Trotz Buch-Kritik Habeck stellt klar: Baerbock bleibt Kanzlerkandidatin der Grünen

Der Grünen-Vorsitzende Habeck schließt einen Wechsel in der Kanzlerkandidatur von Co-Chefin Baerbock zu ihm klar aus. Dies sei "Kokolores". Baerbock steht in der Kritik, weil sich in ihrem Buch "Jetzt" Passagen aus anderen Publikationen ohne Quellenangaben finden.

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, stehen nebeneinander.
Baerbock und Habeck auf dem Grünen-Parteitag. Einen Wechsel der Kanzlerkandidatur soll es nicht geben. Bildrechte: dpa

Der Grünen-Co-Vorsitzende Robert Habeck hat einen Wechsel der Kanzlerkandidatur von Co-Chefin Annalena Baerbock zu ihm ausgeschlossen. Habeck sagte der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), das sei "Kokolores". Die Partei habe Baerbock gerade erst mit nahezu 100 Prozent zur Kandidatin gewählt. Jetzt gehe es darum, aus diesem Vertrauensvorschuss das Beste zu machen. Über einen Kandidatenwechsel habe es in der Partei keine Debatte gegeben.

Umstrittene Passagen in Baerbock-Buch

Zu Beginn des Bundesparteitags der Grünen sitzen Annalena Baerbock (r) und Robert Habeck, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, auf der Bühne.
Habeck wäre ursprünglich selbst gern Kanzlerkandidat geworden. Bildrechte: dpa

Baerbock steht unter anderem in der Kritik, weil es in ihrem gerade erschienen Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" dutzende Passagen gibt, die teilweise wortwörtlich in früheren Publikationen anderer Autoren auftauchten, ohne dass Baerbock darauf verwiesen hätte.

Im Bemühen, die Vorwürfe zu entkräften, verstrickten sich die Kanzlerkandidatin der Grünen und die Parteispitze teilweise in Widersprüche. Sogar die linke Tageszeitung "taz" forderte Baerbock zwischenzeitlich auf, die Kanzlerkandidatur abzugeben.

Nicht der erste Aufreger

Die Buch-Debatte war nicht der erste mediale Aufreger um die Person Baerbock. Zuvor war bekannt geworden, dass sie Sonderzahlungen der Partei verspätet an den Bundestag gemeldet hatte. Partei und Kandidatin mussten zudem mehrfach Angaben in Baerbocks Lebenslauf korrigieren.

"Es gab handwerkliche Fehler"

Habeck sagte dazu in dem SZ-Interview, hätte man gewusst, "dass an den Stellen solider hätte gearbeitet werden müssen, wäre da solider gearbeitet worden." Weiter räumte er ein, auch er habe sich über die Pannen und Versäumnisse der vergangenen Wochen geärgert. "Es gab handwerkliche Fehler", das habe ja auch Baerbock eingeräumt. Zugleich widersprach Habeck der Behauptung, die Grünen-Co-Vorsitzende sei eine Hochstaplerin. "Das ist sie nicht", sagte er. "Annalena Baerbock ist eine Frau, die von den Themen und ihrer Umsetzung getrieben ist."

Habeck weiter optimistisch

Trotz allem zeigte sich Habeck optimistisch, dass man in den gut zwei Monaten bis zum 26. September klar machen könne, "dass Vertrauen in die richtige Politik die Abstimmung bestimmen sollte". Dafür brauche es "keinen Neustart". Das Rennen um das Kanzleramt sei noch nicht vorbei. Zugleich ging Habeck offensiv in die Auseinandersetzung mit der politischen Konkurrenz. So warf er CDU und CSU vor, die Solarindustrie "schwer geschädigt" zu haben. Zudem verspreche die seit 15 Jahren regierende Union, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, mache aber nichts für den Mieterschutz.

Baerbock war im April vom Bundesvorstand der Grünen als Kanzlerkandidatin vorgeschlagen und im Juni vom Parteitag bestätigt worden. Co-Parteichef Habeck hatte ebenfalls Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur, steckte dann aber zurück.

Quellen: dpa/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juli 2021 | 06:00 Uhr

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