Bundestagswahl Was es mit der "Generationenrente" auf sich hat

Ein Kind kommt auf die Welt und schon wird für die Rente dieses Kindes vorgesorgt: mit einem monatlichen Beitrag, den der Staat in einen Pensionsfonds anlegt. "Generationenrente" nennt die Union dieses Modell und hat es als Vorschlag in ihr Programm für die Bundestagswahl aufgenommen. Doch was ist davon zu halten?

Grosseltern sitzen Bassum-Bramstedt gemeinsam mit ihrer Enkeltochter auf einem Bett und spielen zusammen
Renteneinzahlungen ab Geburt – und gleichzeitig laufende Rentner finanzieren. Das Konzept der "Generationenrente" ist noch wenig ausgereift. Bildrechte: dpa

Ein Vorschlag, den die Union genauer prüfen will – mehr ist die "Generationenrente" im Wahlprogramm der Union bisher nicht, sagt Max Haerder, Leiter des Hauptstadtbüros der Zeitschrift "Wirtschaftswoche": "Letztlich geht es darum, ein Problem zu beheben, das wir eben heute haben, dass viele Deutsche nicht privat vorsorgen und auch um Aktien einen weiten Bogen machen."

Rentenvorsorge von Geburt an

Bei der "Generationenrente" würde der Staat für künftige Generationen ab der Geburt monatlich einen Betrag in Pensionsfonds anlegen. Aus Haerders Sicht wäre das langfristig keine schlechte Idee: "Ich würde in der Tat sagen, es ist in einem sehr großen und umfangreichen Wahlprogramm immerhin mal ein Versuch, kreativ und neu zu denken, das würde ich jetzt erstmal als positiv erachten. Aber darüber hinaus muss man ganz klar sagen: Jenseits dieser Überschrift und dieser Idee wirft der Vorschlag ganz viele Fragen auf, die natürlich überhaupt nicht beantwortet sind."

Union lässt viele Fragen offen

Nicht nur Fragen nach ab wann, wie lange und wie viel lässt die Union im Wahlprogramm offen. Sondern auch, welche Institution dieses Geld verwalten sollte und ob es eine Absicherung gegen fallende Aktienkurse gäbe.

Auch Tabea Engelke sagt deshalb: "Die Generationenrente ist eine lobenswerte Idee, die allerdings viel zu nebulös und zu unkonkret formuliert ist." Engelke engagiert sich im Jugendrat der Generationen Stiftung, einer Organisation, die sich selbst als "Lobby der kommenden Generationen" bezeichnet. Sie zweifelt an den Ambitionen der Union.

Wir glauben nicht, dass der CDU nach 16 Jahren auf einmal Generationengerechtigkeit so wichtig ist.

Tabea Engelke Jugendrat der Generationen Stiftung

Kritik an der "Generationenrente"

Ulrich Schneider sieht die Generationengerechtigkeit sogar erst recht in Gefahr. Er ist der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands und sagt: "Also ich finde die Idee absolut in der Sache verfehlt. Das, was da so nett als Generationenrente daherkommt, ist nichts anderes als die teilweise Auflösung unseres Generationenvertrages. Es soll also nicht mehr die jeweils jüngere Generation für die jeweils ältere Verantwortung übernehmen, sondern jede Generation wird praktisch für sich selbst verantwortlich und das ist, glaube ich, nichts, was den Zusammenhalt in dieser Gesellschaft steigern würde.

Ein weiteres Problem aus seiner Sicht: Die jetzt erwerbstätige Generation müsste plötzlich viel mehr Last tragen: "Sie soll das Geld erwirtschaften, was wir für die jetzigen Renten brauchen über das Umlagesystem und soll gleichzeitig das Geld erwirtschaften, was in einen solchen Fonds eingezahlt werden soll von Geburt an."

Auch auf den Kapitalmarkt zu vertrauen, um spätere Renten damit zu finanzieren, findet Schneider zu riskant. In einem Punkt aber sind sich alle Befragten einig: Dass die Generationenrente mit der Union am Ende tatsächlich einführt wird – daran glaubt niemand.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juni 2021 | 06:09 Uhr

17 Kommentare

Teilnehmer vor 22 Wochen

Das Geld wird ja nicht in Einzelaktien investiert, sondern in Fonds (ähnlich dem norwegischen Rentenfonds). Und da ist es völlig irrelevant, ob ein paar DAX-Unternehmen pleite gehen.

ElBuffo vor 22 Wochen

Unbeschwert und in Sicherheit? Die DDR war bankrott und hätte nicht mal annähernd ihre sozialen Wohltaten weiter verteilen können. Da reichte ein Blick zum großen Bruder oder meinetwegen nach Rumänien, um zu sehen, wohin die Reise geht. Da wären die Versprechungen auf Zusatzversorgungen noch das kleinste Problem gewesen. Jedenfalls zeigt das, was man von solchen Versprechen halten kann. Positiv wäre bei dem Vorschlag, dass hier eben tatsächlich auch Geld beiseite gelegt werden soll. Man kann schön bei den Pensionsverpflichtungen des öR sehen, wie schnell einem solche Versprechungen über den Kopf wachsen. Und da betrifft es einen überschaubaren Personenkreis, für dessen utopischen Versprechungen notfalls die gesamte Bevölkerung per Zwangsbeitrag herhalten muss. Wer sollte dann bei zig Millionen Rentnern in Anspruch genommen werden? Die DDR hatte da jedenfalls niemanden gefunden. Der große Bruder war längst selber pleite und ging betteln.

Atze1 vor 22 Wochen

Mit dem System, das krachen ging, da bin ich völlig Ihrer Meinung. Alles hätte ich gedacht, aber dass
Unbedarfte den Staat auflösen, der ihnen im Wesentlichen ein unbeschwertes Leben, wenn auch nicht in Luxus, doch aber in Sicherheit, gegeben hat, hat mich nachdenklich gemacht. Menschen zerstören einfach, ohne darum zu kämpfen, dass es besser oder anders wird. Das ist eine Erfahrung fürs Leben....
Auf der anderen Seite bin ich froh, dass wir nicht mehr geteilt sind.Echt froh und dankbar. Komisch, nicht? Trotzdem denke ich oft an die, die für diesen Staat DDR gekämpft haben und vielleicht schon in den KZ s gesessen haben. Was würden sie über diesen Rückschritt in den Kapitalismus sagen?

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