ifo-Bildungsbarometer Mehrheit sieht Nachholbedarf bei Digitalisierung der Schulen

Schulschließungen waren ein zentrales Mittel im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus, massive Lernzeitverluste die Folge. Wie kann das bei künftigen Schulschließungen vermieden werden? Im ifo-Bildungsbarometer fällt die Beurteilung für die in der Vergangenheit geleistete Corona-Schulpolitik recht negativ aus.

Schülerinnen und Schüler nehmen im Klassenzimmer einer 9. Klasse der Gemeinschaftsschule Leutenbach am Geografieunterricht mit Hilfe von Laptops und Tablets teil.
Wie steht es um die Digitalisierung an deutschen Schulen? Laut ifo-Bildungsbarometer besteht noch immer Nachholbedarf. Bildrechte: dpa

Die Corona-Pandemie hat die Defizite bei der digitalen Ausstattung der Schulen offengelegt. Viele Bildungseinrichtungen waren kaum bis gar nicht auf Online-Unterricht vorbereitet.

Dem aktuellen ifo-Bildungsbarometer zufolge unterstützt eine deutliche Mehrheit von 74 Prozent den Vorschlag, Schulen zu Online-Unterricht zu verpflichten, wenn der Unterricht länger als eine Woche ausfällt. Noch deutlichere Unterstützung gibt es dafür, Lehrkräfte zu Fortbildungen zum Online-Unterricht zu verpflichten. 81 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus.

Großer Förderbedarf sozial benachteiligter Schüler

Zahlreiche Studien haben bereits belegt, dass coronabedingte Schulschließungen die Ungleichheit zwischen verschiedenen Schülergruppen deutlich verschärft haben. Eine Mehrheit der Befragten, etwa 83 Prozent, sprach sich nun dafür aus, Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen eine intensivere Betreuung während der Schulschließungen zukommen zu lassen. Auch Kinder, deren Eltern keine Möglichkeit zum Homeoffice haben, Kinder von Alleinerziehenden oder auch Kinder mit Migrationshintergrund sollten demnach besonders gefördert werden.

Zuspruch für Nachhilfeunterricht

Neben der Präsenzzeit an Schulen hatte sich während der Pandemie auch die Lernzeit der Schüler und Schülerinnen beträchtlich verringert. Besonders Leistungsschwächere verzeichneten große Lerneinbußen. Um die coronabedingten Lernrückstände auszugleichen, stellte das Bundesbildungsministerium eine Milliarde Euro für Nachhilfeprogramme bereit.

Eine Initiative, die nach Angaben des ifo-Bildungsbarometers von 76 Prozent der Deutschen begrüßt wird. Für verpflichtenden Förderunterricht für alle Schulkinder, der beispielsweise am Nachmittag stattfindet, spricht sich eine knappe Mehrheit von 53 Prozent aus. Eine Pflicht zu Ferienkursen während Herbst- oder Sommerferien fänden 45 Prozent gut, wenn sie freiwillig wären, unterstützen sie sogar 65 Prozent.

Digitalisierung bleibt nach der Pandemie wichtig

Digitalen Schulformaten stehen die Deutschen positiv gegenüber. Eine Mehrheit von 77 Prozent sprach sich dafür aus, dass die Schulen auch nach dem Ende der Pandemie weiterhin Computer und Tablets im Unterricht verwenden. Ähnlich groß ist die Zustimmung zu digitalen Lernplattformen sowie zur Bereitstellung von Videomaterial mit Erklärungen durch die Lehrkräfte. Auch Online-Sprechstunden der Lehrkräfte für Eltern oder Schüler und Schülerinnen befürworten mehrheitlich 73 Prozent.

Insgesamt schlechtes Zeugnis für Bildungspolitik

Insgesamt attestieren die Deutschen der Corona-Bildungspolitik ein eher schlechtes Zeugnis. 62 Prozent sind zwar der Meinung, dass die Schulschließungen während der Pandemie richtig waren. Doch 41 Prozent benoten die Schulpolitik während dieser Zeit mit Note 4 oder schlechter, nur 25 Prozent bewerten sie mit Note 1 oder 2.

Das ifo-Bildungsbarometer untersucht seit 2014 jährlich, was die deutsche  Bevölkerung über bildungspolitische Themen denkt. Für die diesjährige Befragung wurden im Mai und Juni 2021 insgesamt mehr als 4.000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt.

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Quelle: ifo, MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. August 2021 | 10:30 Uhr

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