen Technik betrifft".

"Wir müssen etwa in unseren Raumstrukturen flexibler sein, wenn wir Lehre kombinieren wollen: präsentische Lehre auf der einen und virtuelle Lehre auf der anderen Seite. Dann brauchen wir auch Räume, in die sich Studierende zurückziehen können. All das verlangt eine Neujustierung der Hochschulstrukturen und kostet Geld – zusätzlich zu dem wichtigen Vertrag aus dem Zukunftsvertrag hinaus."

Die Digitalisierung ist eine Herausforderung, die zunehmend zusätzliche Bereiche neben der reinen Technik betrifft. Wir müssen etwa in unseren Raumstrukturen flexibler sein.

3,8 Milliarden Euro jährlich

Der "Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken" ist seit vergangenem Jahr der Nachfolger des "Hochschulpaktes" und damit die Grundlage der Hochschulfinanzierung. Über diesen Vertrag bekommen die Unis pro Jahr rund 3,8 Milliarden Euro von Bund und Ländern, die sich paritätisch die Kosten teilen. In dem Geld sei die Digitalisierung als ein Faktor zwar eingepreist gewesen, man müsse aber variabler und kreativer werden und sich auch auf veränderte Bedürfnisse der Studierenden einstellen, so HRK-Chef Alt.

Logo MDR 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Und auch durch den Krieg in der Ukraine gebe es zusätzliche Herausforderungen für die Unis. "Wir möchten gern allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die ihre Heimat verlassen mussten, wo sie sich nicht nur wohlfühlen, sondern sich auch ihren Fähigkeiten gemäß weiterentwickeln können. Zugleich haben wir aber auch viele Kooperationen entwickelt mit Hochschulen in der Ukraine. Dort läuft der Betrieb kriegsbedingt online."

Trotzdem gehe es nicht darum, nur noch auf digitale Angebote zu setzen. Ziel sei es, beides anzubieten – Präsenz und digitale Lehre. So habe es bei der HRK-Jahresversammlung in Leipzig auch ein flammendes Plädoyer der Hochschulen für Präsenzveranstaltungen gegeben, so Alt.

Bund sieht Verantwortung bei Ländern

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung lehnt eine Digitalisierungs-Pauschale ab und sieht die Verantwortung für die Digitalausstattung bei den Ländern. Schriftlich teilte das Ministerium MDR AKTUELL mit: "Die Höhe einer Digitalisierungspauschale wäre nicht fundiert zu begründen und eine Überprüfung der zweckgemäßen Verwendung der Mittel in den Hochschulen nicht möglich. Außerdem setzt eine Pauschale keine Anreize für die aus unserer Sicht für eine erfolgreiche Digitalisierung der Hochschullehre notwendigen hochschul- oder bildungsbereichsübergreifenden Kooperationen".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Mai 2022 | 06:00 Uhr

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland

Nachrichten

Anja Maier und Malte Pieper 31 min
Bildrechte: MDR/Isabel Theis/Imago/Ute Mahler/Agentur Ostkreuz
31 min 25.05.2022 | 13:38 Uhr

RB Leipzig hat den DFB-Pokal erstmals in den Osten geholt. Wie nachhaltig ist das? Kann ein Fußballverein eine Region nach oben ziehen? Außerdem: Warum Christian Lindners Stern am Sinken ist.

MDR AKTUELL Mi 25.05.2022 14:00Uhr 30:55 min

Audio herunterladen [MP3 | 28,3 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 56,4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/wahlkreis-ost/rbleipzig-lindner-schroeder-audio-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Luftaufnahme eines Feldes auf dem ein Mähdrescher arbeitet 4 min
Bildrechte: IMAGO / Westend61
4 min 25.05.2022 | 12:50 Uhr

Durch den Ukraine-Krieg sind die Lebensmittelpreise stark gestiegen. Vor allem beim Weizen spürt man das. Wie stark muss die deutsche Landwirtschaft umsteuern?

MDR AKTUELL Mi 25.05.2022 07:24Uhr 03:36 min

Audio herunterladen [MP3 | 3,3 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 6,6 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/hoerer-programm/audio-landwirtschaft-reaktion-weizenknappheit-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio