Fragen und Antworten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Impfkampagne gegen das Coronavirus: Wo und wann kann ich geimpft werden? Wie kommt die Impfkampagne voran? Wie komme ich an einen Impftermin in Sachsen, in Sachsen-Anhalt, in Thüringen? Antworten auf diese Fragen und aktuelle Zahlen und Fakten gibt es in unserem FAQ:

Im Landkreis Harz in einer Senioren Pflegeeinrichtung in Halberstadt (Seniorenzentrum Krüger) wurden die ersten Bewohner sowie das Pflegepersonal geimpft.
Seit Ende 2020 wird in Deutschland gegen das neuartige Coronavirus geimpft. Drei Corona-Impfstoffe sind zugelassen. Bildrechte: dpa
Die Grafik einer Mitteldeutschland-Karte mit eingeziechneten Hauptstädten und über die Bundesländer verteilten Punkten. Darunter der Schriftzug: "Ein Impfzentrum pro Landkreis und kreisfreier Stadt." 1 min
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Wie das Coronavirus mutiert 1 min
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Wie viele Menschen haben bisher Corona-Impfungen erhalten?

Die Impfkampagne in Deutschland hat am 27. Dezember 2020 offiziell begonnen. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Impfstoffen können seitdem mehr und mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht regelmäßig neue Daten zu den bereits erfolgten Impfungen. Den aktuellen Stand aller Erst- und Zweitgeimpften in Deutschland finden Sie in der folgenden Grafik:

Wo kann ich mich impfen lassen?

Gegen das Coronavirus kann man sich in Impfzentren, beim Hausarzt oder gegebenenfalls beim Betriebsarzt impfen lassen. Außerdem gibt es mittlerweile viele Angebote mobiler Impfteams bei Veranstaltungen. Eine Übersicht über die Impfzentren in Mitteldeutschland finden Sie unterhalb der nächsten Frage. Für die Möglichkeit der Impfung beim Hausarzt kontaktieren Sie bitte den Allgemeinmediziner Ihrer Wahl, für Impfungen beim Betriebsarzt Ihren Arbeitgeber. Für Impfaktionen bei Veranstaltungen werben die Verantwortlichen in der Regel in den lokalen Medien und in sozialen Netzwerken.

Wo gibt es Impfzentren in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

In Sachsen sind Impfzentren in jedem der zehn Landkreise sowie in den drei kreisfreien Städten zu finden. Mit dem Betrieb wurde das Deutsche Rote Kreuz (DRK) beauftragt. Impfwillige können das Impfzentrum selbst wählen. Mittlerweile braucht man keinen Termin mehr für den Besuch in sächsischen Impfzentren.

In Thüringen gibt es vier überregionale Impfzentren und zahlreiche Impfstellen. In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt gibt es mindestens eine Impfstelle. In Thüringen organisiert die Kassenärztliche Vereinigung die Impfzentren.

In Sachsen-Anhalt haben alle die Landkreise und drei kreisfreien Städte Impfzentren aufgebaut.

Wie bekomme ich einen Termin in einem Impfzentrum in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

In Sachsen braucht man keinen Termin für einen Besuch im Impfzentrum mehr. Um einen zügigen Ablauf zu gewährleisten, empfiehlt sich aber die Buchung eines Termin, entweder online unter sachsen.impfterminvergabe.de oder via Telefon-Hotline (0800 0899098).

In Sachsen-Anhalt werden Termine über die zentrale Internetseite impfterminservice.de oder die zentrale Telefonnummer (116 117) vergeben.

In Thüringen können Impftermine online vereinbart werden. Dazu wurde das Portal impfen-thueringen.de freigeschaltet. Außerdem ist eine Terminvergabe auch telefonisch unter der Hotline (03643 4950490) möglich.

Alle drei Bundesländer machen inzwischen auch Impfaktionen vor Ort.

Ist eine Corona-Impfung freiwillig?

Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig. Allerdings gelten für Geimpfte zum Teil Privilegien (verkürzte oder keine Quarantäne, keine Testpflicht, freieres Reisen), die Nicht-Geimpfte nicht haben, siehe oben.

Gibt es eine Reihenfolge für die Impfungen und bin ich schon dran?

Die bis Juni geltende Impfreihenfolge wurde mittlerweile aufgehoben, jeder kann sich nun impfen lassen. Bis Juni galt eine Impfpriorisierung, die durch das Bundesgesundheitsministerium in der Impfverordnung festgelegt wurde und die immer wieder an die Verfügbarkeit der Impfstoffe angepasst wurde. Sie unterteilte die Menschen, die zuerst geimpft werden können, in drei Gruppen: höchste, hohe und erhöhte Priorität.

Diese Priorisierungsgruppen gab es

Zur Impfverordnung in ihrer derzeit geltenden Fassung (Quelle: Bundesgesundheitsministerium)

Höchste Priorität haben Menschen ab 80 Jahre sowie all jene, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen betreut werden oder tätig sind. Zur ersten Gruppe gehört zudem, wer auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet.

Zur Gruppe mit hoher Priorität zählen alle ab 70 Jahren sowie Menschen mit einem sehr hohen oder hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Dazu gehören Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Nach einer Änderung der Coronavirus-Impfverordnung vom 24.2. können Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und in Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen tätig sind, nun ebenfalls mit hoher Priorität geimpft werden. 

Zudem gehören Betreuer geistig oder psychisch behinderter Menschen sowie Ärzte und Personal mit regelmäßigem unmittelbaren Patientenkontakt in diese Gruppe. Auch bei Polizei- und Ordnungskräften, die etwa wegen des Einsatzes bei Demonstrationen einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, besteht ein Impf-Anspruch mit hoher Priorität - sowie für Soldaten im Auslandseinsatz.

Zur dritten Gruppe mit erhöhter Priorität gehören alle Menschen ab 60, stark Übergewichtige mit einem Body-Mass-Index über 30, Menschen mit chronischer Nieren- oder Lebererkrankung, Patienten mit Immundefizienz und HIV-Infizierte, sowie Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Erfasst sind außerdem Krebs- und Asthmakranke sowie Menschen mit Autoimmun- oder rheumatischen Erkrankungen.

Zur Gruppe mit erhöhter Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.

Können Kinder und Jugendliche geimpft werden?

Seit der der Aufhebung der Impfpriorisierung können sich auch Kinder und Jugendliche gegen das Coronavirus impfen lassen. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist seit Mai von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen (wie die Zulassung für Erwachsene ebenso in Form einer "bedingten" Zulassung). Anfang August 2021 entschieden die Gesundheitsminister von Bund und Ländern, allen Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren ein Impfangebot zu machen. Die Impfung ist freiwillig, Voraussetzung für die Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist eine entsprechende ärztliche Aufklärung sowie die Zustimmung der Eltern oder anderer Sorgeberechtigter.

Kinderärzte, Virologen und auch die Ständige Impfkommission (Stiko) sehen offene Fragen bei der Impfung von Kindern. Die Ständige Impfkommission wollte bislang keine Empfehlung zur Impfung von Kindern gegen Covid-19 aussprechen. Die Sächsische Impfkommission (SIKO) hatte im Gegensatz dazu Ende Juli eine Empfehlung gegeben. Die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen betonten, dass die Impfung freiwillig bleiben und nicht an den Schulbesuch gekoppelt werden solle.

Welche Rechte haben Geimpfte?

Der Bundestag hat Erleichterungen für Geimpfte und Genesene beschlossen. Wenn in Kreisen oder Städten wegen höherer Inzidenz Corona-Maßnahmen verschärft werden, gelten diese für Geimpfte nur noch in begrenztem Maße. Für Geimpfte entfällt häufig die Testpflicht. Sind Geimpfte bei Ansteckungen in ihrem Umfeld Kontaktperson, kann für sie die Quarantäne entfallen, das regeln die Bundesländer aber unterschiedlich. Wenn Personen etwa aus einem Virusvariantengebiet oder einem Hochrisikogebiet nach Deutschland einreisen, besteht Quarantänepflicht, sie kann vorzeitig beendet werden, wenn ein Impfnachweis oder Genesenenachweise über das Einreiseportal www.einreseanmeldung.de übermittelt wird. Zugleich müssen auch geimpfte Personen bei der Einreise aus einem Virusvariantengebiet einen negativen Covid-19-Test vorlegen. Das Tragen einer Maske an bestimmten Orten sowie die Abstands- und Hygieneregeln gelten aber weiterhin auch für Geimpfte und Genesene.

Als geimpfte Person gilt man 14 Tage nachdem man vollständig geimpft wurde. Das tritt in der Regel nach der zweiten Impfung ein, beim Impfstoff von Johnson & Johnson reicht eine.

Wie kann ich die Impfung nachweisen?

Die Impfung gegen das Coronavirus kann zum einen mit dem Vorzeigen des Impfpasses bzw. des ausgedruckten Impfnachweises bestätigt werden. Der in der DDR ausgestellte rote Impfausweis ist dabei nur noch innerhalb Deutschlands anerkannt. Für Reisen ins Ausland empfiehlt es sich, den gelben internationalen Impfausweis mit sich zu führen. Die Impfungen aus dem roten Impfausweis kann man sich beim Hausarzt in einen gelben Impfausweis überführen lassen.

Zum anderen gibt es seit Mitte Juni den digitalen Impfnachweis. Dafür wird nach der letzten Impfung ein QR-Code generiert, der von entsprechenden Apps – entweder der Corona-Warn-App oder der CovPass-App – verarbeitet werden kann. Die Apps geben den Impfstatus dann aus. Wer den QR-Code nicht direkt nach der Impfung erhalten hat, kann ihn sich nach Vorlage des Impfausweises in Apotheken erstellen lassen.

Wann werde ich eine Auffrischung beziehungsweise Booster-Impfung bekommen?

Anfang August beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Länder auch eine Auffrischimpfung für Hochbetagte, Risikopatienten und Pflegebedürftige. Die Aktion soll ab September beginnen, mindestens sechs Monate sollen nach dem vollständigen Impfschutz vergangen sein. Auch Krankenhäuser beginnen bei ihrem Personal mit Auffrischimpfungen. Dass eine Booster-Impfung vonnöten sein wird, darüber sind sich Experten einig. Unklar ist nur der Zeitpunkt, ab dem diese Nachimpfungen durchgeführt werden sollen. Dazu gibt es bislang keine eindeutige Datenlage.

Aufseiten der Forschung beziehungsweise der Pharmaunternehmen hält man sich zum Thema bedeckt. Bei der Jahreshauptversammlung des Herstellers Biontech im Juni sagte dessen Vorstandschef Ugur Sahin: "Ich gehe davon aus, dass eine dritte Impfung für die Auffrischung der Immunität von einem hohen Wert sein könnte." Es sei zu beobachten, dass die Immunität von Geimpften mit der Zeit nachlasse und neue Varianten entstünden. "Allerdings wissen wir noch nicht, wann und wie oft eine Auffrischimpfung erforderlich sein wird."

Biontech forscht bereits an einer neuen Generation seines Corona-Impfstoffs. Studien zu dem bereits an Virusvarianten angepassten Impfstoff-Kandidaten sind bereits fortgeschritten und sollen laut den US-Medizinbehörden im November abgeschlossen sein. Das neue Serum ist bereits Teil eines großen Vertrages, den die EU vor allem auch zur Abdeckung von Auffrischungsimpfungen mit Biontech abgeschlossen hat: Bis zu 1,8 Milliarden Dosen Impfstoff sollen demnach bis ins Jahr 2023 hinein geliefert werden.

Welche Impfstoffe gegen das Coronavirus sind zugelassen?

Bislang sind vier Corona-Impfstoffe in der EU zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA gab am 21. Dezember zunächst grünes Licht für den Impfstoff von Biontech und Pfizer. Die formelle Zulassung durch die EU-Kommission erfolgte kurz danach. In den USA und Großbritannien war das Serum im Rahmen von Notzulassungen zu diesem Zeitpunkt bereits genutzt worden. Seit Januar ist außerdem der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Moderna zugelassen. Beide mRNA-Impfstoffe (siehe nachfolgende Frage) haben eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent.

Ebenfalls im Januar wurde der Impfstoff zugelassen, der von der Universität Oxford und dem Pharmahersteller Astrazeneca entwickelt worden ist. Seit März gibt es auch eine Zulassung für das Vakzin des US-Herstellers Johnson & Johnson. Es ist der erste Impfstoff, bei dem nur eine Dosis verabreicht werden muss. Er wurde Ende April in Deutschlands erstmals verimpft.

Die bisherigen Zulassungen für Corona-Impfstoffe sind "bedingte" Zulassungen. Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte können derartige Zulassungen erteilt werden, "wenn hinreichende Erkenntnisse über ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis der Therapien vorliegen". Da die Impfstoffe kurzfristig entwickelt worden sind, müssen die Hersteller weitere Studiendaten und Nachweise zu Wirksamkeit und Verträglichkeit ihrer Präparate einreichen. Dies regelt das Verfahren der "bedingten" Zulassung. Abzugrenzen ist diese Art der Zulassung von der "Notfallzulassung", die keinen geregelten EU-Standards unterliegt und über die jedes Land für sich entscheiden kann.

Was ist ein mRNA-Impfstoff?

Bei dem in Deutschland am meisten eingesetzten Impfstoff von Biontech/Pfizer handelt es sich um einen sogenannten mRNA-Impfstoff. Auch das Vakzin von Moderna ist ein solches. Diese Präparate basieren auf einer neuen Technologie. Der grundlegende Unterschied ist, dass diese Impfstoffe keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren enthalten, sondern lediglich eine Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Die Anleitung wird in Form eines sogenannten mRNA-Moleküls in den Körper geimpft, wo dann die menschlichen Zellen selbst ein Eiweiß herstellen, das auch das Virus in sich trägt. Dieses Eiweiß regt das menschliche Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen an.

Es kursieren Gerüchte, dass mRNA-Impfstoffe das Erbgut verändern könnten. Fachleute widersprechen dem: "Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich", stellt etwa das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut fest.

Mit Blick auf die Sicherheit der mRNA-Impfstoffe ist ein weiterer Punkt wichtig: Die Technologie wurde nicht erst im Zuge der Corona-Pandemie entwickelt. Einige Erfahrungen damit liegen bereits vor. Das Prinzip stammt aus der immunologischen und infektiologischen Grundlagen- und aus der Krebsforschung. Ziel dabei ist es, den Körper zu einem Angriff auf Tumorzellen zu befähigen. Auch in diesem Bereich laufen bereits klinische Studien.

Was gibt es für Nebenwirkungen und Impfreaktionen bei den mRNA-Impfstoffen?

Viele Menschen reagieren nach einer Corona-Impfung mit grippeähnlichen Symptomen, Niedergeschlagenheit oder Kopfschmerzen. Auch Muskelbeschwerden und Schmerzen an der Einstichstelle können auftreten. Viele Menschen reagieren nach der zweiten Impfung stärker als nach der ersten, manche auch gar nicht.

In Großbritannien reagierten Menschen, die bereits zuvor durch Allergien anaphylaktische Schocks erlitten hatten, auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer mit allergischen Reaktionen. Die Ursache war noch nicht abschließend geklärt. Ende Mai 2021 wurde zudem bekannt, dass vornehmlich junge Männer nach der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer beziehungsweise Moderna einem erhöhten Risiko für Herzmuskelentzündungen ausgesetzt sind. Diese mögliche Nebenwirkung tritt jedoch nur in äußerst seltenen Fällen auf und wurde erst sichtbar, als weltweit schon viele Millionen Menschen mit den Vakzinen geimpft worden waren.

Was gibt es für Nebenwirkungen und Impfreaktionen bei den Vektor-Impfstoffen?

Der Hersteller Astrazeneca hatte im Vorfeld Fieber als relativ häufig vorkommende, aber mild verlaufende und schnell vorübergehende Impfreaktion seines Vakzins angegeben. Als weitere Nebenwirkungen werden vorübergehende lokale und systemische Reaktionen wie Schmerzen und Empfindlichkeit an der Injektionsstelle, leichte bis mäßige Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost, Fieber, Unwohlsein und Muskelschmerzen genannt. Wegen heftiger Impfreaktionen bei relativ vielen Geimpften war die Impfung mit Astrazeneca in Teilen Schwedens Mitte Februar sogar kurz ausgesetzt worden. Der konkrete Grund war, dass viele Geimpfte aus medizinischen Berufen sich wegen der Impfreaktion für einen Tag krankmelden mussten.

Wegen des sehr seltenen Auftretens von Hirnvenenthrombosen (siehe nachfolgende Frage) im zeitlichen Zusammenhang mit der Gabe des Astrazeneca-Impfstoffs ist die Impfung für unter 60-Jährige mit diesem Impfstoff in Deutschland ausgesetzt worden. Einen ähnlichen Zusammenhang gibt es auch beim Impfstoff von Johnson & Johnson.

Welche Probleme gab es mit dem Astrazeneca-Impfstoff?

Anfangs wurde der Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca in Deutschland vorsorglich nur für Menschen unter 65 Jahre zugelassen. Grund dafür war laut der Ständigen Impfkommission (Stiko), dass in Studien zur Wirksamkeit nur wenige alte Menschen eingeschlossen waren. Mit Verbesserung der Studienlage passte die Stiko ihre Empfehlung an und empfahl den Impfstoff auch für Menschen über 65 Jahre.

Mitte März 2021 stoppte das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) jedoch alle Impfungen in Deutschland mit dem Präparat von Astrazeneca. Hintergrund war eine Häufung von Thrombosen und Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung. Zuvor hatten bereits andere europäische Länder wie Dänemark, die Niederlande, Irland oder Norwegen die Impfungen mit Astrazeneca gestoppt. Nach einer Überprüfung durch die europäische Arzneimittelagentur EMA wurde Astrazeneca dann wieder freigegeben – die EMA bewertete den Impfstoff ebenso wie die WHO als sicher. Trotzdem sollten die Nebenwirkungen weiter beobachtet werden.

Dann die erneute Kehrtwende: Nachdem bekannt wurde, dass es weitere Fälle von Hirnvenenthrombosen bei Geimpften unter 60 Jahren gegeben hatte, stellten Ende März zunächst mehrere Unikliniken in Deutschland die Impfungen mit Astrazeneca ein. Am Abend des 30. März beschlossen Kanzlerin Merkel, Gesundheitsminister Spahn und die Gesundheitsminister der Länder, Astrazeneca nur noch für über 60-Jährige zu empfehlen. In dieser Altersgruppe waren keine Häufungen von Thrombosen oder Blutgerinnseln beobachtet worden.

Welche Probleme gibt es mit Impfstoff von Johnson & Johnson?

Der Impfstoff kann ähnlich wie das Präparat von Astrazeneca in sehr seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen haben. Aus diesem Grund entschied die Ständige Impfkommission (Stiko) am 10. Mai, den Impfstoff ähnlich wie den von Astrazeneca grundsätzlich nur für über 60-Jährige zu empfehlen. Anfang August 2021 erklärte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA, in den Produktinformationen solle ergänzt werden, dass das Vakzin in seltenen Fällen zur Immunerkrankung Immunthrombozytopenie ITP sowie zu Schwindelt und Tinnitus führen kann. Der Nutzen des Impfstoffs überwiege aber weiterhin die Risiken, hieß es von der EMA.

Welche weiteren Impfstoffe stehen vor der Zulassung?

In einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren bei der EMA, das der Prüfung eines formellen Zulassungsantrages unmittelbar vorgeordnet ist, befinden sich der amerikanische Hersteller Novavax sowie das Tübinger Unternehmen Curevac. Mit Curevac hat die EU bereits umfangreiche Liefervereinbarungen getroffen. Eine schnelle Zulassung erscheint hier aber mittlerweile nicht mehr realistisch, Studiendaten offenbarten zuletzt eine geringe Wirksamkeit des Impfstoffes.

Die Europäische Arzneimittelagentur prüft nach eigenen Angaben auch die Zulassung des russischen Impfstoffes Sputnik V – ebenfalls in einem Rolling-Review-Verfahren. Unabhängig von der EU haben die Slowakei und Ungarn den Impfstoff bereits zugelassen, der laut Studien eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent haben soll. Dass Verfahren zieht sich allerdings, da die russischen Impfstoff-Entwickler Studiendaten zu Nebenwirkungen schuldig blieben.

Global gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weit mehr als 100 Impfstoffprojekte. Zahlreiche klinische Studien laufen.

Wie lange haben die Impfzentren noch geöffnet?

Die Impfzentren in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben auf jeden Fall bis Ende September geöffnet. In Sachsen sollen im September laut einem Kabinettsbeschluss nur noch offene Zweitimpfungen stattfinden. Über die Zukunft der Impfzentren über den September hinaus laufen derzeit Gespräche zwischen den Ländern und dem Bund, der die Infrastruktur zu großen Teilen mitfinanziert. Im Zentrum stehen dabei auch Aspekte wie nötige Auffrischungsimpfungen. "Wir werden im Herbst mit Nachimpfungen, also Booster-Impfungen bei der älteren Generation beginnen müssen", sagte Kanzlerin Angela Merkel Mitte Juni nach einer Schalte mit Länderkollegen. Auch viele Länder wollen daher gern an Impfzentren festhalten.

Wann könnte Herdenimmunität erreicht sein?

Beim RKI geht man nicht mehr davon aus, dass das Coronavirus zum völligen Verschwinden gebracht wird. Diese Vorstellung, "im Sinne einer Elimination – also ein weitgehendes Zurückdrängen oder Ausrotten – sei nicht realistisch", heißt es in einem Ende Juli veröffentlichten Strategiepapier des RKI.

Nach wie vor erreichbar ist aber ein Stadium der Herdenimmunität im Sinne eines stabilen endemischen Gleichgewichts. Dann wäre die Immunität in der Bevölkerung groß genug, dass sich das Coronavirus nur noch während bestimmter saisonaler Phasen langsam ausbreiten kann. In diesem Fall würden sich viele immune Menschen gar nicht mehr anstecken oder das Virus höchstens kurze Zeit weitergeben. Gefährdete Menschen hätten ein deutlich geringeres Risiko, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Krankenhäusern droht nicht mehr die Überlastung.

Angesichts der hochansteckenden Delta-Variante gehen Epidemiologen des Robert Koch-Instituts davon aus, dass etwa 85 bis 90 Prozent der über 18-Jährigen durch Impfung oder Genesung immunisiert sein müssen, um ein solches Gleichgewicht im Herbst 2021 zu erreichen.

Wer bezahlt die Coronavirus-Impfung?

Für Bürgerinnen und Bürger in Deutschland fallen für die Impfung keine direkten Kosten an. Der Bund bezahlt den Impfstoff. Die Länder tragen gemeinsam mit der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung die Kosten für den Betrieb der Impfzentren. Im August wurden Meldungen bekannt, dass in den Bundesländern zahlreiche Impfdosen verfallen seien, weil sie vor Ablauf des Verfallsdatum nicht rechtzeitig verimpft werden konnten.

Wie wird der Corona-Impfstoff international verteilt?

Corona-Impfstoffe sollen nicht nur in wohlhabenden Ländern zur Verfügung stehen, sondern auch Menschen in den ärmeren Regionen der Welt. Darauf hat in Deutschland unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedrängt. International verpflichteten sich etwa die G20-Staaten diesem Ziel. Der UN-Generalsekretär erneuerte die Forderung nach einer gerechten Verteilung Mitte Dezember.

Im Zentrum soll nach dem Willen von Kanzlerin Merkel die Impfstoffplattform Covax stehen. Covax will für eine faire und transparente weltweite Verteilung zukünftiger Impfstoffe gegen Covid-19 sorgen. Deutschland ist der Initiative im September 2020 beigetreten. Im Kern sieht das Projekt vor, dass die reichen Industrieländer den ärmeren Ländern den Zugang zu Impfstoff ermöglichen, finanziert im Zuge der Entwicklungsarbeit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. November 2020 | 12:00 Uhr

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