Erstes Quartal 2022 Zahl der Erwerbstätigen erstmals höher als vor Pandemie

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ist wieder auf dem Niveau von vor der Coronavirus-Pandemie – und hat es sogar übertroffen. Im Vergleich zum Schlussquartal 2019 sind 0,5 Prozent mehr Menschen in Deutschland beschäftigt. Im Vorjahresvergleich wurde zuletzt 2007 ein vergleichbarer Anstieg festgestellt. Der Anstieg ist vor allem dem Dienstleistungsgewerbe zu verdanken und sollte sich fortsetzen.

Ein Kellner mit Maske trägt ein Tablett mit Getränke
Das Statistische Bundesamt meldet Beschäftigtenzahlen auf Rekordniveau. Bildrechte: imago images/Ralph Peters

In Deutschland gehen mehr Menschen einer Beschäftigung nach als noch vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Rund 45,1 Millionen Menschen waren im ersten Quartal dieses Jahres in Deutschland erwerbstätig. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit hat die Erwerbstätigenzahl erstmals überhaupt das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Im Vergleich zum letzten Quartal vor Pandemieausbruch 2019 waren 43.000 Personen mehr berufstätig. Saisonbereinigt stieg die Zahl um 0,1 Prozent an.

Vorjahresvergleich zeigt stärksten Anstieg seit 2007

Vergleicht man die Zahl mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum, stellt das Statistische Bundesamt einen Anstieg um 1,5 Prozent fest. So stark ist die Zahl der Erwerbstätigen seit 2007 nicht mehr angestiegen. Im 2. Quartal 2007 gab es im Vorjahresvergleich einen Anstieg um 1,8 Prozent. Den Anstieg damals führte man auf die sogenannten Hartz-Reformen zurück.

Noch stärker als im 1. Quartal 2022 war die Erwerbstätigkeit im Vorjahresvergleich zuletzt im 2. Quartal 2007 gestiegen.

Statisches Bundesamt

Die positive Entwicklung lässt sich auf die pandemiebedingten Maßnahmen zurückführen, die 2020 für einen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt sorgten. Über diesen Effekt hinaus sei aber seit dem Sommer 2021 ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen, so das Statistische Bundesamt.

Aufwärtstrend sollte weitergehen

Der Aufwärtstrend dürfte sich ungeachtet der erhöhten konjunkturellen Unsicherheit aufgrund des russischen Einmarsches in der Ukraine fortsetzen. Aktuell gibt es laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 1,74 Millionen offene Stellen und damit so viele wie nie zuvor. Der Krieg und die damit verbundenen Lieferengpässe könnten die wirtschaftliche Entwicklung aber dämpfen.

Thomas Postleb, Leiter der Migrationsagentur Burgenlandkreis 1 min
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Thomas Postleb, Leiter der Migrationsagentur Burgenlandkreis, spricht über Schwierigkeiten bei der Arbeitsmarkt-Integration von Geflüchteten.

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Zum Anstieg der Beschäftigten im ersten Quartal 2022 trugen überwiegend die Dienstleistungsbereiche bei, die besonders unter den Corona-Auflagen litten. Die größten absoluten Beschäftigungsgewinne hatte die Branchen-Gruppe Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit 2,0 Prozent, gefolgt vom Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe (plus 2,0 Prozent). Bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern setzte sich hingegen der bereits seit Jahren bestehende Abwärtstrend mit einem Verlust von 0,5 Prozent fort.

Unsicherheiten bei der Schätzung

Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass sowohl die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie als auch der Zustrom von Geflüchteten aus der Ukraine zu einer erhöhten Unsicherheit bei der Schätzung der Erwerbstätigenzahlen führen. Die massiv gestiegene und mittlerweile wieder gesunkene Kurzarbeit wirke sich dabei allerdings nicht auf die Zahlen aus, da Kurzarbeitende nach der Erwerbstätigenrechnung unverändert als Erwerbstätige zählen.

Reuters,KNA(aln)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Mai 2022 | 09:15 Uhr

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