Wegen Taliban-Vormarsch Evakuierung von Deutschen noch am Sonntag

Kabul steht kurz vor dem Fall in die Hände der Taliban. Noch am Sonntag sollen deshalb die ersten Angehörigen der deutschen Botschaft ausgeflogen werden. Es wartet bereits am Flughafen der afghanischen Hauptstadt. Fallschirmjäger der Bundeswehr sollen die Evakuierung absichern. Unklar ist, ob der Bundestag der Mission zustimmen muss.

Transportflugzeuge vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe
Die Evakuierung von deutschen Staatsangehörigen aus Kabul soll noch am Sonntag beginnen. In der Nacht soll zudem Transportflugzeuge vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe nach Kabul fliegen. Bildrechte: dpa

Die ersten Angehörigen der deutschen Botschaft sollen noch am Sonntag aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen werden. Das teilte Außenminister Heiko Maas am Abend mit.

Ausreise von Deutschen und Ortskräften ermöglichen

Seinen Angaben zufolge sollen in der Nacht Flugzeuge der Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt starten. In den nächsten Tagen könnten so weiteres Botschaftspersonal in ein Nachbarland gebracht werden. Für den anschließenden Transport von da nach Deutschland würden auch zivile Flugzeuge bereitgestellt.

In Kabul soll nur ein Kernteam der Botschaft am militärisch gesicherten Flughafen verbleiben. Es soll die Arbeitsfähigkeit der Botschaft erhalten und die weiteren Evakuierungsmaßnahmen begleiten.

Maas sagte, die Bundesregierung setze jetzt alles daran, den deutschen Staatsangehörigen und den ehemaligen Ortskräften der Bundeswehr eine Ausreise in den kommenden Tagen zu ermöglichen. Die Umstände, unter denen das stattfinden kann, sind aber derzeit schwer vorherzusehen. Am Sonntag waren die Taliban bis in Vororte von Kabul vorgerückt.

Botschaft geschlossen – Personal am Flughafen

Die Deutsche Botschaft ist am 08.06.2013 in Kabul in Afghanistan zu sehen.
Die deutsche Botschaft in Kabul ist geschlossen. Bildrechte: dpa

Maas hatte zuvor mitgeteilt, dass die deutsche Botschaft in Kabul geschlossen und das Personal zum militärisch gesicherten Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt wurde. Dieser wird von 3.000 US-Soldaten gesichert. Der zivile Teil ist geschlossen. US-Hubschrauber pendeln zur amerikanischen Botschaft und bringen Menschen in Sicherheit. Das Auswärte Amt erklärte, die Sicherheitslage habe sich mit dem Vordringen der Taliban auf Kabul drastisch verschlechtert. In den aktualisierten Reisewarnungen werden Deutsche aufgefordert, Afghanistan zu verlassen.

Bundeswehr soll Abzug absichern

Der Abzug der Deutschen und der verbündeten afghanischen Ortskräfte soll von der Bundeswehr abgesichert werden. Das hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Samstag mitgeteilt.

Unklar ist, ob der Bundestag dem Einsatz zustimmen muss. Kramp-Karrenbauer hatte erklärt, dass es ein Bundestagsmandat geben wird. Das könnte der Bundestag auch nach erfolgtem Einsatz beschließen.

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann erklärte dagegen, dass ein solcher Evakuierungseinsatz auch ohne neues Mandat möglich sei. Das aktuelle Mandat für die "Mission Resolute Support" beinhalte auch den Schutz und die Evakuierung diplomatischer und konsularischer Vertretungen Der Bundestag hatte im Frühjahr dieses Mandat bis Ende Januar 2022 verlängert.

Quelle: dpa, Reuters, afp, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. August 2021 | 15:00 Uhr

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