Diskussion Haareschneiden schon im Februar mit FFP2-Maske?

Die Haare wachsen auch im Lockdown. Wann Friseurinnen und Friseure wieder dagegen anschneiden dürfen, ist unklar. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer deutete jüngst zumindest an, dass Friseursalons zu den ersten Läden gehören könnten, die wieder öffnen. In einem Interview sagte der CDU-Politiker, dass man dann das Tragen einer FFP2-Maske vorschreiben könnte. In der Branche trifft der Vorschlag erwartungsgemäß auf Zustimmung – in der Opposition dagegen auf Kritik.

Haare schneiden beim Friseur
Für viele ein dringendes Bedürfnis: Besuch bei der Friseurin. Bildrechte: imago images/Cavan Images

Ginge es nach Sylvia Reimann, hätten sie und ihre Kollegen schon längst wieder losgelegt. Die Obermeisterin der Leipziger Friseurinnung hält große Stücke auf die Hygienekonzepte ihrer Branche – und glaubt nicht, dass sich Friseursalons zu Corona-Brennpunkten entwickeln könnten. Das habe die Vergangenheit gezeigt. Sie wisse trotz bester Vernetzung über ihren Verband von keinem Friseurbetrieb "wo eine Kundin sich angesteckt hat oder der Friseursalon geschlossen werden musste, weil wir uns bei den Kunden angesteckt haben".

Ob das aber beim aktuellen Infektionsgeschehen als Begründung ausreicht, um Friseurläden wieder öffnen zu lassen, ist fraglich. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte der "Welt", an Lockerungen sei erst zu denken, wenn die 7-Tage-Inzidenz auf einen Wert zwischen 50 und 100 falle – derzeit liegt sie aber knapp unter 300. Zugleich stellte er eine Öffnung der Salons in Aussicht.

Friseurobermeisterin Reimann bleibt dennoch optimistisch: "Er muss sich in Eventualitäten ausdrücken, er hat gar keine andere Möglichkeit. Insofern ist es für uns eine Hoffnung, dass man überhaupt darüber nachdenkt, weil wir einfach auch für das Wohlbefinden des Menschen zuständig sind."

Wir sind kein Luxus, sondern wir sind ein Grundbedürfnis als Friseur.

Sylvia Reimann Leipziger Friseurinnung

Kekulé: Smarter Vorschlag

Unterstützung für Kretschmers Vorschlag kommt vom Virologen Alexander Kekulé. In seinem Corona-Kompass von MDR Aktuell sagte Kekulé, die angedachte FFP2-Maskenpflicht beim Friseurbesuch sei ein guter Ansatz, eine smarte Strategie: "Weil das ist jetzt ein intelligentes Beispiel, wo man sagt: Okay, wie ist die Situation? Wie kann ich die Situation spezifisch absichern und trotzdem irgendwie dafür sorgen, dass der Betrieb weiterläuft."

Ganz anders sieht das die Linkspartei in Sachsen. Auf Kretschmers Vorschlag angesprochen, kommen Landeschefin Susanne Schaper die Attribute "smart" und "intelligent" ganz und gar nicht in den Sinn. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken-Landtagsfraktion kritisiert vielmehr die Kommunikation der Staatsregierung, schließlich hatte sich Kretschmer noch vor wenigen Tagen für einen harten Lockdown ausgesprochen: "Wenn ich auf der einen Seite sage, ich brauche einen größeren Lockdown und die Krankenhäuser sind nach wie vor überfüllt und wir haben nach wie vor die höchste Sterberate. Ob es dann richtig ist, irgendwas hinzuphilosophieren, was man vielleicht als erstes aufmachen könnte?"

Opposition: Schräge Idee

Jetzt Hoffnungen zu wecken, die sich am Ende vielleicht zerschlügen, schaffe kein Vertrauen, glaubt Schaper. Außerdem sei es fatal, Branchen gegeneinander auszuspielen: Denn wenn man die eine bevorzuge, fühle sich die andere zurückgesetzt.

Und auch an der angedachten verschärften Maskenpflicht stößt sich die Linkenpolitikerin: "Jetzt die FFP2-Maske, die sich A nicht jeder leisten kann und B damit sie wirklich richtig wirkt, ordentlich angewendet werden muss, als Allheilmittel dahinzustellen, das ist mehr als schräg. Also da frage ich mich wirklich, ob die Staatsregierung vielleicht den Überblick verloren hat."

Friseurobermeisterin Sylvia Reimann hat die Hoffnung jedenfalls nicht verloren. Sie wünsche sich, dass sich die Politik besinne und die Salons im Februar öffnen lasse, sagt sie – und zwar unabhängig vom aktuellen Inzidenzwert. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2021 | 18:00 Uhr

26 Kommentare

Denkender vor 36 Wochen

Kategorie Märchen könnte auch Ihr Beitrag sein. Es stimmt einfach nicht, dass fast jeder diese Masken jetzt trägt. Wäre auch schlimm, denn die bisher ausgegebenen 3 Masken für Ältere dürften inzwischen aufgebraucht sein. Wenn sie trotzdem noch getragen werden, sind sie wohl eher schädlich als nützlich.
Der Nachschub scheint auch nicht wirklich zu klappen, da es wohl Schwierigkeiten mit den Wertmarken gibt.

katja.kischkat vor 36 Wochen

Ärzte und Pflegekräfte scheinen Übermenschen zu sein ,da sie ohne Probleme mit FFP2 den ganzen Tag arbeiten können (natürlich werden auch die Masken zwischendurch abgesetzt und gewechselt )
Mein Vater ist auch so ein Übermensch ... Asthmatiker und Herzprobleme ..... trägt ohne Murren und Ohnmachtsanfälle freiwillig schon lange FFP2 .

Kurzkommentator vor 36 Wochen

"Haareschneiden schon im Februar mit FFP2-Maske?" - SCHON?!
Und mit FFP2-Maske? Bisher wurde bei mir dafür eine Schere verwendet.
Vermutlich kommt dann bald der ultimative Shutdown: alle stellen das Atmen für 10 Tage ein - Problem gelöst. Dem Kretschmer ist nicht mehr zu helfen, aber wer hilft den Sachsen? Das können sie wohl nur selbst ...

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland