Debatte um Quotenregel Die FDP und ihr Problem mit zu wenigen Frauen

Die FDP hat ein Problem mit zu wenigen Frauen, das ist in diesem Jahr wieder besonders deutlich geworden. Erst wurde Linda Teuteberg von ihrem Posten als Generalsekretärin abberufen, dann kündigte auch noch die stellvertretende Bundesvorsitzende Katja Suding den Rückzug von ihren Ämtern an. Männer geben den Ton an bei den Liberalen, so wirkt es jedenfalls in der Öffentlichkeit. Frauen in der FDP wollen sich nun für mehr Vielfalt in ihrer Partei einsetzen.

Linda Teuteberg, scheidende FDP-Generalsekretärin, geht beim Bundesparteitag der Freien Demokraten (FDP) nach ihrer Rede von der Bühne
Linda Teuteberg war FDP-Generalsekretärin, musste ihren Posten dann aber räumen. Bildrechte: dpa

Die Liberalen diskutieren schon länger über ihr Frauenproblem. Denn die FDP kann bei weiblichen Wählern nicht so recht punkten. Das soll sich im kommenden Wahljahr ändern. Doch die Ausgangslage sei schwierig, erklärt Nicole Bauer, frauenpolitische Sprecherin der FDP im Bundestag. "Wir als FDP haben einen niedrigeren Frauenanteil. Deshalb sind logischerweise auch weniger Frauen sichtbar als in anderen Parteien", sagt Bauer.

Nur etwa jedes fünfte FDP-Mitglied ist weiblich. Der Anteil der Frauen unter den FDP-Abgeordneten im Bundestag liegt bei rund 23 Prozent, noch geringer ist er nur bei Union und AfD. Die AG "Frauen und Gleichstellung" will gegensteuern.

Nicole Bauer ist stellvertretende Vorsitzende dieses neuen Netzwerks liberaler Frauen. Sie hofft, dass die FDP-Politikerinnen von der kommunalen bis zur europäischen Ebene künftig bei frauen- und gleichstellungspolitischen Themen koordinierter und nachhaltiger zusammenarbeiten und damit auch mehr Aufmerksamkeit bekommen. "Unsere Überzeugung ist es, dass die FDP noch viel erfolgreicher sein kann, wenn wir viel vielfältiger in der Personalauswahl sind und wenn wir vor allem auch viel mehr Frauen sichtbar machen", sagt Nicole Bauer.

Lösung Frauenquote?

Einer Quote, mit der Frauen automatisch sichtbarer würden, stehen die meisten FDP-Politikerinnen allerdings skeptisch gegenüber. Auch Jacqueline Krüger, Vorsitzende der FDP-nahen Vereinigung Liberale Frauen, hat damit Bauchschmerzen.

"Ich persönlich bin keine Befürworterin der Quote", sagt Krüger. Sie wisse aber nichtsdestotrotz, dass es auch bei ihr Frauen gebe, die einer Quote offen gegenüberstünden. "Und ich glaube, am Schluss muss man das Für und Wider abwägen und einfach mal offen darüber diskutieren. Ich glaube, das läuft gerade mehr oder weniger."

Tatsächlich sind es vor allem ältere FDP-Politikerinnen wie Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die sich inzwischen offen für eine Frauenquote aussprechen. Jüngere wie Nicole Bauer sind eher dagegen. "Wir haben eine Zielvereinbarung, wo wir ganz klar sagen, die Landesverbände sollten sich von Wahl zu Wahl steigern beim Frauenanteil", sagt Bauer.

Lydia Hüskens, FDP-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt und Beisitzerin im Bundesvorstand, hält ebenfalls nichts von Quoten. Auch einer Doppelspitze kann sie nicht viel abgewinnen. "Per se ist das nicht eine gute Idee", sagt sie. Man müsse ja nur mal zur SPD gucken: "Wenn ich auf der Straße jemanden frage, wie denn die Doppelspitze der SPD heißt, wissen die wenigsten da eine Antwort."

Lindner lehnt Doppelspitze ab

Mit dem jetzigen FDP-Chef Christian Lindner ist an eine Doppelspitze sowieso nicht zu denken. Der Parteichef hat klargemacht, dass er dafür nicht zur Verfügung steht. Bleibt die Frage, ob die FDP-Spitze künftig weiblicher wird. Derzeit sind im 12-köpfigen FDP-Präsidium nach dem Abgang von Linda Teuteberg als Generalsekretärin noch vier Frauen vertreten. Und wer soll der scheidenden stellvertretenden Bundesvorsitzenden Katja Suding nachfolgen?

Mit Namen halten sich die befragten FDP-Politikerinnen zurück. Lydia Hüskens will wieder für einen Beisitzer-Posten kandidieren. Und was sagt Jacqueline Krüger zu einer Kandidatur für den Bundesvorstand? "Theoretisch ja. Praktisch bin ich Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen. Und diese Aufgabe möchte ich auch zu Ende führen. Meine Legislatur geht noch ein Jahr." Und zwei Ämter voll auszuüben, neben dem Beruf, das sei nicht machbar, findet Krüger.

FDP-Sachsen-Anhalt-Chefin Hüskens ist optimistisch, dass sich genügend Frauen für die zu vergebenden Vorstandsposten melden werden. Sie gehe fest davon aus, dass für den Bundesvorstand auch eine Reihe von hervorragenden Frauen kandidieren würden.

"Wir Freie Demokraten wollen mehr Frauen in Führungsverantwortung" – diese Forderung erheben die Liberalen in ihren Wahlprogrammen. Bei den kommenden Bundesvorstandswahlen kann die FDP mit gutem Beispiel vorangehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Januar 2021 | 06:39 Uhr

64 Kommentare

DER Beobachter vor 38 Wochen

Wenn man sagt, die Welt des Mannes ist der Staat, die Welt des Mannes ist sein Ringen, die Einsatzbereitschaft für die Gemeinschaft, so könnte man vielleicht sagen, dass die Welt der Frau eine kleinere sei. Denn ihre Welt ist ihr Mann, ihre Familie, ihre Kinder und ihr Haus. Wo wäre aber die größere Welt, wenn niemand die kleinere Welt betreuen wollte? Wie könnte die größere Welt bestehen, wenn niemand wäre, der die Sorgen um die kleinere Welt zu seinem Lebensinhalt machen würde? Nein, die große Welt kann nicht bestehen, wenn die kleine nicht fest ist. Die Vorsehung hat der Frau die Sorgen um diese ihre ureigenste Welt zugewiesen, aus der sich dann erst die Welt des Mannes bilden und aufbauen kann.

DER Beobachter vor 38 Wochen

Jedenfalls belegen "Freiheits" und "Rentners" Geschwätz, dass Ahnungslosigkeit und Inkompetenz mindestens kein Alleinstellungsmerkmal der Grünen sind ...

DER Beobachter vor 38 Wochen

@ SoSe + Steffen: AKK ist sicher ein unnötiger Ausrutscher... Die anderen Frauen wären ohne Eignung anders als mancher Mann in der Politik nie in die Verantwortung gekommen...

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