Fragen und Antworten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Mit den Öffnungen nach dem Lockdown kommt der Impfkampagne eine wichtige Bedeutung zu. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu: Wo und wann kann ich geimpft werden? Wie kommt die Impfkampagne voran? Wie komme ich an einen Impftermin in Sachsen, in Sachsen-Anhalt, in Thüringen? Antworten auf diese Fragen und aktuelle Zahlen und Fakten in unserem FAQ:

Im Landkreis Harz in einer Senioren Pflegeeinrichtung in Halberstadt (Seniorenzentrum Krüger) wurden die ersten Bewohner sowie das Pflegepersonal geimpft.
Seit Ende 2020 wird in Deutschland gegen das neuartige Coronavirus geimpft. Drei Corona-Impfstoffe sind zugelassen. Bildrechte: dpa

Wie viele Menschen haben bisher Corona-Impfungen erhalten?

Die Impfkampagne in Deutschland hat am 27. Dezember 2020 offiziell begonnen. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Impfstoffen können seitdem mehr und mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht regelmäßig neue Daten zu den bereits erfolgten Impfungen. Den aktuellen Stand aller Erst- und Zweitgeimpften in Deutschland finden Sie in der folgenden Grafik:

Welche Impfstoffe gegen das Coronavirus sind zugelassen?

Bislang sind vier Corona-Impfstoffe in der EU zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA gab am 21. Dezember zunächst grünes Licht für den Impfstoff von Biontech und Pfizer. Die formelle Zulassung durch die EU-Kommission erfolgte kurz danach. In den USA und Großbritannien war das Serum im Rahmen von Notzulassungen zu diesem Zeitpunkt bereits genutzt worden. Seit 6. Januar ist außerdem der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Moderna zugelassen. Beide Impfstoffe sollen eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent haben.

Ende Januar wurde außerdem der Impfstoff zugelassen, der von der Universität Oxford und dem Pharmahersteller Astrazeneca entwickelt wurde. Seit 11. März zugelassen ist auch das Vakzin des US-Herstellers Johnson & Johnson. Es ist der erste Impfstoff, bei dem nur eine Dosis verabreicht werden muss.

Die Impfstoffe im Vergleich

Zur Lagerung des Impfstoffs von Moderna ist laut Unternehmensangaben eine Kühltemperatur von minus 20 Grad Celsius notwendig. Für das Vakzin von Astrazeneca sind zwei bis acht Grad ausreichend. Damit könnte er später für den Einsatz in Arztpraxen in Frage kommen. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer muss dagegen gefroren, bei rund minus 70 Grad, gelagert werden. Biontech hat aber bereits angekündigt, dass zukünftige Generationen des Impfstoffes ebenfalls bei herkömmlichen Temperaturen gelagert können werden sollen. Die Aufbewahrung bei Kühlschranktemperaturen erleichtert die Logistik für flächendeckende Impfungen.

Der zuletzt zugelassene Impfstoff von Johnson & Johnson könnte die Impfkampagne beschleunigen, da er pro Person lediglich einmal gespritzt werden muss.

Welche Probleme gab es mit dem Astrazeneca-Impfstoff?

Anfangs wurde der Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca in Deutschland vorsorglich nur für Menschen unter 65 Jahre zugelassen. Grund dafür war laut der Ständigen Impfkommission (Stiko), dass in Studien zur Wirksamkeit nur wenige alte Menschen eingeschlossen waren. Mit Verbesserung der Studienlage passte die Stiko ihre Empfehlung an und empfahl den Impfstoff auch für Menschen über 65 Jahre.

Am 15. März stoppte das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) jedoch alle Impfungen in Deutschland mit dem Präparat von Astrazeneca. Hintergrund war eine Häufung von Thrombosen und Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung. Zuvor hatten bereits anderen europäische Länder wie Dänemark, die Niederlande, Irland oder Norwegen die Impfungen mit Astrazeneca gestoppt. Nach einer Überprüfung durch die europäische Arzneimittelagentur EMA wurde Astrazeneca dann wieder freigegeben – die EMA bewertete den Impfstoff ebenso wie die WHO als sicher. Trotzdem sollten die Nebenwirkungen weiter beobachtet werden.

Dann die erneute Kehrtwende: Nachdem bekannt wurde, dass es weitere Fälle von Hirnvenenthrombosen bei Geimpften unter 60 Jahren gegeben hatte, stellten Ende März zunächst mehrere Unikliniken in Deutschland die Impfungen mit Astrazeneca ein. Am Abend des 30. März beschlossen Kanzlerin Merkel, Gesundheitsminister Spahn und die Gesundheitsminister der Länder, Astrazeneca nur noch für über 60-Jährige zu empfehlen. In dieser Altergruppe waren keine Häufungen von Thrombosen oder Blutgerinnseln beobachtet worden.

Welche weitere Impfstoffe stehen vor der Zulassung?

In einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren bei der EMA, das der Prüfung eines formellen Zulassungsantrages unmittelbar vorgeordnet ist, befinden sich der amerikanische Hersteller Novavax sowie das Tübinger Unternehmen Curevac. Mit Curevac hat die EU bereits umfangreiche Liefervereinbarungen getroffen. Eine Zulassung könnte hier zu Beginn des zweiten Quartals erfolgen.

Die Europäische Arzneimittelagentur prüft nach eigenen Angaben auch die Zulassung des russischen Impfstoffes Sputnik V – ebenfalls in einem Rolling-Review-Verfahren. Unabhängig von der EU haben die Slowakei und Ungarn den Impfstoff bereits zugelassen, der laut Studien eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent haben soll.

Global wird nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an mehr als 100 Impfstoffen gearbeitet. Zahlreiche klinische Studien laufen. Neben Russland wird in China wird mit einer Impfstoff-Entwicklung eigener Institute geimpft.

Auch in Mitteldeutschland laufen die Forschungen zu einem Impfstoff. Das Dessauer Unternehmen IDT Biologika musste seine Pläne zur Fertigung eines Impfstoffes nach schlechten Studienergebnissen nun aber anpassen. Ursprünglich sollte ein Impfstoff bis Ende 2021 zur Marktreife gebracht werden.

Wer wird zuerst geimpft, wer später?

Da seit Beginn der Impfkampagne nur begrenzte Mengen an Impfstoff zur Verfügung stehen, ist eine Reihenfolge festgelegt worden, nach der in Deutschland geimpft werden soll. Danach stehen über 80-Jährige in Senioren- und Pflegeheimen ganz oben auf der Prioritätenliste. Laut Angaben des Gesundheitsministeriums konnte dieser Gruppe, die knapp 800.000 Menschen umfasst, mittlerweile fast vollständig eine Impfung angeboten werden. Momentan liegt der Fokus auf medizinischem Personal und über 80-Jährigen außerhalb der Pflegeeinrichtungen. Sie gehören zur Gruppe mit höchster Priorität. Teilweise werden auch bereits Angehöriger der Gruppe mit hoher Priorität geimpft; zu ihr gehören mittlerweile auch Lehrer und Erzieher.

Die Reihenfolge bei den Corona-Impfungen ist vom Bundesgesundheitsministerium in einer Impfverordnung festgelegt worden, die immer wieder der Verfügbarkeit der Impfstoffe angepasst wird. Sie unterteilt die Menschen, die zuerst geimpft werden können, in drei Gruppen: höchste, hohe und erhöhte Priorität.

Außerdem wird nun Mittlerweile geregelt, dass von der Reihenfolge der vorgegebenen Priorisierung in Einzelfällen abgewichen werden kann, wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen und zur kurzfristigen Vermeidung des Verwurfs von Impfstoffen notwendig ist.

Priorisierungsgruppen nach der geltenden Impfverordnung

Zur Impfverordnung in ihrer derzeit geltenden Fassung (Quelle: Bundesgesundheitsministerium)

Höchste Priorität haben Menschen ab 80 Jahre sowie all jene, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen betreut werden oder tätig sind. Zur ersten Gruppe gehört zudem, wer auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet.

Zur Gruppe mit hoher Priorität zählen alle ab 70 Jahren sowie Menschen mit einem sehr hohen oder hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Dazu gehören Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften. Nach einer Änderung der Coronavirus-Impfverordnung vom 24.2. können Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und in Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen tätig sind, nun ebenfalls mit hoher Priorität geimpft werden. 

Zudem gehören Betreuer geistig oder psychisch behinderter Menschen sowie Ärzte und Personal mit regelmäßigem unmittelbaren Patientenkontakt in diese Gruppe. Auch bei Polizei- und Ordnungskräften, die etwa wegen des Einsatzes bei Demonstrationen einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, besteht ein Impf-Anspruch mit hoher Priorität - sowie für Soldaten im Auslandseinsatz.

Zur dritten Gruppe mit erhöhter Priorität gehören alle Menschen ab 60, stark Übergewichtige mit einem Body-Mass-Index über 30, Menschen mit chronischer Nieren- oder Lebererkrankung, Patienten mit Immundefizienz und HIV-Infizierte, sowie Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Erfasst sind außerdem Krebs- und Asthmakranke sowie Menschen mit Autoimmun- oder rheumatischen Erkrankungen.

Zur Gruppe mit erhöhter Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.

Wo gibt es Impfzentren in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

In Sachsen sind Impfzentren in jedem der zehn Landkreise sowie in den drei kreisfreien Städten zu finden. Mit dem Betrieb wurde das Deutsche Rote Kreuz (DRK) beauftragt. Impfwillige können das Impfzentrum selbst wählen.

Thüringen hat 29 Impfstellen und zwei Impfzenten eingerichtet. In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt gibt es mindestens eine Impfstelle. In Thüringen organisiert die Kassenärztliche Vereinigung die Impfzentren. Zehn mobile Impfteams sollen etwa Senioren- und Pflegeheime versorgen.

In Sachsen-Anhalt haben alle elf Landkreise und die drei kreisfreien Städte eigene Impfzentren aufgebaut. Zusätzlich sollen mobile Impfteams in Alten- und Pflegeheimen eingesetzt werden. 

Wie bekomme ich einen Termin für eine Corona-Impfung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

In Sachsen hat die Anmeldung für individuelle Impftermine in den Impfzentren im Januar begonnen. Die für das Land zuständige Impfseite unter sachsen.impfterminvergabe.de zu finden. Nutzer berichteten immer wieder von langen Wartezeiten. Außerdem wurde eine Telefon-Hotline für Terminbuchungen geschaltet (0800 0899098). Eine Impfung im Impfzentrum ist nur mit Termin möglich. Impftermine werden nach Prioritätengruppen vergeben.

In Sachsen-Anhalt werden Termine über die zentrale Internetseite impfterminservice.de oder die zentrale Telefonnummer (116 117) vergeben. Mehrere Landkreise kündigten an, älteren Menschen bei der Terminvergabe für eine Corona-Impfung helfen zu wollen.

In Thüringen können seit Ende Dezember Impftermine online vereinbart werden. Dazu wurde das Portal impfen-thueringen.de freigeschaltet. Seit Anfang Januar 2021 ist eine Terminvergabe auch telefonisch unter der Hotline (03643 4950490) möglich.

Wie wird der Impfstoff verteilt?

Verfügbarer Corona-Impfstoff wird zunächst an 27 Anlieferungszentren in den Bundesländern geschickt. Die weitere Verteilung ist Sache der Länder. Die regionalen und lokalen Impfzentren haben seit Januar nach und nach ihren Betrieb aufgenommen. Ab Mitte April sollen Impfungen auch bei Hausärzten möglich sein, diese Stufe der Impfkampagne befindet sich in der Vorbereitung.

Die Grafik einer Mitteldeutschland-Karte mit eingeziechneten Hauptstädten und über die Bundesländer verteilten Punkten. Darunter der Schriftzug: "Ein Impfzentrum pro Landkreis und kreisfreier Stadt." 1 min
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Wie läuft die Impfung ab?

Für eine vollständige Immunisierung sind mit dem mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna zwei Impfstoffdosen notwendig. Eine zweite Impfstoffdosis soll nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission in einem Abstand von drei bis spätestens sechs Wochen zur Vervollständigung der Impfserie verabreicht werden. Anders ist es beim Impfstoff von Astrazeneca, der ebenfalls zwei Dosen benötigt. Hier soll die zweite Impfung erst nach zwölf Wochen erfolgen.

Wird nach der 1. Impfung eine Corona-Infektion nachgewiesen, soll die 2. Impfung zunächst nicht gegeben werden. Eine begonnene Impfserie muss mit dem gleichen Impfstoff abgeschlossen werden, auch wenn zwischenzeitlich weitere Impfstoffe zugelassen worden sind.

Wann werden jüngere Altersgruppen mit dem Corona-Impfstoff geimpft?

Sobald mehrere Corona-Impfstoffe in großem Umfang verfügbar sind und es auch geringere Hürden bei Lagerung und Transport gibt, soll eine zweite Phase der Impfstrategie beginnen. Dann soll die Impfung auch dezentral erfolgen, etwa in Arztpraxen. Nach derzeitigem Stand soll dies Mitte April so weit sein. In Modellprojekten sind Ärztinnen und Ärtze in den Praxen bereits eingebunden.

Wann "normale" Menschen (ohne Vorerkrankungen und ohne "systemrelevanten Beruf") für eine Impfung in Frage kommen, ist noch nicht klar. Die Bundesregierung hat wiederholt geäußert, bis zum Spätsommer allen Bürgern in Deutschland ein "Impfangebot" machen zu wollen. Informationen zur nationalen Impfstrategie der Bundesregierung finden Sie hier.

Senken Virus-Mutationen die Wirkung des Corona-Impfstoffs?

Nach Angaben von Impfstoff-Forscher Torben Schiffner von der Universität Leipzig scheint die bisher bekannte Mutation N501Y (nachgewiesen etwa in der britischen und der südafrikanischen Virus-Variante) keinen Einfluss auf die Wirksamkeit typischer Antikörper zu haben. Grundsätzlich sei es so, dass das Immunsystem mehrere Bereiche auf der Oberfläche des Virus angreifen könne, sodass eine gewisse Anzahl an Mutationen problemlos sein kann. Man müsse aber auch hier noch abwarten, bis es gesicherte Informationen gebe.

Bei der weit verbreiteten Variante B.1.1.7 ("britische Variante") gehen Expertinnen und Experten davon aus, dass die bisher entwickelten Impfstoffe wirksam sind. Einige der Virus-Varianten, darunter B.1.1.7 verbreiten sich jedoch deutlich schneller als das Originalvirus. Mitterweile geht mach auch davon aus, dass problematische Varianten auch zu schwereren Verläufen führen könnten.

Wie das Coronavirus mutiert 1 min
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Was ist ein mRNA-Impfstoff?

Bei den am weitesten erprobten Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna handelt es sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe. Diese Präparate basieren auf einer neuen Technologie. Der grundlegende Unterschied ist, dass diese Impfstoffe keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren enthalten, sondern lediglich eine Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Die Anleitung wird in Form eines sogenannten mRNA-Moleküls in den Körper geimpft, wo dann die menschlichen Zellen selbst ein Eiweiß des Virus herstellen. Dies wiederum regt das menschliche Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen an.

Teils wird die Sorge geäußert, mRNA-Impfstoffe könnten das Erbgut verändern. Fachleute halten solche Sorgen jedoch für unbegründet. "Eine Integration von RNA in DNA ist unter anderem aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht möglich", stellt etwa das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut fest.

Mit Blick auf die Sicherheit der mRNA-Impfstoffe ist ein weiterer Punkt wichtig: Die Technologie wurde nicht erst im Zuge der Corona-Pandemie entwickelt. Einige Erfahrungen damit liegen bereits vor. Die Idee für diese Art von Impfstoffen stammt aus der immunologischen und infektiologischen Grundlagen- und aus der Krebsforschung. Ziel dabei ist es, den Körper zu einem Angriff auf Tumorzellen zu veranlassen, auch in diesem Bereich laufen bereits klinische Studien.

Wie kommt die Bundesregierung an Corona-Impfstoff?

Deutschland erhält im Rahmen von Vereinbarungen der EU mit einzelnen Pharmaunternehmen sowie durch national ausgehandelte Verträge mit den Firmen Impfdosen. Zunächst schloss die EU Verträge mit den Herstellern, wodurch andere Länder außerhalb der EU schneller Vereinbarungen schließen konnten und schneller an den Impfstoff kamen. Die Impfkampagne in Deutschland sei deswegen sehr langsam angelaufen, warfen Kritiker der Bundesregierung vor. Auch wird bemängelt, dass zu wenig Corona-Impfstoff bestellt worden sei. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte dennoch Mitte Januar, er halte bis zum Sommer ein Impfangebot für alle für möglich.

Bereits vor Abschluss eines zweiten EU-weiten Vertrags mit Biontech/Pfizer haben Deutschland nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums folgende Mengen zugestanden:

  • Biontech/Pfizer: mindestens 64,1 Millionen Dosen über die EU sowie eine gesicherte Option auf weitere 30 Millionen Dosen national
  • Moderna: 50,5 Millionen Dosen über die EU
  • Curevac: mindestens 54,1 Millionen Dosen über die EU sowie eine Option auf 20 Millionen Dosen national
  • Astrazeneca: 56,3 Millionen Dosen über die EU
  • Johnson&Johnson: 36,7 Millionen Dosen über die EU
  • Sanofi/GSK: mind. 55 Millionen Dosen über die EU

Der Dessauer Firma IDT Biologika sagte Spahn bereits die Abnahme von fünf Millionen Dosen des dort in der Entwicklung befindlichen Impfstoffs zu. Insgesamt könnte Deutschland also knapp 372 Millionen Impfdosen beziehen.

Allerdings haben die Hersteller immer wieder von Produktionsengpässen und Lieferschwierigkeiten berichtet.

Warum sind Transport und Lagerung des Corona-Impfstoffs schwierig?

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer, der als erstes zugelassen wurde, ist besonders anspruchsvoll, was die Kühlung betrifft. So muss der Impfstoff bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden. Dafür wurden eigens Boxen entwickelt, die mit Trockeneis befüllt den Impfstoff bis zu 15 Tage lagern können. Aufgetaut kann er dann bis zu fünf Tage bei Kühlschranktemperatur zwischen zwei und acht Grad aufbewahrt werden. Biontech hat mittlerweile aber angekündigt, dass zukünftige Generationen des Impfstoffes aber auch bei herkömmlichen Temperaturen gelagert können werden sollen.

Der vom US-Biotechnologieunternehmen Moderna entwickelte Impfstoff kann immerhin bei minus 20 Grad gelagert werden. Der Impfstoff von Astrazeneca kann bei zwei bis acht Grad Celsius gelagert und transportiert werden.

Was gibt es für Nebenwirkungen und Impfreaktionen?

Bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca kam es nach Angaben der Hersteller während der Erprobung zu keinen ernsthaften Nebenwirkungen. Allerdings reagierten zwei Menschen in Großbritannien, die bereits zuvor durch Allergien anaphylaktische Schocks erlitten hatten, auf den Impfstoff von Biontech/Pfizer mit starken Reaktionen. Die Ursache war noch nicht abschließend geklärt.

Der US-Konzern Moderna nannte konkret Müdigkeit, Muskelbeschwerden und Schmerzen am Einstichpunkt nach der zweiten Dosis.

Der Hersteller Astrazeneca hatte im Vorfeld Fieber als relativ häufig vorkommende, aber mild verlaufende und schnell vorübergehende Impfreaktion seines Vakzins angegeben. Als weitere Nebenwirkungen werden vorübergehende lokale und systemische Reaktionen wie Schmerzen und Empfindlichkeit an der Injektionsstelle, leichte bis mäßige Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost, Fieber, Unwohlsein und Muskelschmerzen genannt. Wegen heftiger Impfreaktionen bei relativ vielen Geimpften war die Impfung mit Astrazeneca in Teilen Schwedens Mitte Februar sogar kurz ausgesetzt worden. Der konkrete Grund war, dass viele Geimpfte aus medizinischen Berufen sich wegen der Impfreaktion für einen Tag krank melden mussten.

Das Paul-Ehrlich-Institut, in Deutschland für die Zulassung von Impfstoffen zuständig, betont anhaltend, dass Präparate erst nach ausreichender Überprüfung auf den Markt gebracht würden. Bei aller Dringlichkeit bleibe die Sicherheit oberste Priorität. Auch nach Marktzulassung erfolge eine ständige Kontrolle zum Erfassen von Wirksamkeit und Nebenwirkungen. Daten würden dabei international zusammengefasst, so dass Nebenwirkungen schnell sichtbar würden, auch wenn sie erst bei einer sehr hohen Zahl von Impfungen auftreten.

In Deutschland sollen geimpfte Personen über eine App mögliche Nebenwirkungen melden können. Wie das bundeseigene Paul-Ehrlich-Institut am 22. Dezember mitteilte, steht die App für Android-Systeme und Apple zum Download bereit. Ohne ein solches Smartphone ist das auch online möglich.

Ist eine Corona-Impfung freiwillig?

Ja. Gesundheitsminister Spahn hat immer wieder unterstrichen, dass es keine Impfpflicht geben werde. Die Regierung setze auf Freiwilligkeit und Aufklärung. Spahn sagte: "Ich bin überzeugt, wenn wir gemeinsam diesen harten schwierigen Corona-Winter hinter uns gebracht haben, wird auch die Bereitschaft steigen, sich impfen zu lassen."

Niemand wird gezwungen, sich impfen zu lassen.

Angela Merkel, CDU Bundeskanzlerin

Was kostet die Corona-Impfung?

Nach Recherchen des Daten-Anbieters Statista kostet eine Impfdosis je nach Hersteller und Impfstoff umgerechnet bis zu 30 Euro. Der Preis des Impfstoffs von Pfizer und Biontech wird aktuell mit etwa 16,50 Euro pro Dosis angegeben. Eine Impfung von 80 Millionen Bundesbürgern mit zwei Dosen dieses Impfstoffs würde rechnerisch also über 2,6 Milliarden Euro kosten, den Aufwand für Transport, Lagerung und Verabreichung nicht eingerechnet.

Allerdings sind, wie oben beschrieben, sehr viele Impfstoffe in der Entwicklung. Die Kosten werden voraussichtlich schnell sinken. Der Preis für eine Dosis vom Astrazeneca-Impfstoff war vor der Zulassung mit circa 3,30 Euro prognostiziert worden.

Wer bezahlt die Coronavirus-Impfung?

Für Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wird die Impfung nach Angaben der Bundesregierung kostenlos sein – und zwar unabhängig von ihrem Versicherungsstatus. Der Bund bezahlt den Impfstoff. Die Länder tragen gemeinsam mit der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung die Kosten für den Betrieb der Impfzentren.

Wird es einen eigenen Corona-Impfstoff für Kinder geben?

Die Forscherteams konzentrierten sich zunächst auf die Entwicklung von Impfstoffen für Erwachsene. Mittlerweile haben einige Impfstoffhersteller jedoch damit begonnen, ihre Vakzine auch an Kindern zu testen, etwa Moderna und die Universität Oxford, die an der Entwicklung des Impfstoffs von Astrazeneca beteiligt ist. Auch Biontech testet seinen Impfstoff inzwischen an Kindern.

Wie viele Impfungen braucht es, um das Coronavirus zu stoppen?

Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums müssten rund 55 bis 65 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen und eine Ausbreitung des Virus weitgehend zu verhindern. Wird das Virus durch Mutationen ansteckender, kann sich die für eine Herdenimmunität erforderliche Zahl Geimpfter entsprechend erhöhen. Nach Einschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) müssten zwei Drittel der Bevölkerung immunisiert sein, um die Verbreitung des Coronavirus aufzuhalten.

Obwohl Impfstoffe nach einhelliger Ansicht einen großen Anteil zur Immunisierung leisten können, sind manche Experten skeptisch, was die Herdenimmunität anbelangt. Ob diese erreicht werden könne, hänge von mehreren Faktoren ab. Wie lange hält der Schutz durch die Impfstoffe? Stoppen die Impfstoffe lediglich die Erkrankung oder auch die Übertragung? Bieten die Impfstoffe allen Menschen den gleichen Schutz?

Insbesondere Infektionen der Atemwege seien mit Impfstoffen schwer vollständig zu blockieren, sagt etwa Bodo Plachter, stellvertretender Direktor des Instituts für Virologie am Lehrkrankenhaus der Universität Mainz. Es könne aber durchaus sein, dass die Geimpften weniger Viren ausscheiden, das bremse zumindest die Pandemie.

Es ist aber eine falsche Annahme, dass man die Pandemie allein aufgrund der Impfung wird verhindern können.

Bodo Plachter, Virologe aus Mainz

Wie lange dauert es, die Menschen in Deutschland zu impfen?

Momentan (Stand Anfang März) werden in Deutschland an Spitzentagen knapp 200.000 Impfdosen verabreicht. Um zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland zu impfen, wären bei dauerhaft 200.000 Impfungen pro Tag (mit einem Impfstoff, der pro Patient zwei Impfungen erfordert) etwa 540 Tage, also knapp anderthalb Jahre, nötig. Könnte man die Zahl der täglich verabreichten Dosen auf 400.000 erhöhen, würde es entsprechend neun Monate dauern. Bei beiden Szenarien ist die Zahl der bereits Geimpften nicht berücksichtigt. Ebenso würden Impfstoffe, die nur eine Gabe erfordern, den Zeitraum verkürzen.

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping rechnet damit, dass im Land bald 40.000 Dosen pro Tag zur Verfügung stehen könnten. Grob auf Deutschland hochgerechnet bedeutete dies eine tägliche Zahl von 800.000 zu verabreichenden Dosen. Damit würde es (bei zwei Dosen pro Person) nur etwas mehr als 4 Monate dauern, um 54 Millionen Deutsche, also zwei Drittel der Bevölkerung, zu impfen.

Wie wird der Corona-Impfstoff international verteilt?

Corona-Impfstoffe sollen nicht nur in wohlhabenden Ländern zur Verfügung stehen, sondern auch Menschen in den ärmeren Regionen der Welt. Darauf hat in Deutschland unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedrängt. International verpflichteten sich etwa die G20-Staaten diesem Ziel. Der UN-Generalsekretär erneuerte die Forderung nach einer gerechten Verteilung Mitte Dezember.

Im Zentrum soll nach dem Willen von Kanzlerin Merkel die Impfstoffplattform Covax stehen. Covax will für eine faire und transparente weltweite Verteilung zukünftiger Impfstoffe gegen Covid-19 sorgen. Deutschland ist der Initiative im September beigetreten. Im Kern sieht das Projekt vor, dass die reichen Industrieländer den ärmeren Ländern den Zugang zu Impfstoff ermöglichen, finanziert im Zuge der Entwicklungsarbeit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. November 2020 | 12:00 Uhr

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