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In Hamburg konnte Fridays vor Future am 24. September 2021 die meisten Menschen mobilisieren Bildrechte: dpa

Globaler AktionstagFridays for Future: Zehntausende demonstrieren für mehr Klimaschutz

von MDR AKTUELL

Stand: 24. September 2021, 18:07 Uhr

Kurz vor der Bundestagswahl haben sich in vielen deutschen Städten Menschen am globalen Aktionstag der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" beteiligt. Die größte Kundgebung fand in Hamburg statt, in Berlin forderte Greta Thunberg einen "Systemwechsel". Auch in Mitteldeutschland gingen tausende Jugendliche auf die Straße.

In Deutschland und weltweit sind am Freitag zehntausende Jugendliche der Bewegung "Fridays for Future" (FFF) auf die Straße gegangen, um für einen besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Beim "globalen Klimastreik" waren in mehreren Ländern etwa 1.500 Veranstaltungen geplant, allein in Deutschland an mehr als 470 Orten.

In größeren Städten wurden viele Tausend Teilnehmende gezählt. In Hamburg waren es nach Angaben der Polizei mehr als 20.000, in München und Berlin jeweils etwa 12.000 Menschen. Die Veranstalter in Hamburg meldeten hingegen sogar 80.000 Teilnehmende.

Thunberg: Deutschland ist großer Klima-Bösewicht

In Berlin wurde der Protest von der schwedischen Initiatorin der Bewegung, Greta Thunberg, und der deutschen Aktivistin Luisa Neubauer angeführt. Zwei Tage vor der Bundestagswahl stehen weiter als zentrale Forderungen an die Politik Maßnahmen, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. So ist es im Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbart.

Der FFF-Protest in Berlin wurde von den Aktivistinnen Luise Neubauer und Greta Thunberg angeführt. Bildrechte: dpa

Thunberg kritisierte in Berlin Deutschland als "einen der größten Klima-Bösewichte", die Bundesrepublik stehe bei den CO2-Emissionen auf Rang 4 in der Welt. Sie forderte im Kampf gegen die Erderwärmung einen System-Wechsel. Man könne sich aus der Krise nicht "herausinvestieren, bauen oder kaufen".

Je länger die Politik so tue, "als könnten wir die Krise innerhalb des heutigen Systems lösen, desto mehr Zeit verlieren wir."

Allgemein

Wer hält an fossilen Brennstoffen oder Atomkraft fest? Welche erneuerbaren Energien favorisieren die Parteien? Der Klimaschutz spielt im Bundestagswahlkampf eine wichtige Rolle. Lesen Sie hier, welche Ideen CDU/CSU, SPD, AfD, FDP, Linke und die Grünen verfolgen.

CDU/CSU

Die Union will Deutschland bis 2045 zu einem "klimaneutralem Industrieland" umbauen. Sie bekennt sich zum Pariser Klimaschutzabkommen und will das 1,5-Grad-Ziel erreichen. Das werde nur gelingen, wenn sich "Investitionen und Projekte in die Dekarbonisierung sich letztlich als wirtschaftlich erweisen". Dabei will sie auf "innovative Technologien und wirtschaftliche Investitionen" setzen. Bis 2030 sollen die Treibhausemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um 65 Prozent gesenkt worden sein. Die Union setzt auf den Emissionshandel und will diesen zu einem europäischen ausbauen. Die Union will Klimaneutralität zu einem Wettbewerbsvorteil der hiesigen Wirtschaft machen. Investitionen in Klimatechnologien und Energieeffizienz sollen steuerlich besser absetzbar gemacht werden. CDU und CSU wollen den Ausbau der erneuerbaren Energien entscheidend voranbringen und schneller ausbauen. Zum Energiemix sollen die Energiegewinnung aus Sonne und Wind genauso wie nachhaltige Biomasse, Wasserkraft und Geothermie im ländlichen Raum gehören. Die Forschung in der Energieentwicklung soll gefördert werden, um das Land von Stromimporten unabhängig zu machen.

SPD

Die SPD will Klimaneutralität in Deutschland bis spätestens 2045. Der Strom soll bis 2040 komplett regenerativ erzeugt werden. Eine Reform der Erneuerbare-Energien-Umlage soll Stromkosten senken. Einen CO2-Preis fürs Heizen sollen Vermieter zahlen. Alle öffentlichen Gebäude und gewerblichen Neubauten sollen Solarstrom erzeugen. SPD-Ziel ist eine Solaranlage auf jedem Supermarkt, jeder Schule und jedem Rathaus. Deutschland soll bis 2030 Leitmarkt für Wasserstofftechnologien werden – für die klimaneutrale Erzeugung von Stahl, für CO2-arme Pkw, Lkw und den Schiffs- und Flugverkehr.

AfD

Die AfD lehnt die Senkung der CO2-Emissionen in Deutschland auf null und den Umbau der Industrie ab. Die AfD bezweifelt, dass die jüngste globale Erwärmung nur negative Folgen haben werde. Sie hält den Kampf gegen den Wandel indes für aussichtslos und sieht es als nicht belegt an, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Die Partei will das Pariser Klimaschutzabkommen aufkündigen und lehnt den europäischen "Green Deal" zur CO2-Reduktion ab. Sie will die Förderung von verschiedenen erneuerbaren Energien und Antrieben einstellen. Sie will weiter Braun- und Steinkohle verstromen. Zudem tritt sie für eine Rückkehr zur Atomkraft, d.h. den Neubau von Kernkraftwerken, ein.

FDP

Die FDP will Klimaschutz und Ökonomie besser verbinden. Die Energiewende soll über den Wettbewerb am Markt und Innovationen funktionieren. Gesetzlich vorgegebene Technologien und die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) will sie stoppen. Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe sieht die FDP neben Strom als zweite Säule des künftigen Energiesystems. Statt einem Verbot von herkömmlichen Verbrennungsmotoren, will die FDP auf klimafreundliche synthetische Kraftstoffe umstellen. Auch seien Kunststoffe vielfältig einsetzbar und günstig, durch ihr geringes Gewicht werde CO2 eingespart und sie seien gut recycelbar. Zum Schutz natürlicher Lebensgrundlagen setzt die FDP auf "Bioökonomie". Als Beispiele nennt sie Klebstoffe aus Pflanzen, Smartphone-Displays aus Zucker oder T-Shirts aus Kaffeesatz. Die Liberalen bekennen sich zum Pariser Abkommen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und zur Klimaneutralität bis 2050. Als Hauptinstrument favorisiert die FDP den CO2-Emissionshandel. Klimaschutz-Projekte in anderen Staaten etwa zur Waldaufforstung sollten auf die eigene CO2-Bilanz angerechnet werden können.

DIE LINKE

Die Linke fordert einen Kohleausstieg bis spätestens 2030. Auch ein Ausstieg aus der Verbrennung von Erdgas soll folgen. Mit einem staatlichen Transformationsfonds über 20 Milliarden Euro pro Jahr will die Linke den ökologischen Umbau, insbesondere der Autozuliefererindustrie, unterstützen. Von diesem Fonds sollen Betriebe profitieren, die Arbeitsplätze erhalten und flächendeckende Tarifverträge haben. Bis 2025 will die Partei eine Million Arbeitsplätze schaffen, die helfen sollen, Wirtschaft und Infrastruktur bis 2035 komplett klimaneutral zu machen. Den Emissionshandel lehnt die Partei ab. Umwelt- und Klimaschutz sollen als Grundrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden. Die Linke will, dass sich der Staat aus Finanzanlagen, Investitionen und Subventionen zurückzieht, die dem Klima schaden. Die Energieversorgung soll sich am Gemeinwohl ausrichten und in Stadtwerken und Genossenschaften organisiert werden. Strom- und Wärmenetze sollen in die öffentliche Hand überführt werden. Kommunen sollen beim klimaneutralen Umbau unterstützt werden.

GRÜNE

Der Klimaschutz zieht sich bei den Grünen durch das gesamte Programm. Die Partei strebt Klimaneutralität und einen klimagerechten Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft an. In 20 Jahren soll Deutschland dem Grünen-Programm zufolge klimaneutral sein. Mit einem Klimaschutz-Sofortprogramm soll das Land wieder auf den 1,5-Grad-Pfad des Pariser Klimaschutzabkommens gebracht werden. Bis 2030 sollen in Deutschland 70 Prozent CO2 eingespart werden. Erreichen will man das auch mit einem schnelleren Kohleausstieg ebenfalls bis 2030. Zudem plant die Partei eine "CO2-Bremse" für alle Gesetze – Gesetzesvorhaben sollen also auf ihren CO2-Ausstoß hin geprüft werden. Die Vorgaben des Pariser Klimaschutzvertrages und den Atomausstieg wollen die Grünen im Grundgesetz verankern. Der nationale CO2-Preis soll angehoben werden und ab 2023 60 Euro betragen. Das Europäische Emissionshandelssystem wollen die Grünen reformieren, sodass es weniger Zertifikate auf dem Markt gibt und sich der CO2-Preis für die Industrie ebenfalls erhöht. Um die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu entlasten und die Einnahmen aus dem CO2-Preis zurückzugeben, wollen die Grünen die EEG-Umlage senken und ein "Energiegeld" einführen. Auch mit dem Arten- und Waldsterben befasst sich das grüne Wahlprogramm. Beim Bau von Siedlungs- und Industriegebieten soll der Naturschutz grundsätzlich beachtet werden. Für Landschaftsschutzgebiete soll es einen Entwaldungsstopp geben. Wälder wollen die Grünen naturnah bewirtschaften. Fünf Prozent der Waldfläche soll gar nicht bewirtschaftet werden, um die "Urwälder von morgen" zu schaffen. Wo möglich, sollen Wälder, Flüsse, Auen und Moore renaturiert werden. Strengere Vorgaben für Tierhaltung und Pestizideinsatz sollen für sauberes Wasser sorgen. Außerdem strebt die Partei eine Reform der Abwasserabgabe und einen Verursacherfonds an, in den Wasserverschmutzer einzahlen sollen. Um die Meere zu schützen, streben die Grünen ein Ende der Öl- und Gasbohrungen in Nord- und Ostsee, sowie einen Ausstieg aus Kies- und Sandabbau an. Zur Müllvermeidung setzt die Partei auf eine "Zero Waste Strategie", ein Kreislaufwirtschaftsgesetz, ein vereinfachtes Pfandsystem sowie Pfand auf Handys, Tablets und Akkus.

Sachsen: Tausende in Städten auf der Straße

In Leipzig startete am frühen Freitagnachmittag am Hauptbahnhof eine FFF-Kundgebung. Mehr als 8.000 Menschen folgten dem Aufruf. In Dresden kamen nach Angaben der Veranstalter zu den Aktionen rund um den Theaterplatz sogar 10.000 Menschen. Auch in Chemnitz und weiteren Städten wie Pirna, Plauen, Freiberg und Görlitz protestierten Hunderte.

Thüringen: Größere Demos in Jena und Erfurt

In Jena berichtete die Polizei von über 1.000 Demonstrantinnen und Demonstranten, die am Mittag auf die Straße gingen. In Erfurt startete am Nachmittag eine Kundgebung mit nach Veranstalterangaben ebenfalls mehr als 1.000 Menschen. Proteste gab es auch in Weimar, Gera, Eisenach und Suhl.

Sachsen-Anhalt: Größte Demo in Halle

An einem Demonstrationszug von Fridays for Future in Halle beteiligten sich laut Polizei bis zu 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In Magdeburg kamen zur Kundgebung am Nachmittag rund um den Domplatz etwa 1.000 Menschen. Kleinere Aktionen wurden aus Wittenberg, Dessau, Naumburg, Stendal und Wernigerode gemeldet.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 24. September 2021 | 16:00 Uhr