Startkapital von 20.000 Euro Ostbeauftragter Schneider für Grunderbe und höhere Erbschaftssteuern

Um die soziale Ungleichheit in Deutschland zu verringern, schlägt der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, ein sogenanntes Grunderbe vor. Zudem forderte er, dass auch die Erbschaftssteuern erhöht werden müssen. Das könne ein gutes Mittel gegen die soziale Ungleichheit in Deutschland sein.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, schlägt ein sogenanntes Grunderbe vor. Der SPD-Politiker sagte den Funke-Medien, für einen Großteil der Bevölkerung sei es nicht mehr möglich, Eigentum zu bilden. Wer nichts habe, könne kein Vermögen aufbauen. Diese Ungleichheit wachse von Generation zu Generation.

Vermögensungleichheit kann deutlich reduziert werden

Ein Grunderbe könne auch den Einstieg ins Berufsleben gerechter gestalten, betonte Schneider. "Wir laufen Gefahr, dass sich eine Rentiersgesellschaft, die von Erbschaften lebt, von der normalen Arbeitsgesellschaft abkoppelt", kritisierte der Ostbeauftragte.

Ein Grunderbe für alle 18-Jährigen würde Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge bei einem Startkapital von 20.000 Euro rund 15 Milliarden Euro im Jahr kosten. Zudem hatte das Institut bereits Ende 2021 berechnet, dass ein staatliches Grunderbe in Höhe von bis zu 20.000 Euro für alle 18-Jährigen die Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich reduzieren würde.

Finanziert durch höhere Erbschaftssteuer

Zur Finanzierung sprach sich Schneider dafür aus, für die oberen zehn Prozent in Deutschland die Erbschaftssteuer zu erhöhen. "In Deutschland werden Millionenerbschaften zu gering besteuert", kritisierte der SPD-Politiker.

Eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag an die Regierung legte 2018 offen, dass Millionenerben kaum Steuern zahlen. Wer beispielsweise 100 Millionen Euro oder mehr geerbt hatte, zahlte lediglich nur 0,2 Prozent Steuern darauf. Wo hingegen zum Beispiel das Erbe von Ehepartnern, je nach Wert des Erbes, in Steuerklasse I mit sieben bis 30 Prozent besteuert wird.

DIW-Experte Bach verteidigt Idee des Grunderbes

Der Wirtschaftsexperte Stefan Bach hat den Vorschlag eines Grunderbes für jeden jungen Erwachsenen verteidigt. Der Projektleiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagte MDR AKTUELL, es gehe darum, die große Ungleichheit beim Vermögen und den Lebenschancen zu korrigieren. Wenn jeder junge Erwachsene 20.000 Euro erhalte, koste das den Staat rund 15 Milliarden Euro im Jahr. Das wäre zu stemmen, wenn man die Privilegien und Steuersenkungen bei den Vermögenden wieder etwas zurückdrehe. Superreiche hätten heute nicht höhere Steuersätze als die Mittelschicht.

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dpa/AFP/epd (sra)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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