Mecklenburg-Vorpommern Generalbundesanwalt ermittelt gegen Verfassungsschutz-Mitarbeiter

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe geht dem Verdacht nach, ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern habe Geheimnisse verraten – an einen früheren V-Mann, dem heute die Planung eines Mords vorgeworfen wird.

"Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof" steht auf einem Schild am Eingang zum Gebäude der Bundesanwaltschaft.
Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen einen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern. Bildrechte: dpa

Der Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern wird von einer neuen Affäre erschüttert. Nach Informationen des SPIEGEL und des MDR ermittelt der Generalbundesanwalt (GBA) in Karlsruhe gegen einen Mitarbeiter des Landesamts. Der Vorwurf lautet auf Verrat von Dienstgeheimnissen. Ende Juni durchsuchten Fahnder Dienst- und Privaträume des verdächtigen Verfassungsschutzmitarbeiters.

Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern bestätigte auf Anfrage, "dass der GBA gegen einen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes wegen des Verdachts des Geheimnisverrats ermittelt". Dem Generalbundesanwalt seien "diesbezüglich geforderte Unterlagen übergeben" worden. Der Verfassungsschutz unterstütze die Ermittlungen, vorsorglich sei der Mitarbeiter beurlaubt worden. "Es gilt auch hier die Unschuldsvermutung."

Verdächtiger soll frührer V-Mann-Führer gewesen sein

Der Hintergrund des Verfahrens ist nach Recherchen von SPIEGEL und MDR brisant. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, soll es sich bei dem Verfassungsschutzmitarbeiter um einen früheren V-Mann-Führer von Walid D. handeln. Der war ein Spitzel für das Amt – und wurde Ende des vergangenen Jahres in Untersuchungshaft genommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, mit der Planung eines Mordanschlags auf einen tschetschenischen Oppositionellen in Süddeutschland in Verbindung zu stehen.

Mordplan im Machtzentrum Kadyrows geschmiedet

Nun steht der Verdacht im Raum, der Verfassungsschutzmitarbeiter könnte Walid D. ausgerechnet die Wohnadresse jenes Mannes verraten haben, der Ziel eines politischen Attentats werden sollte.

Wie der SPIEGEL und der MDR im April enthüllten, sollte der tschetschenische Aktivist Mochmad Abdurachmanow offenbar von einem bezahlten Killer in der Nähe von München erschossen werden. Der Plan für den Mord soll im Machtzentrum des Diktators Ramsan Kadyrow in Tschetschenien geschmiedet worden sein.

Geld für Mord in Deutschland angeboten

Tschetschenischer Oppositioneller Mochmad Abdurachmanow
Der tschetschenische Oppositionelle Mochmad Abdurachmanow Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Laut den Ermittlungen wurden zwei Männer aus Tschetschenien mit der Tat beauftragt. Einer der beiden, Tamirlan A., wurde offenbar in seiner Heimat von einem Beauftragten der tschetschenischen Regierung angesprochen und soll Geld für einen Mord in Deutschland angeboten bekommen haben. Der Mann beteuert, nur zum Schein auf das Angebot eingegangen zu sein – er hatte sich den deutschen Behörden gestellt.

Beim zweiten Mann, dem früheren V-Mann Walid D., fanden die Ermittler eine Makarow-Pistole inklusive Schalldämpfer. Die Waffe sollte, so der Vorwurf der Ermittler, für den geplanten Mord an Abdurachmanow bei München eingesetzt werden. Über seinen Verteidiger ließ D. die Vorwürfe bestreiten. Er wisse nicht, wie die Waffe in seine Wohnung gekommen sein soll.

Quelle: MDR, SPIEGEL

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN - Thüringen Journal | 03. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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