Hörer machen Programm Kritik am eingeschränkten Regelbetrieb in sächsischen Kitas

Jan Kröger, Moderator und Redakteur
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Die Kitas in Sachsen laufen seit dem 15. Februar im sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb. Das bedeutet: Kita-Alltag mit Hygienekonzept. Ein Vater aus Dresden kritisiert die Umsetzung in der Kita seiner Tochter: Dort seien drei Gruppen zusammengelegt worden, sodass jetzt 45 Kinder in einer Gruppe betreut würden, die bei einem Corona-Fall alle in Quarantäne gehen müssten. Gibt es überhaupt eine Vorgabe für die maximale Gruppengröße in Kitas?

Aus Folien geschnittene Kinderhände hängen mit den jeweiligen Namen an der Eingangstür einer Kindergruppe
In einigen sächsischen Kitas werden sehr große Kindergruppen betreut – trotz Hygienekonzept. Bildrechte: dpa

Strikt getrennte Gruppen mit festen Erzieherinnen und Erziehern – dafür können alle Kinder in die Kita kommen und nicht nur die, deren Eltern Anspruch auf Notbetreuung haben. Das ist der Grundgedanke des eingeschränkten Regelbetriebs. Ausgedacht hat sich das Konzept eine Arbeitsgruppe, der auch der Dresdner Kindermediziner Reinhard Berner angehört. Die Zahl 45 lässt ihn zunächst nach Worten suchen: "Ich kann es natürlich im Einzelfall nicht beurteilen, weil ich die Kita nicht kenne." Eine Gruppenstärke von 45 Kindern sei aber eigentlich nicht in dem Sinne, wie es die Arbeitsgruppe vorgeschlagen habe.

Kultusministerium verzichtet bewusst auf eine Obergrenze

Rein rechtlich macht die Dresdner Kita dabei nichts falsch. Das stellt das Sächsische Kultusministerium auf Anfrage klar: "Eine genaue Anzahl von Kindern hat das Sächsische Staatsministerium für Kultus nicht festgelegt." Aber: "Grundsätzlich sollen die Betreuungseinheiten in den Kindertageseinrichtungen möglichst klein und nur so groß wie unbedingt nötig sein."

Ziel bleibe dabei, Kinder und Beschäftigte vor einer Infektion zu schützen und beim Auftreten einer Infektion nur die betroffene Betreuungseinheit zu schließen. Und je größer diese Gruppe sei, umso mehr Kinder und Erzieher müssten dann in Quarantäne. Diesen Grundsatz erläutert das Ministerium auch in seinen Handlungsempfehlungen für den eingeschränkten Regelbetrieb.

Aber warum hat es dabei auf eine feste Obergrenze verzichtet? Kindermediziner Reinhard Berner erklärt es so: "Man wollte es den Einrichtungen auch nicht zu schwer machen, die grundsätzlichen Regeln umzusetzen." Denn für manche Kitas sei es zwar einfach, Gruppen von zehn Kindern zu bilden, bei anderen gehe es aber vielleicht nur mit Zwanziger-Gruppen. "Man hätte vielleicht auch eine Obergrenze einziehen können. Man hat es, glaube ich, bewusst nicht getan, weil man eine gewisse Flexibilität erhalten wollte."

Zu wenig Personal lässt kleinere Gruppen oft nicht zu

Dem Ministerium zufolge geht es dabei um die Bedingungen vor Ort. Wenn sich zum Beispiel zwei Gruppen einen Flur und dieselben Waschräume teilten, ließen sie sich kaum trennen. Und weil feste Erzieher für die Gruppen verlangt seien, müsse auch die Personalsituation stimmen. Darauf beruft sich im Fall der Dresdner Kita auch die Stadt als Trägerin: Ihre Kitas müssten die Betreuung absichern, auch bei personellen Ausfällen. Für die betroffene Familie heißt das: Eine Gruppe von 45 Kindern ist zwar nicht im Sinne der Erfinder, doch lösen lässt sich das Problem nur direkt mit der Kita-Leitung. Fürs Erste betreut die Familie ihre Tochter wieder zu Hause.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. März 2021 | 06:00 Uhr

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