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Englisch als zweite Amtssprache? Vom Beamtenbund bis zum Zuwanderungsrat stößt der FDP-Vorstoß auf Skepsis. (Symbolbild) Bildrechte: mago/bonn-sequenz

EinwanderungsgesellschaftBeamtenbund gegen FDP-Idee zu Englisch als zweite Verwaltungssprache

von MDR AKTUELL

Stand: 05. Juli 2022, 13:29 Uhr

Mehr als 400.000 Menschen pro Jahr müssten nach Deutschland einwandern, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken – so beziffert es die FDP. Um Deutschland als Einwanderungsland attraktiver zu machen, will die Partei Englisch als zweite Verwaltungssprache einführen. Dafür gibt es aber prompt einigen Gegenwind.

Der Deutsche Beamtenbund (dbb) hält eine Einführung von Englisch als zweiter Verwaltungssprache in Behörden für nicht praktikabel. "Wenn es um Verordnungen und Gesetze geht, gilt hierzulande schon aus Gründen der Rechtssicherheit die Amtssprache, und die ist Deutsch", sagte dbb-Sprecherin Britta Ibald dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Damit reagierte sie auf einen FDP-Vorstoß.

Künftig auch auf Englisch zu kommunizieren, führe zu Mehraufwand, sagte Ibald. Die Anforderungen an die erforderlichen Fremdsprachenkenntnisse seien etwa je nach Fachrichtung und Region sehr unterschiedlich. Allerdings werde schon heute bei der Personalgewinnung im öffentlichen Dienst auf interkulturelle Kompetenz und bei Bedarf auf Mehrsprachigkeit gesetzt.

Vielmehr besteht die Gefahr, dass hier ein erhebliches Mehr an bürokratischem Aufwand geschaffen wird.

Britta Ibald | Sprecherin des Deutschen Beamtenbundes

Grundsätzlich begrüße der Beamtenbund zudem, "wenn die Regierungsparteien die Notwendigkeit erkennen, endlich mehr in die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten sowie die Digitalisierung der Verwaltung zu investieren", betonte Ibald. Als Beispiele nannte sie Übersetzungshilfen und -programme.

Zuwanderungsrat: Gute Absicht, aber nicht zu Ende gedacht

Auch der Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat sieht den FDP-Vorschlag skeptisch. Vorsitzender Memet Kılıç sagte MDR AKTUELL, er erkenne die gute Absicht, der Vorschlag sei aber nicht zu Ende gedacht.

Memet Kılıç, Vorsitzender des Bundeszuwanderungsrates Bildrechte: dpa

Mit Englisch als zweiter Amtssprache müssten alle Justizangehörige gerichtsfest Englisch können. Stattdessen solle allen ermöglicht werden, auf Deutsch zu kommunizieren – etwa auch durch digitale Dolmetsch-Zentren. Für die Menschen sei wichtiger, wie die Behörden mit ihnen umgingen, nicht welche Sprache die Beschäftigten sprechen.

Ähnlich äußerte sich der Städte- und Gemeindebund. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte dem RND, die Umsetzung würde Jahre dauern und zu zusätzlicher Bürokratie führen. Das Vorhaben "würde uns dem Ziel, eine bessere Willkommens- und Ankommenskultur zu etablieren, nicht näherbringen".

FDP will grundsätzliche Neuausrichtung der Einwanderungspolitik

Das FDP-Präsidium hatte am Montag ein Zehn-Punkte-Programm zur Erleichterung der Fachkräfte-Zuwanderung verabschiedet. Englisch als zusätzliche Verwaltungssprache ist eine Forderung davon. Bundesbildungsministerin und FDP-Präsidiumsmitglied Bettina Stark-Watzinger erklärte dazu, mangelnde Deutschkenntnisse seien "eine ganz große Hürde" bei der Anwerbung dringend benötigter Fachkräfte.

Bettina Stark-Watzinger, Bundesbildungsministerin Bildrechte: dpa

In der Einwanderungspolitik soll es dem FDP-Positionspapier zufolge eine grundsätzliche Neuausrichtung geben: "Deutschland befindet sich als Einwanderungsland in einem globalen Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte, die wir angesichts unserer demographischen Entwicklung und zur Sicherung unseres Wohlstands – gerade auch mit Blick auf die Stabilität unserer Sozialsysteme, insbesondere der Rente – dringend brauchen", heißt es in dem Papier.

Nach Angaben der Partei besteht ein Zuwanderungsbedarf in den deutschen Arbeitsmarkt von jährlich mehr als 400.000 Menschen, mit steigender Tendenz. Um das zu erreichen, will die FDP eine "besondere Priorität" darauf setzen, Hürden bei der Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse abzubauen. Auch sollen Visaverfahren beschleunigt und stärker digitalisiert werden. Ein laufendes Asylverfahren soll Menschen nicht mehr im Weg stehen, wenn sie eine Arbeit aufnehmen wollen.

MDR, dpa, AFP (rnm)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 04. Juli 2022 | 18:45 Uhr

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