Delegiertenkonferenz Grüne suchen nach Wahlkampf-Rezepten für den ländlichen Raum

Am Wochenende veranstalten die Grünen eine virtuelle Bundesdelegiertenkonferenz – natürlich digital. Dort soll Annalena Baerbock ganz offiziell als Kanzlerkandidatin gekürt werden und auch das Regierungsprogramm soll verabschiedet werden. Auch das Ergebnis der Wahl in Sachsen-Anhalt und der aktuelle Absturz in Umfragen werden Themen sein. Gerade die mitteldeutschen Grünen suchen nach Rezepten für den Wahlkampf.

Annalena Baerbock 3 min
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Fokus auf ländlichen Raum besondere Altersstruktur im Osten

MDR AKTUELL Fr 11.06.2021 06:10Uhr 02:55 min

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Klar, das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt spielt auch an diesem Wochenende eine Rolle. Die Grünen konnten nur leicht zulegen und stehen bei knapp sechs Prozent. Dabei hatte sich der Landesverband mehr erhofft, musste aber feststellen, dass die aktuellen großen Themen der Grünen bei dem Großteil der Menschen in Sachsen-Anhalt einfach nicht ankommen. Die Landesvorsitzende Susan Sziborra-Seidlitz sagt: "Tatsächlich war ja auch in den Angaben der Wählerinnen und Wählern, was für sie wahlentscheidende Themen sind, das Thema Klimakrise nicht vorne dabei." Und das sei problematisch, schließlich sei das Thema nicht nur für die Grünen relevant, sondern eben für die Entwicklung der nächsten Jahre – "dass die Menschen das, was sie erleben, die Folgen der Klimakrise, mit der Notwendigkeit verknüpfen, auch etwas dagegen zu tun."

Wenn die Grünen zur Bundestagswahl in Mitteldeutschland besser abschneiden wollen, müssten die Strukturverhältnisse mehr beachtet werden. Gerade Sachsen-Anhalt aber auch Thüringen sei eher ländlich geprägt, die Bevölkerung sei älter und habe andere Lebenserfahrungen gemacht als in den Grünen-Hochburgen im Westen Deutschlands. Entsprechend knapp lagen die Grünen in diesen Bundesländern auch nur über der Fünf-Prozent-Hürde bei den letzten Landtagswahlen.

Andere Wahlkampfstrategie für den Osten?

Das müsse in der Kommunikation im Wahlkampf bedacht werden, sagt die sächsische Delegierte Christin Furtenbacher. Die Grünen stünden für Veränderung und das müsse man im Osten anders kommunizieren als im Westen: "Veränderungen bereiten erstmal Sorge. Trotzdem ist es uns wichtig, dass wir Veränderungen anstoßen, denn die werden im kommenden Jahrzehnt gebraucht. Und da ist es enorm wichtig, den Menschen auch in den neuen Bundesländern, die möglicherweise mit Veränderungen in den letzten Jahrzehnten auch schwierige Erfahrungen gemacht haben, den Halt zu geben, den es braucht." Man wolle vermitteln, mit welchen Vorhaben Veränderung gestaltet werden solle. "Denn das Alte zu erhalten, ist einfach gefährlich vor den Herausforderungen, vor denen wir stehen", sagt Furtenbacher.

Auch Bernhard Stengele, Sprecher der Thüringer Grünen sieht jetzt ein kurzes Fenster für eine Regierungsbeteiligung. Die Mehrheiten dafür könne man aber nur sichern, wenn am Wochenende und im Wahlkampf nicht nur das klassische wohlhabende und urbane Milieu in den Mittelpunkt gestellt wird.

Grüne wollen nicht nur eigene Klientel ansprechen

Das grüne Wahlprogramm enthalte nicht nur Ideen für eine Energie- und Klimawende, sondern auch Pläne, wie auch weniger wohlhabende Regionen und Menschen dabei unterstützt werden sollen, sagt Stengele: "Alle diese Kompensationen, die den 'abgehängten' ländlichen Raum betreffen, müssen nach vorn gestellt werden und auch umgesetzt werden. Und wir müssen bei den Änderungsanträgen klug genug sein, um das Zumutbare zu verabschieden und nicht das, was die Leute verschreckt." Das heiße, dass auch die, die noch radikalere Forderungen aufstellten, verstehen, "dass wir jetzt die Leute mitnehmen müssen". Sonst verliere man wieder Jahre, in denen es wirklich vorangehen könne.

Damit das der Partei nicht passiert, müsse sie vor allem noch lernen, wie sie ihre Themen im ländlichen Raum besser verkauft. Denn wer regieren wolle, dürfe nicht nur seine Klientel ansprechen, sagt Stengele.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juni 2021 | 08:06 Uhr

105 Kommentare

Soldaten Norbert vor 3 Tagen

Ja, da wünsche ich mir auch. Nur wie sieht die Realität aus ? Für die grüne Ideologie ( Biogas/ Diesel) beherrschen Monokulturen unsere Felder . Kein Unkräutchen wächst dazwischen, kein Insekt ist noch zu finden.

Ernst678 vor 3 Tagen

Natürlich tragen die Grünen zur Veränderung des Klimas bei so wie sich das Klima auf Erden schon seit vielen Millionen von Jahren ändert, ohne Grüne, ohne Autos, ohne Menschen überhaupt. Es kommt nicht auf das ob, sondern auf das wie an. Und bei der geballten Inkompetenz der Grünen kann ich mir eine sinnvolle Lösung nicht mal auch nur vorstellen. Wie schon Baerbock sagte: " Du kommst von Kühen und Schweinen und ich vom Völkerball". Ich denke Inkompetenz kann man nicht besser unters gläubige Volk bringen wollen.

Ernst678 vor 3 Tagen

Die eine Hand gibt's, die andere nimmst, oder wie Ökonomen sagen "rechte Tasche linke Tasche". Der Staat ist nicht ausschließlich dazu da umzuverteilen und eine Ungerechtigkeit durch eine andere zu ersetzen. Der Staat hat die Rahmenbedingungen für Wachstum, Fortschritt und Volkswohlstand zu setzen und nicht bis in die Wohnzimmer der Menschen hineinzuregieren und zu spionieren!

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