Corona-Maßnahmen Können Unternehmen noch Miete zahlen?

Vielleicht erinnern Sie sich noch: Von Anfang Mai bis Ende Juni hatte die Bundesregierung ein Kündigungsmoratorium erlassen für private und gewerbliche Mieter, die wegen der Folgen der Corona-Pandemie ihre Miete nicht mehr zahlen konnten. Auch jetzt sind Gastronomen de facto wieder im Lockdown, Geschäfte haben weniger Kunden. Doch wie steht es diese Mal um die Mietzahlungen gewerblicher Mieterinnen und Mieter?

Leere Sühle vor einem Restaurant.
Wenn Unternehmen aufgrund der Corona-Maßnahmen mit der Miete nicht hinterherkommen, kann ihnen gekündigt werden. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Mieten und Pachten – bei fehlenden Umsätzen seien das Fixkosten, die besonders ins Gewicht fielen, sagt Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Sachsen. Gerade in der Zeit des ersten Lockdowns hätten verschiedene Mieter gestundet. Einige hätten es trotzdem genommen.

Jeder, der Mieten und Pachten hat, schiebt da eine Bugwelle vor sich her, die er begleichen und abbauen muss.

Axel Klein, Geschäftsführer DEHOGA Sachsen

Die Situation ist angespannt

Denn von Anfang Mai bis Ende Juni gab es ein Kündigungsmoratorium für private und gewerbliche Mieter. Doch jetzt gilt das nicht mehr: Wer mit der Miete nicht nachkommt, dem kann gekündigt werden, auch wenn der Umsatz in Geschäften durch die Corona-Maßnahmen weggebrochen ist. Dass die Situation seit dem Teil-Lockdown für gewerbliche Mieter wieder angespannter ist, merkt auch René Hobusch. Er ist der Präsident des sächsischen Landesverbandes Haus&Grund, der private Vermieter vertritt.

Ein gezeichnetes Haus und Euro-Geldstücke
Die Situation der gewerblichen Mieterinnen und Mieter ist derzeit angespannt. Bildrechte: colourbox

Jetzt hätten sie im November auch wieder die Situation bei den klassischen Eigentümern und Vermietern, die eine gemischte Immobilie in Innenstadtlagen hätten, in großen und kleinen Städten, dass es eben wieder Umsatzrückgänge gebe ober gänzliche Schließungen, sagt Hobusch. Da stehe wieder die Frage: Wie kann so eine Stundungsvereinbarung aussehen? Wie gestalte ich das aus? Kann mein Mieter da wieder einfach die Miete nicht bezahlen? Das sei etwas, was sich im Frühjahr sehr schnell im Kopf breit gemacht habe, dass da Bedarf sei.

Noch keine aktuellen Zahlen

Haus&Grund vertrete vor allem Vermieter, die älter als 60 Jahre alt seien und die Mieteinnahmen zur Rentenaufbesserung benötigten. Trotzdem empfehle der Verband immer das Gespräch und die Suche nach einem Kompromiss zwischen den Mietparteien. Während des Moratoriums habe es etwa 15 Prozent Stundungen oder Mietausfälle für sächsische Privatvermieter gegeben – aktuelle Zahlen hat der Landesverband aber noch nicht. Auch Matthias Wulff kann keine Zahlen nennen. Er ist bei der Immobilienfirma Vonovia Sprecher für Ostdeutschland.

Insgesamt würde ich nicht sagen, dass es eine dramatische Situation ist.

Matthias Wulff, Sprecher Vonovia

Man müsse immer sehr genau hingucken, wie die Situation vor Ort ist: Wie ging es den Geschäften vorher? Was machen die eigentlich genau? Welche staatlichen Hilfen greifen möglicherweise? Aber insgesamt seien sie in einem ganz guten Austausch, sagt Wulff.

Vermieter fordern Hilfe

Ob die November- und Dezemberhilfen, wenn sie fließen, ausreichen, damit Gewerbetreibende ihre Mieten und vielleicht noch Stundungen aus dem Frühsommer zahlen können, bleibt abzuwarten. Ein neues Kündigungsmoratorium wird bei den Vermietern aber kritisch gesehen.

Da kann die richtige Lösung nur sein, dass hier Bund und Länder eingreifen und finanzielle Ausgleichsmöglichkeiten für betroffene Gewerbemieter zur Verfügung stellen.

René Hobusch, Haus&Grund Sachsen

Eine Alternative wäre Hobusch zufolge ein Mietenfonds, um so vielleicht ausfallende Mieten direkt über den Fonds an die Vermieter auszuzahlen. Ein Moratorium würde die Probleme nur verschieben, sagt Hobusch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. November 2020 | 06:11 Uhr

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