Ermittlungen Neuer Drohbrief des "NSU 2.0" gegen hessische SPD-Chefin

Anfang Mai wurde in Berlin ein Mann festgenommen, der im Verdacht steht, seit 2018 unter dem Synonym "NSU 2.0" Drohschreiben an öffentliche Personen geschickt zu haben. Nun ist ein neuer Drohbrief aufgetaucht. Diesmal an die hessische SPD-Chefin Nancy Faeser.

Nancy Faeser (SPD), Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag, äußert sich gegenüber den Journalisten.
Die hessische SPD-Landeschefin Nancy Faeser. Bildrechte: dpa

Die hessische SPD-Landeschefin Nancy Faeser hat einen mit "NSU 2.0" unterschriebenen Brief erhalten. Das teilte die Politikerin am Sonnabend auf Twitter mit.

Ein Parteisprecher sagte, der Brief habe ein weißes Pulver enthalten. Er sei an Faeser adressiert gewesen und am Freitag im Wahlkreisbüro in Hofheim am Taunus eingegangen. Ein Mitarbeiter habe den Umschlag geöffnet und die Polizei alarmiert.

Substanz war unbedenklich

Nach Angaben des Landeskriminalamtes stellte sich die weiße Substanz als unbedenklich heraus. SPD-Landeschefin Faeser twitterte, ihrem Mitarbeiter gehe es gut. Sie selbst werde sich "niemals einschüchtern lassen und weiter entschlossen gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus kämpfen".

Die SPD-Frau beteiligte sich in den vergangenen Jahren unter anderem am NSU-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags, der die Zusammenarbeit der Bundes- und Länderbehörden in Bezug zum Mord an den Internet-Cafe-Betreiber Halit Yozgat in Kassel untersuchen sollte. Yozgat war 2006 von rechtsextremen Terrorzelle NSU ermordet worden.

Erste Festnahme Anfang Mai

Details zum Inhalt des aktuellen Drohschreibens an Faeser oder den Hintergründen nannte das Landeskriminalamt nicht. Der Staatsschutz ermittelt. Anfang Mai war ein Mann festgenommen worden, der als der mutmaßliche Täter der Serie rechtsextremer Drohschreiben "NSU 2.0" gilt. Empfänger waren überwiegend Personen des öffentlichen Lebens, vor allem aus der Medienwelt und der Politik, darunter auch Abgeordnete des Bundestages und des Hessischen Landtags, in dem auch Faeser sitzt.

Wer in der Vergangenheit betroffen war

Konkret hatten unter anderem die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, die Co-Chefin der Linken, Janine Wissler, und die Kabarettistin Idil Baydar Todesdrohungen gegen sich und ihre Angehörigen erhalten. Im Fall der drei Frauen wurden persönliche Daten von Polizeirechnern abgerufen. Wie das geschehen konnte, ist bis heute nicht aufgeklärt.

Mitte März hatte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) von insgesamt 133 verschickten Drohschreiben berichtet. Dabei würden die Ermittler 115 dieser Schreiben dem Tatkomplex "NSU 2.0" zurechnen. 18 Schreiben seien mutmaßlich von Trittbrettfahrern verfasst und versendet worden. Mit der Unterschrift "NSU 2.0" stellen die Schreiben einen Bezug zur Terrorzelle NSU her.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Mai 2021 | 16:15 Uhr

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