Akademische Titel in der Politik Doktortitel verleiht öffentliches Ansehen

MDR-Volontärin Sarah Bötscher
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Weil er bei einer früheren Doktorarbeit abgeschrieben hatte, verlor Karl-Theodor zu Guttenberg 2011 seinen Titel und sein Amt als Bundesverteidigungsminister. Nun hat der einstige Politiker mit einem neuen Doktortitel nachgelegt. Wie wichtig ist ein Doktortitel in politischen Ämtern und für die berufliche Karriere?

Die Doktorarbeit von Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) liegt auf dem Artikel der Süddeutschen Zeitung, der sich mit seiner Dissertation beschäftigt.
Doktortitel sind auch bei Karrieren außerhalb der Wissenschaft förderlich. Bildrechte: dpa

Am goldenen Klingelschild oder auf der Visitenkarte macht sich der Doktortitel besonders gut. Für viele Menschen eher ein Synonym für Arzt oder Ärztin, ist der Doktor ein akademischer Grad, der in allen möglichen Studienfächern erworben werden kann.

Doktortitel verleiht Expertise

Wenn man dann noch in die Politik gehe, könne der Titel gleich das gesamte Image aufpolieren, sagt Sven Siefken, Politikwissenschaftler an der Universität Halle: "Ich glaube, das Image, das da ganz wichtig ist, ist nach wie vor: Wir wollen lieber Leute haben, die sich gut mit der Sache auskennen, die Experten sind, die rational entscheiden, wissenschaftlich entscheiden."

Das sei in der politischen Kultur in Deutschland ein bedeutsamer Wunsch der breiten Öffentlichkeit. Und der Doktortitel sei etwas, was diesen wissenschaftlichen und akademischen Status dokumentiere, betont Siefken.

Höheres Einkommen mit Doktorgrad

Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers ist das nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft so. Neben dem besseren Image erhöhe der Doktortitel sogar generell die Karrierechancen: "Man kann auf jeden Fall sagen, dass der Doktortitel keine verschwendete Zeit ist, wenn man eine Karriere auch außerhalb der Wissenschaft machen möchte."

In Deutschland führe der Doktortitel statistisch zu einem höheren Einkommen und zu besseren Karrierechancen. Siefken zufolge ist der Titel insofern nach wie vor auch für die berufliche Karriere außerhalb der Wissenschaft eine gute Investition.

Plagiatsvorwürfe treffen häufig Politiker

Trotzdem führt er gerade bei Politikerinnen und Politikern oft zu einer erneuten Prüfung der Doktorarbeit. Und zu Plagiatsvorwürfen. Neben Franziska Giffey, Ursula von der Leyen und Karl-Theodor zu Guttenberg ist die Liste an Politikern, deren Arbeit geprüft wurde, lang.

Dass gerade Guttenberg es jetzt nochmal probiert hat, kann der Plagiatsforscher und Gründer der Plattform VroniPlag Wikis, Martin Heidingsfelder, nicht verstehen: "Sie wissen schon, warum die Züge nach Süden in Innsbruck zwei Minuten länger am Bahnhof anhalten? Damit ein deutscher Jurist mal noch auf die Schnelle promovieren kann."

Heidingsfelder zufolge ist es so mit der Southhampton-University: "Das kommt mir irgendwie komisch vor. Warum muss der Herr zu Guttenberg, der auf Deutsch keine Dissertation hinbringt, jetzt auch noch auf Englisch promovieren?"

Wer keine Lust hat, nach Innsbruck zu fahren, der kann es ja mal beim Online-Shopping probieren. Da gibt es den Doktortitel schon ab 50 Euro. Und kontrolliert wird auch nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2020 | 05:00 Uhr

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