Tempolimit Faktencheck: Tempolimit würde viel CO2 einsparen

In der Klima-Debatte steht schon seit Jahren die Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen im Raum. Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union, hat sich in einem Interview gegen so ein Limit ausgesprochen. Als Argument nennt er die Durchschnittsgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen. Die liege bei 117 km/h und damit unter der diskutierten Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h. Der Faktencheck:

Eine Autobahn, mit Autos und freier Fahrt in beide Richtungen
Die CO2-Emissionen steigen überproportional zur Geschwindigkeit. Bildrechte: Colourbox.de

Auf vielen Strecken in Deutschland haben Autos freie Fahrt, ganz ohne Tempolimit. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Autofahrer sein Auto zu Höchstleistungen treibt. Das zeige eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen, erklärt Alexandra Kruse, Pressesprecherin bei ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt.

Für die Studie sei die durchschnittliche Geschwindigkeit an unterschiedlichen Stellen gemessen worden: "Wenn zum Beispiel ein Tempo von 130 km/h erlaubt war, lag die durchschnittliche Geschwindigkeit bei 118,3 Stundenkilometern. Gab es kein Tempolimit, war der Mittelwert 124,7 km/h."

Durchschnittstempo wenig aussagekräftig

Bundesweit lag die durchschnittliche Geschwindigkeit bei rund 117 km/h. Martin Lange, Leiter des Fachgebiets Schadstoffminderung und Energieeinsparung im Verkehr am Umweltbundesamt zufolge, spielt die Durchschnittsgeschwindigkeit für den CO2-Ausstoß allerdings nur eine untergeordnete Rolle: "Selbst wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 117 km/h liegt, gibt es einige Fahrzeuge, die langsamer fahren und einige, die sehr viel schneller fahren."

Kraftstoffverbrauch steigt überproportional

Wie eine Analyse des Umweltbundesamtes zeigt, wird ohne Tempolimit durchschnittlich schneller gefahren. Demnach fuhren 58 Prozent aller Fahrzeuge über 120 km/h und acht Prozent über 160 km/h, wenn es kein Tempolimit gab. Das scheint nicht besonders viel zu sein. Martin Lange gibt zu bedenken:

Durch Fahrt- und Luftwiderstand sowie die Betriebspunkte steigt der Kraftstoffverbrauch überproportional zur Geschwindigkeit an.

Martin Lange Umweltbundesamt

Martin Lange: "Die Fahrwiderstände und der Luftwiderstand und die Betriebspunkte beim Fahrzeug sorgen in der Summe dafür, dass, je schneller man fährt, der Kraftstoffverbrauch überproportional ansteigt."

Je höher das Tempo, desto höher der Kraftstoffverbrauch und desto höher die CO2-Emissionen. Es sind also die Schnellfahrer, die die Emissionen in die Höhe treiben. Würde auf Strecken ohne Tempolimit nun aber 130 km/h gelten, könnte nach Berechnungen des Umweltbundesamt der CO2-Ausstoß um 2,2 Millionen Tonnen im Jahr gesenkt werden. Selbst, wenn einige Fahrer das Tempolimit leicht überschritten.

Langsamere Autos können leichter gebaut werden

Laut Udo Becker, Professor für Verkehrsökologie an der TU Dresden, würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung noch weitere Einsparungen mit sich bringen: "Wenn ich weiß, ich darf eh nicht mehr über 140 km/h, kann ich mein Auto leichter bauen. Und leichter bauen heißt, ich spare sogar auf jeder anderen Fahrt Benzin und Diesel."

Dieser Wahnsinn, Autos an Höchstgeschwindigkeiten auszurichten, kostet uns sehr viel CO2.

Udo Becker Professor für Verkehrsökologie, TU Dresden

Udo Becker hat eine eindeutige Meinung dazu: "Denn dieser Wahnsinn, Autos nach Höchstgeschwindigkeiten zu planen und zu bauen, kostet uns sehr viel CO2."

Für den Verkehrsökologen Udo Becker ist das Argument von Armin Laschet also eine reine Nebelbombe. Denn erstens sage die Durchschnittsgeschwindigkeit nichts darüber aus, welches Tempo tatsächlich auf den Autobahnen gefahren werde. Und zweitens solle das Tempolimit ja vor allem die Schnellfahrer bremsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 09. Juli 2021 | 06:27 Uhr

213 Kommentare

ElBuffo vor 14 Wochen

Und dem kann man nur dadurch begegnen, dass man so schnell fährt, dass das Gehirn immer mehr Informationen ausblendet? Bei 200 ist es weniger monoton? Wer mit dem Geschehen auf einer wenig frequentierten Autobahn bei 130 nicht zurecht kommt, sollte sich vielleicht zunächst ärztliche Hilfe suchen. Was schlagen denn die Studien als Lösung vor?

RIN67630 vor 14 Wochen

Schreckenberg is der Prof Raoult der Verkehrswissenschaft. er steht mehr vor den Kameras, als er forscht und hat grundsätzlich schon alles gesagt und das Gegenteil davon.
Monotone Fahrsituationen entstehen unabhängig der Geschwindigkeit vor allem nachts. Assistenzsysteme sind wichtig, um ein nachlassender Konzentration zu erkennen dann heißt das allerdings herausfahren und sich erholen und keinesfalls schneller zu fahren, um seinen vermeintlichen Adrenalinspiegel hochzuhalten.

Normalbuerger vor 14 Wochen

Warum sollen wir uns immer nach anderen Ländern richten ? Wir brauchen kein Tempolimit, weil es absoluter Schwachsinn ist . Außerdem haben wir ja das faktisch schon , es gibt ja kaum noch freigegebene Strecken ! Ich hab die Schnauze gestrichen voll von diesem grünen CO2 Geschwafel weil man mal 3 Minuten 200 fährt, einfach nur noch lächerlich.... Mich würde mal brennend interessieren, wir Robert Habeck ständig von Norddeutschland ( da wohnt er glaube ich ) nach Berlin fährt..... wahrscheinlich mit dem Fahrrad. Diese Doppelmoral ist nicht mehr zu ertragen..

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